Obwohl Ferrari in der vergangenen Saison nur Zweiter der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft wurde, kassierte die Scuderia höhere Preisgelder als jedes andere Team. 192 Millionen US-Dollar wurden schlussendlich nach Maranello überwiesen, während der überlegene Champion Mercedes mit lediglich 171 Millionen Dollar bedacht wurde.

Geschuldet ist dieses Ungleichgewicht der Tatsache, dass die sportlichen Erfolge in die Preisgeldvergabe zwar einfließen, allerdings nicht der einzige Faktor sind. Die großen Teams werden darüber hinaus mit Bonuszahlungen belohnt, von denen ganz besonders Ferrari profitiert. Die Scuderia wird nicht zuletzt aufgrund ihrer historischen Leistungen mit üppigen Sonderzahlungen bedacht, die nicht wenigen ein Dorn im Auge sind.

Preisgelder der Formel-1-Saison 2015 in Millionen US-Dollar:

Team (WM-Platz) Gesamt Leistung Bonus Anteil
Ferrari (2.) 192 87 105 19,90%
Mercedes (1.) 171 97 74 17,72%
Red Bull (4.) 144 70 74 14,92%
Williams (3.) 83 73 10 9,02%
McLaren (9.) 82 50 32 8,50%
Force India (5.) 67 67 - 6,94%
Lotus/Renault (6.) 64 64 - 6,63%
Toro Rosso (7.) 57 57 - 5,91%
Sauber (8.) 54 54 - 5,60%
Manor (10.) 47 47 - 4,87%
Summe 965 670 295 100%

Mosley: Ferrari braucht die Formel 1

So auch Max Mosley, seines Zeichens von 1993 bis 2009 Präsident des Automobilweltverbands FIA. Angesprochen darauf, ob er die Zahlungen an Ferrari kürzen würde, erklärte der Brite im Interview mit Sky Sports: "Ich würde es tun. Ich würde ihnen sagen, ihr seid das berühmte Ferrari, und wir wollen euch. Aber weil ihr so berühmt seid, bekommt ihr mehr Sponsorengelder als andere. So sollte man damit umgehen, und Ferrari würde damit zurechtkommen."

Ein unschönes Szenario für die Scuderia, das mittelfristig, wenn die aktuell gültigen Verträge 2020 ausgelaufen sind, jedoch Realität werden könnte, da Liberty Media, der neue Eigentümer der Formel 1, gerüchteweise den Plan verfolgt, die Preisgelder gleichmäßiger unter den Teams zu verteilen und von Bonuszahlungen Abstand nehmen. Widerstand von Ferrari wäre programmiert, Mosley blickt diesem jedoch gelassen entgegen.

"Ferrari hat sich in der Formel 1 oft mit der FIA gestritten", erinnert er. "Sie haben damit gedroht, Autos für eine amerikanische Rennserie zu bauen und eine Formel 1 in Amerika zu starten. Tatsache ist aber, dass jeder dieselben Interessen verfolgt, und Ferrari braucht das Interesse der Formel 1, um groß und erfolgreich zu sein. Sie brauchen keine Formel 1, in der sie dauernd gewinnen."

Teams wünschen sich gleichmäßige Verteilung

Es liegt auf der Hand, dass die konkurrierenden Teams nicht gerade traurig darüber wären, würde man die Zahlungen an Ferrari eindämmen. Und so lautet Christian Horners Wunsch an die neuen Besitzer der Königsklasse ganz einfach: "Mehr Geld für die Teams, niedrigere Preise und eine bessere Verteilung des Geldes an alle."

Auch Red Bull kassiert Bonuszahlungen - Foto: Sutton
Auch Red Bull kassiert BonuszahlungenFoto: Sutton

Zu erwähnen sei allerdings, dass auch Red Bull momentan Boni kassiert, und zwar unter anderem dafür, dass man einst als erstes Team dem Concorde-Agreement zugestimmt hat. Insgesamt kassierte Red Bull in der zurückliegenden Saison 74 Bonus-Millionen, was das Team in der Verdienstrangliste an Williams vorbeibeförderte, obwohl der britische Traditionsrennstall auf der Rennstrecke erfolgreicher war.

Kommt es zu einer Streichung beziehungsweise Reduzierung der Boni, würde einerseits der sportliche Erfolg wieder stärker belohnt werden, und andererseits mehr Geld zur Verfügung stehen, das auch den kleinen Teams zugutekäme, die dadurch womöglich in der Lage wären, die Kluft zur Spitze zu reduzieren.

"Ich würde die Formel 1 gerne sehr viel enger sehen, ein engerer Wettbewerb in dem die Teams enger zusammen liegen und auch die Mittelfeld-Teams die Chance haben, Rennen zu gewinnen und um Titel zu kämpfen. Dafür müssen wir das System ändern, wie das Geld verteilt wird, denn da gibt es gerade einen massiven Unterschied", bringt es Force-India-Pilot Sergio Perez stellvertretend für viele seiner Kollegen auf den Punkt.