Verglichen mit seinen Vorgängern in der Formel 1 hatte es Bernd Mayländer ohnehin gut. In den Ur-Zeiten mussten sich die Safety-Car-Fahrer noch mit einem Fiat Tempra oder einem Opel Vectra vor den Formel-1-Boliden herumquälen. Als Bernd Mayländer 2000 offizieller Safety-Car-Fahrer der Formel 1 wurde, hatte er immerhin schon einen Mercedes CL 55 AMG mit rund 360 PS.

Seitdem haben sich seine Dienstfahrzeuge stetig verbessert. Zuletzt durfte der ehemalige DTM-Pilot in Mercedes' Supersportwagen GT S vor dem Formel-1-Feld herfahren. Obwohl der reinrassige Sportwagen bei der PS-Zahl ein Rückschritt im Vergleich zum legendären SLS war, wurden die Rundenzeiten schneller. Doch seit der Saison 2018 kann Mayländer über den moderaten Zugewinn der Vergangenheit nur schmunzeln. Jetzt rückt er in der verschärften GT-Version aus, die es aus Affalterbach gibt: dem Mercedes AMG GT R. "Es ist auf jeden Fall das schnellste Safety-Car, das es je gab", schwärmt Mayländer.

Mercedes AMG GT R: Deutlich verbesserte Fahrdynamik

Die 585 PS klingen angesichts seiner Vorgänger aus dem Hause Mercedes gar nicht übermäßig spektakulär. Der SLS-Flügeltürer kam mit seinem 6,3-Liter-Ungetüm unter der Haube schon auf 571 PS. Doch der GT R zählt nicht umsonst zu einem der schnellsten je getesteten Serienautos auf der Nordschleife. Selbst Hypercars mit knapp 1.000 PS müssen sich dem Sicherheits-Silberpfeil auf der Rundstrecke geschlagen geben.

"Als ich den GT R erstmals bei PR-Events gefahren bin, habe ich noch gar nicht gemerkt, dass er so viel schneller ist als der GT S", gesteht Mayländer. Doch der Schritt ist massiv: rund 1,0 bis 1,2 Sekunden pro Kilometer ist das neue Safety-Car schneller als sein Vorgänger. Auf einer durchschnittlichen Runde macht das eine Verbesserung von sechs Sekunden. Den frischgebackenen Zwillings-Vater Mayländer freut es: "Mir wurde immer erzählt, dass man pro Kind eine Sekunde verliert. Ich fahre sechs Sekunden schneller."

Das Safety Car führt in Monza das Feld der Formel 1 an - Foto: Sutton
Das Safety Car führt in Monza das Feld der Formel 1 anFoto: Sutton

Doch woher kommt der große Schub beim neuen Sicherheitsfahrzeug? "Der GT R ist viel präziser, lenkt genauer ein. Die breiteren Reifen und vor allem die Hinterachslenkung machen sich hier bemerkbar", erklärt Mayländer. Dazu kamen neue Pirelli-Reifen. Die alten Pneus wurden zwar speziell für den Formel-1-Einsatz hergestellt, aber erfuhren keine eigene Entwicklung. Für die GT R Straßenversion wurden spezielle Reifen entwickelt, die nun dem Safety-Car zugutekommen. "Sie sind sofort auf Betriebstemperatur und halten nicht nur zwei bis drei Runden, wie das bei Straßenreifen häufig der Fall ist", lobt Mayländer.

Um mit den Reifen noch besser spielen zu können, hat der GT R eine spezielle Traktionskontrolle, ähnlich einem GT3-Boliden. Für Mayländer ein schönes Werkzeug: "Je stärker die Reifen verschlissen sind, desto stärker stelle ich die Traktionskontrolle ein, damit sie nicht überfahren werden. Bei Regen genauso." Der Vorgänger hatte nur drei verschiedene Fahrstufen, die Traktionskontrolle ließ sich gar nicht gesondert regeln.

Schneller? Für Formel-1-Piloten nicht schnell genug

Trotz des schnellen Safety Cars ist den Piloten der Formel 1 das Tempo noch nicht schnell genug. Allen voran Lewis Hamilton. Er beschwert sich noch immer, dass Mayländer zu langsam ist. Eine kleine Retourkutsche kann Mayländer sich nicht verkneifen: "Wenn er direkt hinter mir fahren würde, würde er merken, dass ich dieses Jahr schneller bin."

Im Ernst", relativiert Mayländer, "eine Sekunde pro Kilometer schneller ist für ein F1-Auto nicht wahnsinnig viel. Das Problem wird weiterhin aufkommen, aber das ist kein Thema, dass die FIA unbedingt lösen will. Das Safety Car soll ja langsamer sein und das Feld einbremsen, damit die Streckenposten in Ruhe aufräumen können." Sebastian Vettel hat einen Gegenvorschlag: "Nach so vielen Jahren Mercedes, könnten wir vielleicht Mal einen Ferrari als Safety Car einsetzen..."

Unsere Highlights der Formel-1-Saison 2018 (Pro & Contra): (19:47 Min.)

Inzwischen wird bei der FIA darüber nachgedacht, ob das nächste Safety Car sogar schon ohne Fahrer auskommen kann. "Grundsätzlich ist das nicht abwegig", meint der Betroffene. "Natürlich wäre ich dann wegrationalisiert, aber ich hätte damit kein Problem - wie beim VSC auch. Aber ich stelle es mir schwierig vor, einem autonom fahrenden Auto zu sagen, wie es in T14, wo die Trümmer liegen, genau fahren soll. Ich denke, bis das technisch so weit ist, ist noch ein bisschen hin. In der Formel E ist es etwas anderes, dort kann ich es mir besser vorstellen." Doch bis es tatsächlich so weit ist, gibt es noch menschliche Probleme. "Man hätte vielleicht Mal eine andere Farbe nehmen können", meint Mayländer. "Vielleicht das GT R grün oder ein signalfarbenes leucht-orange."

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