Alex, Halo wurde um ein Jahr verschoben. Was sagst du dazu?
Alexander Wurz: Halo gefällt mir als System nicht, aber darum geht es nicht. Es geht nicht um die Ästhetik, sondern um einen Entscheidungsprozess, in dem die Experten, die diese fantastischen, schon sehr sicheren Autos entwickelt haben, überstimmt worden sind. Die Technischen Direktoren der Teams inklusive des FIA-Sicherheitsexperten haben das System den Teams und Fahrern mehrfach präsentiert, und die Strategy Group hat es um ein Jahr verschoben, obwohl es von den eigenen Experten eigentlich fertig entwickelt war. Ich bin überrascht über diese Entscheidung.

Überrascht oder enttäuscht?
Alexander Wurz: Überrascht. Enttäuscht wäre ich, wenn es so weit kommt, dass wirklich etwas passiert. Dann wäre ich nicht nur enttäuscht, sondern auch grantig. Lass uns hoffen, dass der Fall, für den Halo konstruiert wurde, nicht zum Tragen kommt.

Mit welcher Begründung wurde Halo abgelehnt?
Alexander Wurz: Das weiß nicht, das muss man die Entscheidungsträger fragen und nicht mich.

Mitgeteilt wurde, dass die Entwicklung noch nicht ganz abgeschlossen sei, weshalb es erst 2018 eingeführt wird. Akzeptierst du diese Begründung?
Alexander Wurz: Jein, denn es wurde uns vor einer Woche als fertiges System präsentiert. Deshalb bin ich schon überrascht.

Alexander Wurz verfolgt die Entwicklungen gespannt - Foto: Sutton
Alexander Wurz verfolgt die Entwicklungen gespanntFoto: Sutton

Die Fahrer waren am Anfang nicht so sehr für das System, dann hat sich die Meinung aber gewandelt...
Alexander Wurz: Es kommt darauf an, wie du die Fahrer fragst. Wenn du die Fahrer fragst, ob sie Halo schön finden, werden sie nein sagen. Hast du etwas mehr Zeit, mit den Fahrern darüber zu sprechen, welche Konsequenzen es für den Sport gibt, was die FIA gemacht hat, verstehen sie natürlich, dass ein Schwerpunkt der Formel-1-Entwicklung von den 60er-Jahren bis heute die Sicherheitsentwicklung war. Dann verstehen sie schon, dass solche Entwicklungen wichtig sind.

Romain Grosjean hat harte Worte gefunden und meinte, Halo sei nicht in der DNA der Formel 1. Ist das ein Einzelfall oder gibt es mehrere Piloten, die diese Meinung vertreten?
Alexander Wurz: Bei den Diskussionen mit den Piloten, an denen ich teilgenommen habe, waren sie in großer Mehrheit dafür, dass die FIA und die Teams Sicherheitsentwicklungen rigoros vorantreiben - inklusive Halo.

Wer sollte letztlich über die Sicherheit entscheiden? Die Fahrer, die Teams oder die FIA?
Alexander Wurz: Das muss die FIA entscheiden. Ich kann mich an ein Abendessen erinnern, als mehrere Weltmeister und Le-Mans-Sieger zusammengesessen sind, und wir überlegt haben, was wir tun würden, wenn der Renndirektor zu uns kommt und sagt, wir haben keine Ärzte, Hubschrauber und Rettungswagen vor Ort, aber möchtet ihr trotzdem fahren? Wir würden fahren, weil wir ein gewisses Risikomanagement haben. Und deshalb gibt es Dachorganisationen wie die FIA, die das regulieren.

Grosjean meinte, wenn man die Regeln bezüglich gelber Flaggen strenger auslegen würde, bräuchte man gar kein System wie Halo.
Alexander Wurz: Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Natürlich ist die Situation der gelben Flaggen nach dem Bianchi-Unfall extrem oft diskutiert worden und wird vielleicht nicht perfekt exekutiert, da gibt es Aufholbedarf. Ich finde, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, denn man kann nicht sagen, wenn es kein Debris auf der Strecke gibt, brauchen wir kein Visier, oder keinen Sicherheitsgurt, weil wir eh so große Auslaufzonen haben. Ich verstehe den Vergleich nicht, den er ziehen will.

Was ist deine Meinung zu den gelben Flaggen? Darf man eine Pole-Runde fahren, wenn Doppel-Gelb geschwenkt wird?
Alexander Wurz: Nein, überhaupt nicht. Man kann dem Fahrer, der auf Vollgas programmiert ist, nicht vertrauen, dass er bei Gelb wirklich viel langsamer wird. Bis jetzt wurde man nicht bestraft, wenn man nur gelupft hat. Die Fahrer haben oft gesagt, es ist nicht genug, aber es wurde zur Kultur, dass die Rennleitung das akzeptiert als Zeichen dafür, dass der Fahrer die gelbe Flagge gesehen hat. Darüber muss man diskutieren, dass das nicht genug ist. Es ist sicherlich ein Punkt, der verbessert werden muss.