Mercedes hat sich im zweiten Freien Training zum Spanien GP in Barcelona mit einer Bestzeit zurückgemeldet. Nach der Ferrari-Doppelspitze am Vormittag zogen in der zweiten Session auch die Silberpfeile die weichen Reifen auf. Prompt schob sich Nico Rosberg mit einer Tagesbestzeit von 1:23.922 Minuten an die Spitze. Damit war der Deutsche drei Hundertstel schneller als Sebastian Vettel am Morgen und zweieinhalb Zehntel flotter unterwegs als Kimi Räikkönen, schärfster Verfolger am Nachmittag. Der Finne hatte allerdings noch ganz andere Sorgen:

Die Platzierungen: Anders als am Morgen zogen am Nachmittag nahezu alle Piloten die softe Reifenmischung auf, insgesamt wurde sehr viel gefahren. Den besten Job auf den weichen Pirellis erledigte Nico Rosberg, der seinem Teamkollegen satte sieben Zehntel aufbrummte. Lewis Hamilton kämpfte noch mit der Vorderachse und hatte Verkehr im finalen Sektor seiner schnellsten Runde. Das Mercedes-Duo sprengte Kimi Räikkönen mit 0,254 Sekunden Rückstand auf Rosberg. Dem zweiten Ferrari von Sebastian Vettel fehlte durch einen Fahrfehler eine ganze Sekunde auf die Spitze.

Lewis Hamilton hat noch nicht die ideale Balance gefunden - Foto: Sutton
Lewis Hamilton hat noch nicht die ideale Balance gefundenFoto: Sutton

Hinter den großen Vier ging der Titel "Best of the Rest" an Carlos Sainz, der seinen Toro Rosso hauchdünn vor den Red Bull Daniel Ricciardos schob. Dem Duo fehlten 1,2 Sekunden auf Rosberg. Max Verstappen lag bei seiner zweiten Ausfahrt im RB12 nicht weit dahinter - Platz acht hinter dem starken McLaren-Honda von Fernando Alonso. Daniil Kvyat rangierte derweil weit abgeschlagen auf P15. Die beiden Force India komplettierten mit 1,5 Sekunden Abstand nach vorne die Top-Ten. Pascal Wehrlein sortierte sich auf P18 klar vor seinem Teamkollegen und den Sauber ein.

Die Zwischenfälle: Anders als am Vormittag gab es im zweiten Training in Barcelona schon deutlich mehr Drama. Zunächst aber nur einen kleinen Ausrutscher neben die Strecke: Den leistete sich Sergio Perez, der in seinem Force India nach wenigen Minuten eingangs der Gegengeraden durchs Kiesbett räuberte. Kurz darauf beklagte sich Landsmann Esteban Gutierrez über einen schwierig zu fahrenden Haas, Romain Grosjean bestätigte diesen Eindruck vom VF-16 gegen Sessionende.

Dann ging es richtig zur Sache: Rote Flagge, acht Minuten Sessionunterbrechung! Jolyon Palmer war mitten auf der Start-Ziel-Geraden der linke Hinterreifen seines Renaults um die Ohren geflogen. Der Brite musste seinen kanariengelben R.S.16 in der ersten Kurvenkombination abstellen. Bitter für Palmer: Schon am Vormittag hatte er nur zusehen dürfen, Ersatzmann Esteban Ocon saß in seinem Renault. Über etwas Ungewöhnliches gefahren sei er nicht. "Er ist einfach kaputt gegangen", sagte Palmer. Pirelli analysiert aktuell den beschädigten Gummi. Kurz vor dem Ende konnte Palmer immerhin noch einmal auf die Strecke gehen.

Kleine Aufregung auch bei McLaren, als Jenson Button eingangs der Boxengasse der Motor ausging. "Zum Glück geht's hier bergab", kommentierte er mit seinem typisch britischen Humor. Felipe Massa erlebte etwas später wie Perez einen 'Moment' in Kurve neun. Der Brasilianer vermied allerdings Kieskontakt und lieferte den Fotografen dafür einen Funken sprühenden Williams.

Nach gut der Hälfte des Trainings sorgte ein Ferrari-Funkspruch für Sorgenfalten bei den Tifosi: "Mach langsam und komm' rein Kimi, wir haben ein Problem, offenbar mit dem Benzinsystem." Allerdings dauerte es nicht lang, bis der Iceman zurück auf die Strecke fuhr, um Sebastian Vettel bei der Longrun-Arbeit zu unterstützen.

Die Technik: Bis auf Sauber, das aus monetären Gründen in Barcelona auf jegliche Updates verzichten muss, setzten die übrigen Teams im zweiten Training die Tests ihrer unzähligen neuen Teile fort. Insbesondere McLaren hat in Barcelona besonders viele Neuerungen im Gepäck - neue Front, Heckflügel und Unterboden am MP4-31 sollen den Rennstall nachhaltig als feste Größe in den Top-10 etablieren. Auch Haas, Red Bull und Renault haben viel Neues im Sortiment.

McLaren hat dem MP4-31 eine kräftige Frischzellenkur spendiert - Foto: Sutton
McLaren hat dem MP4-31 eine kräftige Frischzellenkur spendiertFoto: Sutton

Das Ferrari-Upgrade konzentriert sich vor allem auf den Frontflügel, fällt allerdings weniger dramatisch ins Auge als diverse Änderungen an den Boliden der Konkurrenz - auch der direkten. Wie Force India an seiner B-Spec hat etwa auch Mercedes eine neue Nase im Sortiment - der F1 W07 Hybrid kommt jetzt mit deutlich spitzerer Front daher. Auch der Monkey-Seat wurde adaptiert.

Die zumindest für Lewis Hamilton wichtigere Neuerung befindet sich unter der Haube: Wie die FIA vor dem 2. Training offiziell bestätigte, befinden sich in seinem Silberpfeil ein neuer Turbo und eine neue MGU-H. Diese habe man völlig neu designt, um die jüngsten Probleme aus China und Russland endlich auszuräumen, ergänzte Mercedes.

Sämtliche Ferrari-Kunden der aktuellen Power-Unit-Generation genießen unterdessen die neueste Ausbaustufe des Aggregats aus Maranello. Die Werksferrari hatten diese bereits in Russland an Bord.

Das Wetter: Entgegen der Vorhersagen der Meteorologen hielt das Top-Wetter in Barcelona auch im zweiten Training lange an. Wie am Vormittag herrschte strahlend blauer Himmel mit wenigen Wolkenfetzen in Montmelo. Dabei angenehme 20 Grad Lufttemperatur und ein auf bis zu 41 Grad Celsius erhitzter Asphalt. Erst gegen Ende des Training zog sich der Himmel zu, Kimi Räikkönen meldete sogar leichten Regen in Kurve vier.

Die Analyse: Wie erwartet spiegelten die Ferrari-Bestzeiten des Vormittags wegen der weicheren Reifen nicht das wahre Kräfteverhältnis. Das bewiesen die Mercedes-Bestzeiten am Nachmittag, als auch die Silberpfeile reifentechnisch nachrüsteten. Trotzdem scheint die Scuderia durchaus dran an den Silberpfeile. Ferrari steht allerdings längst wieder vor grundlegenderen Problemen: Erneut streikte die Technik. Diesmal am SF16-H von Kimi Räikkönen. Immerhin nur kurz, doch nachdenklich stimmen muss der Defekt - nicht zum ersten Mal war es die Benzinzufuhr ...

Mindestens genauso aufschlussreich wie die Bestzeiten sind die Longruns. Eine ausführliche Analyse dazu lesen Sie in Kürze auf Motorsport-Magazin.com.