Wie kam Rosberg an Ricciardo vorbei?

Nico Rosberg hatte großes Glück, dass er für seinen zweiten Platz nicht noch härter arbeiten musste. Nach dem verlorenen Duell gegen Daniel Ricciardo in der zweiten Kurve, hing der WM-Leader zunächst das halbe Rennen lang hinter dem Australier fest. In Runde 30 verhalf ausgerechnet Ricciardos Teamkollege Max Verstappen dem Silberpfeil-Piloten zum Positionsgewinn. Nachdem der Niederländer seinen Red Bull mit einem Motorschaden am Streckenrand parken musste, nutzte die Mercedes-Mannschaft die daraus resultierende VSC-Phase, um Rosberg an die Box zu holen.

Da Ricciardo wenige Runden zuvor beim Reifenwechsel war, lag Rosberg zu diesem Zeitpunkt bereits auf Platz zwei. Der Konkurrent konnte aufgrund der Neutralisierung nicht keine Rennpace fahren und Mercedes wechselte bei Rosberg so ohne großen Zeitverlust die Reifen. Dadurch kam er vor Ricciardo wieder zurück auf die Strecke. "Wenn du lange draußen bleibst, gibt es Chancen auf Szenarios, von denen du profitieren kannst. Das ist Teil des Spiels und kam heute natürlich im richtigen Moment für mich", so Rosberg.

Wie kann Rosberg nächste Woche Weltmeister werden?

Unter Gewissen Umständen kann ein weiterer Mexiko-Sieg für Rosberg schon den Titel bedeuten - Foto: Sutton
Unter Gewissen Umständen kann ein weiterer Mexiko-Sieg für Rosberg schon den Titel bedeutenFoto: Sutton

Bei noch drei zu fahrenden Rennen und 26 Punkten Vorsprung, könnte Nico Rosberg bereits am kommenden Wochenende beim 19. WM-Lauf in Mexiko die Weltmeisterschaft klarmachen. Voraussetzung ist, dass er das Rennen gewinnt und die maximale Ausbeute von 25 Punkten einfährt, während Lewis Hamilton ausfällt oder aus anderen Gründen leer ausgeht. Damit hätte Rosberg bei noch zwei Rennen, beziehungsweise maximal 50 zu vergebenen Punkten, einen Vorsprung von 51 Zählern. Der erste WM-Titel wäre ihm somit nicht mehr zu nehmen.

Warum ging Verstappens Boxenstopp schief?

Max Verstappen kam in Runde 26 für seinen zweiten Reifenwechsel an die Box. Zu seiner Überraschung musste er jedoch feststellen, dass die Red-Bull-Crew nicht für einen Stopp parat stand. Von den TV-Kameras im ersten Moment nicht eingefangen, schien es zunächst so, als ob die Boxen-Mannschaft geschlafen hätte. Viele fühlten sich an Ricciardos verpatzten Monaco-Boxenstopp erinnert, bei dem der Australier diese Saison den Sieg im Fürstentum verlor. Tatsächlich war die Situation aber eine ganz andere.

Der Boxenfunk zwischen Verstappen und seinem Renningenieur gab wenig später Aufschluss: "Ich habe gedacht, ihr holt mich rein. Tut mir leid", so der Niederländer. Nach dem Rennen brachte Dr. Helmut Marko mehr Licht ins Dunkel: "Max hat 10 oder 15 Sekunden vor dem Stopp von sich aus gesagt, dass er an die Box kommt." Weiter stellte sich heraus, dass Verstappen selbst eine Anweisung seiner Crew schlichtweg falsch interpretiert hatte: "Das Team sagte mir in der Runde zuvor, dass ich hart pushen sollte. Daher hatte ich angenommen, ich sollte an die Box kommen."

Warum fiel Verstappen aus?

Verstappens Red Bull am Abschlepphaken - Foto: Sutton
Verstappens Red Bull am AbschlepphakenFoto: Sutton

Nach dem verpatzten zweiten Boxenstopp, der ihn aus dem Duell um das Podium rauswarf, kam Verstappen nicht mehr allzu weit. In der 29. Runde war er in langsamer Fahrt auf der langen Geraden zwischen den Kurven 11 und 12 unterwegs. "Ich hörte ein klopfendes Geräusch am Motor, woraufhin ich die Kupplung gezogen habe. Das Team erklärte mir dann, dass ich die Kupplung wieder lösen und weiterfahren soll", sagt der 19-Jährige.

Mit nur etwa 50 km/h versuchte er, sich in seinem lahmenden RB12 zurück an die Box zu schleppen - vergeblich. In Kurve 17 war das Rennen gelaufen und er musste seinen Boliden am Streckenrand abstellen. "Leider konnten wir das Problem nicht mehr beheben und mein Rennen war beendet", so Verstappen. Die Red-Bull-Teamführung rund um Christian Horner und Dr. Helmut Marko erklärte nach dem Rennen, dass ein Getriebeproblem für das abrupte Ende des Vortriebs gesorgt hatte.

Was war bei Räikkönens Boxenstopp los?

Für die kurioseste Szene des Rennens sorgten Ferrari und Kimi Räikkönen bei dessen drittem Boxenstopp. In Runde 39 steuerte der Finne seine Crew an, um einen Satz Soft-Reifen aufziehen zu lassen. Der Boxenstopp schien zunächst reibungslos über die Bühne gegangen zu sein - doch noch in der Boxenausfahrt blieb Räikkönen stehen. "Ich bemerkte, dass da etwas nicht stimmte. Plötzlich sah ich Funken fliegen, daher nahm ich Tempo heraus. Ich musste anhalten", so der Ferrari-Pilot.

Es stellte sich heraus, dass das rechte Hinterrad nicht richtig festgezogen war - obwohl die Ampel der Ferrari-Crew ihrem Fahrer freie Fahrt signalisiert hatte. Ein klarer Fehler des Teams. "Das grüne Licht ging an, und wenn das grüne Licht angeht, fahre ich los", sagt Räikkönen, den dementsprechend keine Schuld trifft. Die wirkliche Kuriosität begann allerdings erst, als Team und Fahrer versuchten, die Situation zu bereinigen.

Die Crew forderte seinen Fahrer dazu auf, den Anstieg zur ersten Kurve als Gefälle zu nutzen und das Auto rückwärts wieder in die Boxengasse rollen zu lassen. Räikkönen zeigte sich diesem Vorschlag gegenüber zunächst skeptisch, leistete der Anweisung des Teams dann jedoch Folge und bugsierte seinen Boliden im Rückwärtsgang von der Strecke zurück in die Box. Das Rennen danach wieder aufnehmen konnte er allerdings nicht.

Räikkönen befand sich lange Zeit im Kampf ums Podest - Foto: Sutton
Räikkönen befand sich lange Zeit im Kampf ums PodestFoto: Sutton

Warum schied Hülkenberg aus?

Nico Hülkenberg hatte mit seinem Force India in der Qualifikation noch für Aufsehen gesorgt: Auf Startplatz sieben war er ganz nah dran am Ferrari-Duo in der dritten Startreihe. Das Rennen auf dem Circuit of The Americas war für ihn jedoch trotz bester Vorzeichen früh gelaufen. Genauer musste Hülkenberg schon nach der ersten Runde die Segel streichen: Beim Hauen und Stechen nach dem Start, war er in Turn 1 mit Vettel und Bottas aneinandergeraten. "Sebastian hat aggressiv eingelenkt am Scheitelpunkt und mir nicht viel Platz gelassen", so der Force-India-Pilot.

Während der Ferrari von außen hereinzog, quetschte sich Bottas auf der Innenseite neben Hülkenberg. "Mir ist schlicht und ergreifend der Platz ausgegangen", fügt der zukünftige Renault-Pilot an. Konsequenz des Gerangels war eine derart schwer beschädigte Lenkung, die ein Weiterfahren unmöglich machte. Hülkenberg schaffte es zwar noch zurück an die Box, musste dann allerdings einsehen, dass das Rennen für ihn zu Ende war.

Warum wurde Kvyat bestraft?

Nicht nur Hülkenberg wurde in der ersten Kurve Opfer einer Kollision. Auch sein Teamkollege Sergio Perez, der von Position elf nicht weit hinter ihm ins Rennen gestartet war, wurde von einem Konkurrenten torpediert. Der Übeltäter hieß in diesem Fall Daniil Kvyat: Der Toro-Rosso-Pilot verschätzte sich beim Anbremsen auf Kurve 11 und rutschte Perez im Kampf um die neunte Position ins Heck.

"Ich wurde hart von Kvyat getroffen, der einen Fehler gemacht und die Kontrolle verloren hat", so der Mexikaner, der sich daraufhin auf dem letzten Platz wiederfand. Während er es im Verlauf des Rennens trotz Beschädigung bis auf den achten Platz nach vorne schaffte, verpasste die Rennleitung Kvyat eine 10-Sekunden-Zeitstrafe. Für den Russen bedeutete dies am Ende Position zwölf.