Solides Ergebnis für Ferrari beim Heimrennen in Monza: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen haben den Italien GP vor zehntausenden jubelnden Tifosi im Formationsflug direkt hinter dem überlegenen Mercedes-Duo beendet. Kein herausragender Erfolg, doch diesmal immerhin ein besser bei der Chefetage vorzeigbares Ergebnis als zuletzt.

"Es ist kein schlechtes Ergebnis. Kein gutes, aber auch kein schlechtes", befindet Sergio Marchionne. "Was die Fahrer gezeigt haben, ist ein gutes Zeichen. Das zeigt, was wir leisten können. Aber Platz drei und vier ist nicht genug. Wir brauchen noch etwas Geduld", sagt der Ferrari-Boss bei RTL.

Kimi Räikkönen gewurmt und zuversichtlich zugleich

So gütig war das Urteil Marchionnes im Vorfeld noch nicht ausgefallen, hatte der Ferrari-Obere erst am Samstagmorgen die Saison als 'gescheitert' erklärt. Tatsächlich fand sich Ferrari zuletzt in der Abwärtsspirale wieder: am vergangenen Wochenende in Spa und in Hockenheim vor der Sommerpause. In Belgien stimmte zumindest schon die Performance, aber nicht die Punkte. In Monza kam nun beides zusammen. Ferrari war wieder klar zweite Kraft, positionierte sich relativ entspannt vor Red Bull.

Aber ein Angriff auf Mercedes? Daran war erneut nicht einmal zu denken - trotz völlig verwachsten Starts von Lewis Hamilton. Ein Umstand, der besonders "Nur-Siege-Zählen"-Räikkönen wurmt. "Dritter und Vierter ist nicht das, worauf wir aus sind", bestätigt der Iceman seinen Präsidenten. "Aber es ist das, was wir jetzt haben." Gleichzeitig verzeichnet auch Räikkönen jedoch einen gewissen Aufwärtstrend, was den Finnen in seiner Media-Session am Nachmittag schließlich doch noch milde stimmt. "Es sieht so aus, als würden wir jetzt wieder in die richtige Richtung gehen", sagt Räikkönen.

Dahin ging es dank des Hamilton-Patzers auch in Monza gleich am Start. "Wir hatten einen ziemlich guten Start", sagt Räikkönen. Klar, dabei hätte auch der Supersoft geholfen. Es zähle aber mehr, die Prozedur richtig hinzubekommen, um Wheelspin wie bei Hamilton zu vermeiden. "Damit kannst du die Reifen sonst gar nicht mehr kontrollieren", sagt Räikkönen.

So lief der Italien GP für Kimi Räikkönen

Schon nach wenigen Metern hatte Räikkönen sich so von Startplatz vier auf drei verbessert und heftete sich ans Getriebe von Vettel. "Danach ist dann nicht mehr viel passiert", beschreibt Räikkönen - Ferrari hatte ihn wegen Problemen mit der Motorkühlung angewiesen, leicht abreißen zu lassen.

Weil ein roter Angriff auf Rosberg vorne aber für beide Ferrari als unmöglich erschien, Ferrari stattdessen eher versuchte, Hamilton hinter sich zu halten, wurde Räikkönen beim ersten Reifenwechsel der frühere Stopp zugestanden. Also nochmal kurz Zwischengas vor dem Stopp. "Da habe ich dann natürlich etwas aufgeholt", sagt Räikkönen. So und durch einen nicht ganz idealen Vettel-Stopp spülte es Räikkönen nach Vettels Service unmittelbar zurück in dessen Getriebe. "Da war es ziemlich eng, aber dann ist Seb wieder etwas weggezogen", schildert Räikkönen. "Wir sind einfach hintereinander hergefahren."

Im Formationsflug jagten Räikkönen und Vettel zu Rennbeginn den Mercedes von Rosberg - Foto: Sutton
Im Formationsflug jagten Räikkönen und Vettel zu Rennbeginn den Mercedes von RosbergFoto: Sutton

Ferrari-Chef Arrivabene lacht Strategie-Kritiker aus

Durch den ersten Reifenwechsel fiel Räikkönen kurzzeitig hinter Hamilton zurück, überholte den Briten durch dessen Boxenstopp jedoch schnell wieder. Allerdings erforderte die Ferrari-Strategie - anders als jene Mercedes' - noch einen dritten Stint, sodass der Platz genauso schnell wieder verloren war.

Mal wieder einer der berüchtigten Strategie-Fehler Ferraris? Arrivabene winkt ab: "Ich habe direkt nach dem Rennen ein paar Kommentare gehört, dass ein Stopp vielleicht die bessere Strategie gewesen wäre", sagt der Ferrari-Teamchef. "Darüber habe ich mit meinen Ingenieuren erstmal gelacht! Bist du in der Position, in der du dich verteidigen musst, kannst du einen Stopp machen. Aber wir mussten das Gegenteil machen, wir mussten aggressiv sein. Wenn wir dieselbe Strategie gefahren wären wie sie (Mercedes) wären wir 11 Sekunden langsamer gewesen als wir waren. Also waren wir auf der schnelleren Strategie."

Kimi Räikkönen entgeht Verstappen-Revival mit Max Verstappen

Doch rutschten noch dazu die beiden Red Bull durch. Jetzt hing Räikkönen ausgerechnet wieder direkt hinter Max Verstappen.

Spa-Revival? Nein, auch die Bullen stoppten noch einmal. Räikkönen konnte friedlich auf P4 zu Ende fahren. Denn nach vorne ging natürlich nichts mehr. "Schneller konnten wir heute nicht. Es war einfach nicht genug für bessere Ergebnisse. Aber alles lief gut, es fehlte nur an Speed", sagt Räikkönen.

Durch einen Undercut klebte Räikkönen Vettel nach den ersten Stopps direkt im Getriebe - Foto: Sutton
Durch einen Undercut klebte Räikkönen Vettel nach den ersten Stopps direkt im GetriebeFoto: Sutton

Räikkönen: Fahre dieses Jahr wieder aufs Podium!

Angesichts des leichten Aufwärtstrend der vergangenen Tage glaubt Räikkönen, ganz Ferrari, nun aber daran, diesen in der verbleibenden Rennen fortführen zu können. "Jetzt kommen die letzten Rennen und wir denken, dass es besser laufen wird. Die Stimmung im Team ist absolut positiv", versichert Teamchef Maurizio Arrivabene. "Wir müssen einfach weiter unser Bestes geben und dann bin ich sicher, dass wir auf dem Podium sein werden", ergänzt Räikkönen.

Genau diese Mentalität fordert auch Big Boss Marchionne: "Wir müssen die Saison jetzt mit Stil und Klasse abschließen. Jeder setzt jetzt auf 2017, aber ich hoffe, dass wir die aktuelle Saison erst einmal ordentlich beenden." Das sieht auch Arrivabene so. Alles andere laufe schließlich der Philosophie Ferraris entgegen. "Wir würden unseren Fans so gerne mehr geben - und wir werden ihnen mehr geben. Sie haben es verdient. Wir werden unser Bestes geben", verspricht der Teamchef.