Renault macht ernst: Nach dem desolat verlaufenen Debüt-Jahr, in dem der Hersteller nur auf Rang neun der Konstrukteursweltmeisterschaft kam, wird nun kein Stein auf dem anderen gelassen. Mit der Verpflichtung von Nico Hülkenberg haben die Franzosen schon ein erstes Ausrufzeichen gesetzt, doch auch hinter den Kulissen geht es mächtig weiter.

Was Nico Hülkenberg als 'Masterplan' bezeichnet, sieht so aus: In der Chassis-Fabrik in Enstone wurden die Arbeitsflächen bereits um 20 Prozent vergrößert. An drei größeren Erweiterungs-Projekten wird außerdem aktuell gearbeitet.

"Wir vergrößern unsere Maschinen-Kapazitäten mit zwei neuen CNC-Fräsen in einem eigenen Gebäude signifikant", verrät Cyril Abiteboul. "Außerdem wird gerade ein neues Lackier- und Vorbereitungs-Gebäude gebaut. Zudem werden wir in Kürze damit beginnen, unser Hauptgebäude um etwa 800 Quadratmeter zu erweitern, damit wir Platz für die Ausweitung von fast allen Abteilungen in Enstone haben."

Größte Enstone-Expansion der Geschichte

Es handelt sich dabei um die größte räumliche Ausweitung in der Teamgeschichte. Dabei hatte Renault schon einmal kräftig am Standort Enstone investiert, als 2002 Benetton übernommen wurde. 2005 und 2006 gewann Renault mit Fernando Alonso sogar den WM-Titel.

2005 holte Fernando Alonso für Renault den ersten Titel - Foto: Sutton
2005 holte Fernando Alonso für Renault den ersten TitelFoto: Sutton

Doch die Formel 1 hat sich weiter professionalisiert, die Anforderungen sind noch einmal gestiegen. Und so muss Renault nach der Übernahme von Lotus wieder kräftig investieren, um den Rückstand, den das kleine Privatteam über die Jahre ansammelte, wieder aufzuholen. Renault will langfristig mit Mercedes, Ferrari und Red Bull um die Weltmeisterschaft fahren.

Doch nicht nur in die Einrichtungen wurde investiert, auch in technisches Personal. Rund 100 Leute kamen seit der Übernahme zusätzlich nach Enstone. Mit Bob Bell holten die Franzosen früh einen Top-Mann als Technischen Direktor, mit Chris Dyer folgte bald ein weiterer großer Name.

Motorenschmiede rüstet auf Werksteam um

Prominente Neuverpflichtungen gab es seither nicht mehr. "Große Namen haben aber nicht oberste Priorität", sagte Teamchef Frederic Vasseur im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Mit Chef-Renningenieur Ciaron Pilbeam kommt aber kein gänzlich unbekannter zurück zu Renault. Pilbeam begann seine Formel-1-Karriere 1998 bei BAR Honda, wechselte 2006 zu Red Bull und machte sich dort bis 2012 einen Namen, ehe er zu Lotus nach Enstone wechselte. Nach einem kurzen Intermezzo bei McLaren kehrt er nun in gleicher Funktion wieder zurück.

Außerdem ändert sich die Struktur im Team. Rob White wechselt vom Motorenstandort Viry zur Chassis-Mannschaft nach Enstone. Der Brite wird dort als Operations Director fungieren.

In der Motorenschmiede im französischen Viry hingegen sind die Änderungen weniger gravierend. Viry erlebte nach dem katastrophalen Debütjahr mit den Power Units 2014 schon einen größeren Umbruch. Allerdings hat man sich nun von einem reinen Motorenlieferanten hin zur Motorenabteilung eines vollen Werksteams entwickelt.