Max Verstappen setzte mit dem ersten Podium eines Honda-Motors seit 2008 am Sonntag in Melbourne ein Ausrufezeichen. Valtteri Bottas an der Spitze war zwar enteilt, doch der Niederländer konnte Sebastian Vettel relativ mühelos überholen, die beiden Ferrari weit hinter sich lassen und zum Rennende hin Druck auf Weltmeister Lewis Hamilton ausüben.

Dieser gab sich nach dem Rennen hocherfreut über die wiedererstarkten Bullen, nicht ohne Seitenhieb auf den Kontrahenten aus Maranello. "Es ist toll, die Entwicklung des Teams zu beobachten. Zu sehen, wie sie Ferrari überholen, ist großartig.", ließ der 5-fach-Champion verlauten und sagte eine spannende Saison voraus. "Die Red Bull sind da und ich denke, wir werden einen tollen Kampf über das Jahr haben."

Hamiltons Chef stimmte ebenfalls in die Freudengesänge mit ein. "Es freut mich zu sehen, dass sie stark zurückkommen. Das ist eine Gruppe sehr anständiger Leute.", gönnte Toto Wolff der Truppe aus Milton Keynes am Sonntag die wiedergefundene Stärke.

Wolff rechnet mit Red Bull im WM-Kampf

Auch dem geborenen Wiener war die Rennpace Verstappens in Australien nicht entgangen. "Wir haben gesehen, wie sie Sebastian vor Turn 3 überholt haben. Das war enorm. Wir müssen sie definitiv auf der Rechnung für die Weltmeisterschaft haben."

Das Ergebnis war zum einen der starken Leistung Verstappens zu verdanken, der sieben Plätze und eine Runde vor seinem Teamkollegen landete. "Max fuhr wieder spektakulär heute und quetschte alles raus", hatte Wolff den jungen Niederländer bereits nach dessen starker uali-Runde am Samstag gelobt.

Verstappen schickt sich an, Mercedes anzugreifen - Foto: LAT Images
Verstappen schickt sich an, Mercedes anzugreifenFoto: LAT Images

Zum anderen stellt Honda dem Team anscheinend einen wesentlich besseren Motor zur Verfügung als Renault die letzten Jahre. Helmut Marko schwärmte im Motorsport-Magazin.com-Interview von einem "super Motor" und sah das verbleibende Defizit plötzlich überraschend auf Red-Bull-Seite. "Wir müssen am Chassis arbeiten. Wir brauchen mehr Downforce", gab er ein ungewohntes Urteil zu Protokoll.

Honda stark aber noch nicht am Ziel

Nicht, ohne direkt eine Kampansage hinterherzuschicken. "Wir sehen, wo wir Schwächen haben - aber wenn man einen Ferrari auf der Strecke überholt, kann man nicht davon sprechen, dass es schwach ist. Wir wollen aber nicht Dritter werden, wir wollen gewinnen. Und auf Mercedes fehlt uns beim Chassis noch etwas."

Auch deren Teamchef Wolff schob das gute Red-Bull-Ergebnis zum Teil auf den Motor. "Ich denke, dass Honda ganz sicher einen großen Schritt gemacht hat. Wenn du dir die Geschwindigkeiten anschaust, ist Red Bull sehr schnell."

Hondas technischer Direktor Toyoharu Tanabe kündigte derweil an, die Entwicklung des Motors weiter vorantreiben zu wollen. "Das war ein guter erster Schritt, aber wir müssen die Leistung unserer Power-Unit verbessern, wenn wir unsere Gegner schlagen wollen. Insgesamt war es ein positiver Start, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen." Bei Mercedes würde man sich freuen, wenn der Fortschritt gelingt und Red Bull erstmals in der V6-Hybrid-Ära wieder um Siege und den Titel kämpfen kann.

Australien GP 2019: Wie stark war Bottas? Wie schwach Ferrari?: (08:02 Min.)

Wolff: Enger Kampf gut für die Formel 1

Hamilton zieht bereits Vergleiche zu seinem Idol Ayrton Senna, der seine drei Weltmeister-Titel bei McLaren jeweils mit Honda-Motoren einfuhr; 1988 mit einem V6-Motor. "Ich habe Ayrton im Honda angehimmelt.", so der Brite, und weiter mit Blick auf Red Bull: "Es ist toll, sie wieder zurück an der Spitze zu sehen. Ich hoffe, sie behalten ihre Zuverlässigkeit und wir bekommen einen engen Kampf über das Jahr."

Auch Wolff kann einem Kampf mit dem österreichischen Team, am liebsten einem Dreikampf, nur Positives abgewinnen. "Wir wollen sie im Mix. Wenn sie gemeinsam mit Ferrari bei der Musik sind, ist es das, was wir brauchen. Der Sport braucht das und wir wollen die Herausforderung."