Der Blick auf das Resultat dürfte Ferrari-Fans freuen: Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen führen das Klassement des 1. Freien Trainings zum Spanien GP auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya an. Vettel war beim Auftakt mit 1:23.951 Minuten gut eine Zehntelsekunde schneller als Teamkollege Räikkönen. Die Mercedes-Piloten müssen sich deutlich geschlagen geben - allerdings fuhren Nico Rosberg und Lewis Hamilton andere Reifenmischungen.

Die Platzierungen: Während das Ferrari-Duo zwei Sätze Soft-Reifen im Training verballerte, konzentrierte sich Mercedes einmal mehr auf den Medium-Pneus - nach den Testfahrten im Winter ein bekanntes Bild in Barcelona. Hamilton und Rosberg fuhren zweimal Medium und mussten sich deshalb deutlich hinten anstellen. Mit 0,503 Sekunden Rückstand reihte sich Nico Rosberg auf drei ein, Hamilton anderthalb Zehntel dahinter auf Rang vier.

Außer Ferrari zog kein anderes Team die Soft-Reifen auf. Mit acht Sätzen haben die Italiener aber auch gemeinsam mit Haas die meisten Sätze zur Verfügung. Nach dem Durchhänger auf der Power-Strecke in Sochi zeigt sich Red Bull wieder rehabilitiert. Daniel Ricciardo beendet das Training auf Rang fünf, Max Verstappen beim Debüt im A-Team direkt dahinter. Allerdings fehlten den Bullen bereits 1,5 Sekunden.

Valtteri Bottas landete auf Rang sieben, Carlos Sainz auf Rang acht. Felipe Massa und Fernando Alonso komplettierten die Top-Ten. Daniil Kvyat beendete die erste Session bei seinem Toro-Rosso-Comeback auf Rang zwölf. Nico Hülkenberg landete auf Rang 13, Pascal Wehrlein auf Rang 20.

Die Zwischenfälle: Die meisten Probleme gab es in Kurve eins. Trotz Gegenwind verbremste sich der ein oder andere Pilote bei der Anfahrt auf die Rechts-Links-Kombination. Lewis Hamilton erwischte es gleich zweimal, Max Verstappens Rad blockierte aber am längsten. Dank großflächiger Auslaufzone gab es aber keinen wirklich nennenswerten Zwischenfall an dieser Stelle.

Max Verstappen zum ersten Mal im aktuellen Red Bull - Foto: Sutton
Max Verstappen zum ersten Mal im aktuellen Red BullFoto: Sutton

Max Verstappen hatte dafür mit einem anderen Problem zu kämpfen. Der Niederländer beklagte sich bei seiner ersten Ausfahrt im RB12 über technische Probleme. Der Antrieb lieferte nicht die gewünschte Leistung beim Herausbeschleunigen. Der degradierte Daniil Kvyat hatte bei seinem Toro-Rosso-Comeback noch leichte Schwierigkeiten mit der Sitzposition.

Felipe Massa zeigte den einzigen Dreher der Trainingssitzung. Der Williams-Pilot ging mit zu hoher Geschwindigkeit in Kurve 5 und drehte sich in der scharfen bergab Linkskurve. Massa konnte ohne Probleme weiterfahren. Im Vergleich zu Russland lief die Trainingssitzung aber gesittet ab.

Ganz zum Schluss der Sitzung wurde es noch einmal kurios: Sebastian Vettel blieb mit seinem Ferrari unmittelbar hinter der Boxenausfahrt stehen. Vettel fuhr sekundenbruchteile nach dem Umschalten der Ampel über die Linie und wurde von seinem Team angewiesen, das Auto abzustellen - womöglich um einer Strafe zu entgehen. "Das ist ein Witz, ich bin so kurz nach dem roten Licht über die Linie gefahren", schimpfte Vettel noch am Funk.

Der Freitagsfahrer: Nachdem in Russland Sergey Sirotkin in den Renault klettern durfte, gab in Barcelona Esteban Ocon sein Debüt an einem Grand-Prix-Wochenende. Der Franzose ersetzte Jolyon Palmer. Pech für Ocon: Nach lediglich sechs Runden und ohne gezeitete Runde war der Tag für ihn beendet. Technische Probleme legten den Renault lahm.

Die Technik: Europaauftakt und Barcelona - das bedeutet Updates. Auch wenn viele Teams nicht mehr ein einzelnes großes Paket bringen, sondern kontinuierlicher Updates ans Auto schrauben, gibt es auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya einige neue Teile. Und trotz großen Vorsprungs ist auch hier Mercedes wieder weltmeisterlich: Der Silberpfeil wurde weiter angespitzt, fuhr mit neuer, spitzer zulaufender Nase. Dazu gibt es auch am Heck mit einem überarbeiteten Monkey-Seat neue Teile für den F1 W07 Hybrid.

Mercedes ist mit einer spitzeren Nase unterwegs - Foto: Sutton
Mercedes ist mit einer spitzeren Nase unterwegsFoto: Sutton

Die anderen Teams schlafen nicht, aber das Ferrari-Paket fällt nicht so umfangreich aus, wie erwartet. Force India bringt nach dem durchwachsenen Saisonauftakt die B-Spezifikation mit nach Barcelona und auch bei Manor gibt es neue Teile. Sauber hingegen muss komplett auf Neuerungen verzichten - weil Geld fehlt.

Das Wetter: Strahlend blauer Himmel über Montmelo, nahe der Metropole Barcelona. Angenehme 18 Grad wurden in der Luft gemessen, der Asphalt erhitzte sich auf 30 Grad Celsius.

Die Analyse: Nach dem Verbremser in Kurve eins droht Max Verstappen nun die Degradierung in das B-Team. Im Ernst: Die neuen Reifenregeln haben die Rennen spannender gemacht - aber die Trainings dafür noch undurchsichtiger. Weil Ferrari die weichere Reifenmischung aufzog, ist die Bestzeit nichts wert. Reifenkorrigiert führen die Mercedes. Die Frage ist - wie immer - mit welchem Vorsprung. Und da sind wir dank der unterschiedlichen Reifenmischungen nicht schlauer.