Das Formel-1-Rennen in Spanien sah zahlreiche Upgrades. Doch kaum eine technische Neuerung stand so sehr im Fokus wie die neuen Spiegeln am Ferrari. Ferrari installierte als einziges Team die Rückspiegeln nicht mehr am Cockpit, sondern am Halo.

Doch warum war in Barcelona die Aufregung darüber so groß? Erst kürzlich hatte der Automobilweltverband FIA eine Technische Direktive erlassen, der das explizit erlaubte. Darin schrieb Rennleiter Charlie Whiting, dass die Spiegel auch am Halo befestigt werden dürfen.

Doch Ferrari ging beim Spanien GP 2018 noch einen Schritt weiter: Aus den Rückspiegeln wuchsen noch einmal Leitbleche nach oben. Und genau darum geht es. "Es ist keine Kontroverse", stellte Whiting nach dem Spanien GP klar. "Es ist nur ein liberale Interpretation des Wortes 'Befestigung'. Wenn es eine Befestigung ist, ist es legal. Bodywork ist nicht erlaubt."

Formel 1 Spanien 2018: Ferrari - Spiegel, Reifen & Strategie: (10:49 Min.)

Und was denkt der FIA-Rennleiter selbst? "Ich denke nicht, dass es eine Befestigung ist", so Whiting. "Ich denke, wir werden etwas unternehmen. Wir werden wohl am Montag eine Technische Direktive aussenden, in der wir unsere offizielle Interpretation der Regeln darlegen."

Heißt konkret: Ab Monaco ist Ferraris Lösung verboten. Wie aber rechtfertigte Ferrari das Leitblech über dem Spiegel? Schließlich war für jedermann ersichtlich, dass es sich hierbei nicht um eine Halterung handeln würde. "Sie sagen, es würde zur Steifigkeit des Spiegels beitragen", erklärte Whiting Motorsport-Magazin.com.

Warum durfte Ferrari in Barcelona mit Leitblech am Spiegel fahren?

Das bedeutet allerdings nicht, dass Ferrari den Spiegel ab Monaco wieder am Monocoque befestigen muss. Lässt man die 'Versteifung' darauf weg, entspricht der neue Spiegel auch der Interpretation der FIA. Da Ferrari und Sebastian Vettel behaupten, der Spiegel würde die Sicht verbessern, gibt es eigentlich keinen Grund, den Spiegel nach der Technischen Direktiven wieder zur versetzen.

Warum aber, wenn die FIA die Spiegel nicht für regelkonform hält, durfte Ferrari dann in Barcelona damit fahren? "Das ist ein vernünftiger Weg, so etwas zu regeln, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt", rechtfertigt Whiting. "Wenn es ein klarer Regelbruch wäre, wäre es nicht erlaubt."

Update: FIA stellt Regeln für Spiegel am Halo klar

Nachdem am Rennwochenende in Barcelona schon klar war, dass Ferraris Konzept ab Monaco nicht mehr erlaubt ist, gab es wenige Tage später auch die offizielle Erklärung von der FIA. Spiegel, ihre Gehäuse sowie Befestigungen dürfen demnach weiterhin so designt werden, dass ihr Effekt auf die Aerodynamik minimiert wird. Aerodynamische Vorteile sollten dabei jedoch zufällig oder nur minimal ausfallen.

Jegliche Befestigungen der Spiegel dürfen nur noch strukturell zum gesamten Befestigungs-System des Bauteils beitragen. Dazu soll laut FIA ein Element genügen. Sollte ein Team mehr als ein Befestigungselement für den Spiegel nutzen, muss die Notwendigkeit dafür den Regelhütern in Form eines Tests demonstriert werden.

Ferner müssen alle Befestigungen an der Unterseite und/oder von dort innerhalb des Spiegelgehäuses angebracht werden. Sprich, eine Strebe an der oberen Seite des Spiegels, wie sie Ferrari in Barcelona einsetzte, ist komplett verboten. Inwiefern unterschiedliche Befestigungskonzepte der Spiegel am Halo regelkonform sind, behält sich die FIA weiter vor.

Die Befestigungen der Spiegel dürfen nur noch an der Unterseite des Gehäuses angebracht werden - Foto: Sutton
Die Befestigungen der Spiegel dürfen nur noch an der Unterseite des Gehäuses angebracht werdenFoto: Sutton

FIA gibt zu: Regelwerk nicht lückenlos

Damit wollen die Regelhüter einen Fall wie den von Ferrari für die Zukunft unterbinden. Sollte ein Team abermals glauben ein Schlupfloch gefunden zu haben und für sich nutzen zu können, kann die FIA auch ein anderes Konzept wie das der Scuderia im Nachgang verbieten. Die FIA hält die Teams außerdem dazu an, die Legalität neuer Designs im Vorfeld mit den Offiziellen abzuklären, um "die Verschwendung von Ressourcen, Zeit und Geld" zu vermeiden.

Die Regelhüter räumten außerdem ein, dass die momentan eingesetzten Regeln hinsichtlich der Spiegel nicht perfekt seien. Demzufolge soll für das Technische Reglement der Saison 2019 ein klarer definiertes Regelwerk zur Festlegung der Spiegelposition, des Gehäuses sowie der Sichtvorgaben verabschiedet werden. Dies soll in naher Zukunft geschehen.