Toro Rosso kann mit der Hälfte zufrieden sein - allerdings nicht mit der gerade beendeten Hälfte der Saison, sondern mit der Hälfte seiner Fahrer. Während sich Carlos Sainz hervorragend schlägt und konstant Punkte sammelt, kommt Daniil Kvyat seit seiner Zwangsversetzung einfach nicht in Tritt. Kann er in Deutschland das Ruder noch einmal herumreißen?

Das letzte Rennen: Alles wie gehabt

Als müsse der Trend erneut bestätigt werden, fuhr Carlos Sainz in Ungarn auf einen guten achten Rang. Kvyat wurde 16., ließ beide Renault passieren und handelte sich überdies noch eine Strafe ein, weil er in der Boxengasse zu schnell unterwegs war. Damit hat der Spanier in den letzten sieben Rennen sechsmal gepunktet und steht mit insgesamt 30 Zählern in den Top-10 der Fahrer-Weltmeisterschaft. Der Russe dagegen sammelte seit seinem Wechsel von Red Bull an sieben GP-Wochenenden erst zwei magere Pünktchen.

Die Neuerungen: Reifen wie die Großen

Das Team hat für den Hockenheimring die gleiche Reifenwahl wie Mercedes und Red Bull getroffen: Jeder Fahrer erhält acht Sätze Supersoft-, vier Soft- sowie einen mit Medium-Reifen. Williams und Haas, die beide mehr oder weniger als direkte Konkurrenten von Toro Rosso anzusehen sind, entschieden sich mit sieben/fünf/eins ähnlich. Alleine Force India tanzt im Mittelfeld aus der Reihe. Dort orderte man bei Pirelli drei Sätze Medium-Pneus und nur sechsmal die supersofte Variante.

Die Erwartungen: Sainz will so weitermachen, Kvyat schnell aufhören

Daniil Kvyat hat positive Erinnerungen an den Hockenheimring, den er - anders als Sainz - bereits aus der Formel 1 kennt. "Das bislang letzte Mal bin ich hier 2014 gefahren. Ich wurde im Qualifying Achter." Doch das Rennergebnis von damals passt zur derzeitigen Stimmung beim 22-Jährigen: Er schied letztlich aus. Ansonsten war aus dem Toro-Rosso-Lager nicht viel zu den Hoffnungen für das letzte Rennen vor der Sommerpause zu hören. Die Zielsetzungen dürften aber klar sein: Sainz will weiterhin punkten und Kvyat muss zusehen, dass er sich nicht noch mehr ins Abseits fährt. Für den Russen zählt jetzt auch jeder kleine Erfolg.

Für Daniil Kvyat läuft es nicht mehr, seit er bei Toro Rosso ist - Foto: Sutton
Für Daniil Kvyat läuft es nicht mehr, seit er bei Toro Rosso istFoto: Sutton

Die Statistik: Toro Rosso beim Deutschland GP

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Toro Rosso - - - - 1 -
Carlos Sainz - - - - - -
Daniil Kvyat - - - - - -

Toro Rosso in Hockenheim: Sonderlich erfolgreich war die Scuderia auf dieser Strecke noch nicht: Es gab erst einen einzigen Punkt. Sebastian Vettel holte ihn 2008 - der damaligen Wertung entsprechend - als Achter.

Carlos Sainz in Hockenheim: Für Carlos Sainz ist es eine Premiere: Sein erstes Jahr in der Formel 1 war das vergangene - und damals trug die Königsklasse in Deutschland kein Rennen aus.

Daniil Kvyat in Hockenheim: Der oben angesprochene Ausfall 2014 war der einzige Auftritt des Russen in Deutschland.

Die Prognose: Keine Neuigkeiten zu erwarten

  • Sainz ist in Form, Kvyat nicht
  • Der Erfahrungsvorsprung des Russen in Hockenheim ist minimal
  • Der Spanier punktete bislang auf Strecken aller Art

Motorsport-Magazin.com meint: Die Tendenz spricht in Hockenheim klar für Punkte bei Toro Rosso. Unter normalen Umständen wäre Carlos Sainz der deutlich heißere Kandidat für ein Top-10-Ergebnis. Daniil Kvyat braucht dringend einen Befreiungsschlag, um es sich mit den Verantwortlichen im Red-Bull-Motorsport-Universum nicht vollständig zu verscherzen. Ihm käme möglicherweise ein Chaos-Rennen mit Regen entgegen, das einige Konkurrenten im Mittelfeld wegspült. Laut Wettervorhersage wäre das immerhin möglich. (Matthias Schwerdtfeger)