Für Marcus Ericsson begann diese Woche mit seinem ersten IndyCar-Test sein großes Abenteuer in den USA. Der Schwede genoss die erste Ausfahrt mit seinem neuen Arbeitsgerät und diesem konnte er gewisse Vorzüge gegenüber der Formel 1 nicht absprechen. Sein Stammcockpit bei Alfa Romeo Sauber auf einem neuen Höhepunkt räumen zu müssen, schmerzt ihn dennoch.

"Das nicht mehr fortsetzen zu können, ist der enttäuschende Teil", hatte der 28-Jährige zuletzt gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärt. "Schließlich war ich in all den schlechten Zeiten hier, sowie in den guten dieses Jahr. Ich fühle mich sehr als Teil der Reise dieses Teams, mit allem was dazugehörte. Deshalb bin ich traurig, nicht weitermachen zu können."

Ericsson fuhr 2018 stark wie nie zuvor. Mit neun Punkten war die Ausbeute zwar identisch mit der seiner ersten Saison für Sauber 2015, gegen Ferrari-Supertalent Charles Leclerc zog er sich dabei aber ordentlich aus der Affäre. In Brasilien fuhr er an seinem vorletzten Wochenende mit Platz sieben das beste Qualifying seiner F1-Karriere.

Ericsson stolz auf Sauber: Erst Tiefpunkt, dann neuer Zenit

"Als ich 2015 zum Team kam, hatten wir einen tollen Start mit starken Resultaten und einigen Punkten. Aber nach einer halben Saison begann eine Art Überlebenskampf für die nächsten zwei oder zweieinhalb Jahre", so Ericsson. "Es war sehr hart, als wir immer weniger konkurrenzfähig wurden. Wir waren wirklich am Tiefpunkt angekommen, aber dann haben wir das Ruder herumgerissen."

2018 wurde nach einem schwachen Start Saubers stärkste Saison seit 2013, als das Team mit Nico Hülkenberg teilweise Top-Resultate feierte. "Es fühlt sich so an, als ob das Team einen neuen Zenit erreicht hat", schwärmt Ericsson. "Wir haben weiter vorne gekämpft, und Teil dieser Transformation zu sein hat viel Spaß gemacht. Diese letzte Saison war großartig für das Team und für mich. Es wäre schön gewesen nächstes Jahr daran anzuknüpfen. Aber es ist wie es ist. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe."

Ericsson schwärmt von IndyCar: Liebe für Motorsport wieder entflammt

Neun Tage nach dem Formel-1-Finale in Abu Dhabi begann am Dienstag begann für ihn seine IndyCar-Karriere. In Sebring kletterte er das erste mal in den Dallara-Honda vom Team Schmidt Peterson Motorsports. "Ich hatte diese Autos noch nie zuvor live gesehen", gestand er gegenüber IndyCar.com noch vor seinem ersten Run.

Durch die Anwesenheit des Team Penske hatte der Schwede auf seiner ersten Ausfahrt mit dem neuen Spielzeug auch gleich eine Referenz. Die Sehnsucht nach der Formel 1 schien bei ihm nach kurzer Zeit verflogen: "Es hat mich daran erinnert, weshalb ich mich in den Motorsport verliebt habe." Der Abschied aus der Königsklasse des Motorsports fiel zwar schwer, doch der Spirit der IndyCars begeisterte Ericsson sofort.

Marcus Ericsson ist ab 2019 in der IndyCar zuhause - Foto: IndyCar
Marcus Ericsson ist ab 2019 in der IndyCar zuhauseFoto: IndyCar

Ericsson hat Spaß: Muss IndyCar als Fahrer viel mehr rannehmen

"F1 wird immer F1 sein. Aber sie ist in gewisser Weise etwas künstlich. Du kommst immer nur an diese perfekten Orte. Racing ist aber nicht so, würde ich sagen. Das hier erinnert mich an die Leidenschaft im Motorsport", lobt er den ursprünglichen Charakter der US-amerikanischen Top-Formelserie. Und auch hinter dem Lenkrad hatte der Bolide durchaus seinen Reiz.

"Als Fahrer musst du dieses Auto viel mehr rannehmen", sagt Ericsson, der im IndyCar mit weniger Anpressdruck und ohne Hilfen wie Servolenkung zurechtkommen muss. "In der F1 ist alles von Beginn an schon zu perfekt, während du dich hier mit dem Auto auseinandersetzen und es perfektionieren musst. Es erfordert viel mehr Arbeit vom Fahrer. Das ist der größte Unterschied."

Team von Ericsson überzeugt: Lernkurve steil, bereit zum Angriff

Sein Wissen aus 97 Rennen in der Formel 1 sieht er als großen Vorteil in der IndyCar: "Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass ich einen Teil meiner F1-Erfahrung einbringen kann, und sie uns als Team helfen wird, vorwärts zu kommen. Aber auch das Team hier arbeitet auf einem sehr hohen Level."

Bis zum Saisonauftakt am 10. März in St. Petersburg wird Ericsson noch einige Testtage absolvieren, um für die neue Herausforderung bereit zu sein. "Seine Lernkurve wird steil sein, aber er ist mental gut vorbereitet, um anzugreifen", sagt Team-Manager Taylor Kiel.