Formel 1 2019: Red Bull mit Honda zur WM? (17:11 Min.)

Jetzt ist der Käse - pardon, das Sushi - also gegessen: Red Bull Racing macht nach zwölf Jahren Höhen und Tiefen Schluss mit Renault, spannt ab 2019 stattdessen zusammen mit Honda, dem einzigen noch größeren Motoren-Sorgenkind der Formel 1 der vergangenen Jahre, der Ära Power Unit.

Weil Honda gleichzeitig Toro Rosso erhalten bleibt bedeutet das für die Japaner: Erstmals werden zwei Teams mit Aggregaten beliefert. Zu McLaren-Zeiten noch undenkbar, wollte Ron Dennis bei der Neuauflage der einst so erfolgreichen Partnerschaft unbedingt alle Asse an sich reißen Werksstatus genießen.

Honda wollte immer zweites Team, McLaren stellte sich quer

Das Ende der Geschichte ist bekannt: McLaren-Honda floppte grandios. Auch, weil Honda nie ordentlich zu testen vermochte. Nur ein Team heißt immerhin bei Testfahrten sogar nur ein Auto. Gibt es einen kapitalen Defekt geht gar nichts mehr. Gift für die Datensammlung.

"Als wir 2015 zurück in die F1 gekommen sind, war es immer unsere Absicht, von diesem Jahr an zwei Teams zu haben, wir haben die organisatorischen Strukturen dafür", hadert Masashi Yamamoto, Chef der Honda-Motorsportabteilung, im Zuge der Bekanntgabe des Deals mit Red Bull noch heute mit einer Spitze Richtung Woking. "Je mehr Motoren, Fahrer und Teams im Einsatz sind, desto mehr Daten haben wir. Das würde unserer Performance natürlich helfen", sagte zuvor bereits Motorenchef Toyoharu Tanabe im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Honda: Red Bull & Toro Rosso stellen uns nicht vor Probleme

Mit Red Bull und Toro Rosso zugleich wird der Wunsch nun wahr. Honda fühlt sich bestens aufgestellt. "Red Bull Racing und Toro Rosso gehören außerdem ja derselben Familie an, sodass wir auf Honda-Seite eine leichtere Organisation haben können", sagt Yamamoto. "Aber wir haben noch immer Raum für Verbesserungen, was die Organisation und das Personal anbelangt und werden sehr bald mit beiden Teams daran arbeiten", ergänzt der Motorsport-Leiter.

Was dabei hilft: Die neue räumliche Nähe. Honda unterhält seine Europa-Destination in Milton Keynes, also vor der Haustür Red Bulls. Das ist deutlich näher als Toro Rosso in Faenza. "Ganz klar ist es ein Vorteil, beide Fabriken so nah beieinander zu haben. Auch wenn man heute viel mit TV-Konferenzen machen kann, halte ich Kommunikation von Angesicht zu Angesicht für noch immer sehr wichtig. Das kann einen sehr großen Unterschied machen", frohlockt der Japaner.

Red Bull & Toro Rosso: Volle Gleichbehandlung durch Honda

Doch werde Red Bull deshalb noch längst keine Vorzugsbehandlung genießen, zum neuen Honda-Werksteam werden, sodass Toro Rosso zum Beiboot degradiert würde. "Wir werden beiden, Red Bull und Toro Rosso, die gleiche Spezifikation liefern. Aus Sicht eines Herstellers macht es keinen Sinn, eines der Teams entweder als Werksteam oder Kundenteam zu definieren, da die gegenwärtigen Regeln uns ohnehin auferlegen, all unseren Teams die gleiche Power Unit zur Verfügung zu stellen", erklärt Yamamoto.

"In diesem Sinn bringt der Vertrag alle drei Parteien in eine gleichwertige Position. An der derzeitigen Beziehung zwischen Honda und Toro Rosso wird sich nichts ändern", bekräftig der Honda-Mann. Einen Unterschied gibt es dann aber doch – gegenüber 2017. Honda kann früher entwickeln, nun auch mit Toro Rosso.

Honda hofft: Endlich Erfolg dank Top-Team Red Bull

Yamamoto: "Alle anderen Teams haben bereits die Entwicklung für 2019 begonnen, also müssen wir nun auch loslegen, damit die Power Unit und das Chassis zusammenpassen. Auch, wenn wir verglichen mit der Situation mit Toro Rosso im vergangenen Jahr mehr Zeit haben, ist es noch immer ein kleinerer Zeitrahmen als bei allen anderen."

Formel 1 2019: Red Bull mit Honda zur WM? (17:11 Min.)

Doch Honda lässt sich davon nicht beirren, ist topmotiviert nach dem Neueinstieg in die Formel 1 jetzt endlich auch einmal echte Erfolge zu feiern. Red Bull sei dafür perfekt. "Es handelt sich um eines der Top-Teams, das einige WM-Titel und auch dieses Jahr schon Rennen gewonnen hat. Sie haben ein sehr gutes Chassis und bedeutet, dass wir bessere Chancen haben, Rennen zu gewinnen", freut sich Yamamoto mit einer weiteren feinen Nadelspitze gegen McLaren.

Honda-Ziel: Red Bull darf 2019 nicht schlechter werden

"Das verleiht allen Mitarbeitern von Honda zusätzliche Motivation, ist aber zeitgleich eine gewaltiger Druck und eine große Verantwortung für uns. Wir müssen mit ihren hohen Erwartungen klarkommen, aber wir nehmen ihren Respekt für uns wahr. Wir werden alles was wir haben in die Entwicklung für das nächste Jahr stecken", verspricht er.

Immerhin wolle Honda ja auch für sich selbst erfolgreich sein. "Es liegt in Hondas Naturell, immer nach einem sehr hohen Ziel zu streben. Das macht Honda aus", berichtet der Japaner. Deshalb gibt es bereits ein konkretes Ziel. Yamamoto: "Um damit zu beginnen, wollen wir Red Bulls Performance nicht unter den gegenwärtigen Level fallen sehen. Aber unser Ziel ist, noch weiterzugehen und Besseres zu ermöglichen als das, wo sie gerade liegen."

2018 mit Toro Rosso soll darunter nicht leiden. "Wir treiben unsere Entwicklung weiter voran, um weitere Verbesserungen zu erhalten und um noch bessere Ergebnisse im Rest der Saison zu streiten", so Yamamoto, den starken vierten Platz Pierre Gaslys in Bahrain noch im Hinterkopf.