Der dritte Lauf der Saison 2016 führt die Formel 1 nach China. Nico Rosberg reist mit zwei Siegen aus den ersten beiden Rennen im Gepäck als WM-Führender nach Shanghai, dem Ort seines ersten Formel-1-Triumphes überhaupt. Saisonübergreifend war Bahrain der fünfte Sieg in Folge für Nico Rosberg - er ist derjenige, den es zu schlagen gilt.

Nico Rosberg feierte seinen ersten GP-Sieg in China - Foto: Mercedes AMG
Nico Rosberg feierte seinen ersten GP-Sieg in ChinaFoto: Mercedes AMG

Allen voran versucht das natürlich Teamkollege Lewis Hamilton. Der Weltmeister stand zwar bei den ersten beiden Rennen jeweils auf Pole, konnte Startplatz eins aber nicht ummünzen und geht deshalb mit 17 Punkten Rückstand auf Rosberg in das dritte Rennwochenende. Der Brite hat in Shanghai nach Bahrain erneut die Gelegenheit, einen Grand Prix zum dritten Mal in Folge zu gewinnen - dies blieb Hamilton bislang verwehrt. Rosberg schaffte das Sieges-Tripple in Monaco.

Shanghai ist generell ein gutes Pflaster für die Mercedes-Piloten: Lewis Hamilton siegte bereits viermal im Reich der Mitte und stand fünf Mal auf Pole, Nico Rosberg holte immerhin einen Sieg und drei weitere Podiumsplatzierungen. Unter normalen Umständen machen Hamilton und Rosberg den Rennsieg unter sich aus. Die Frage lautet nur: Baut Rosberg seine Serie aus, oder holt Hamilton seinen ersten Sieg seit dem US GP 2015?

Brennpunkt 1: Hamilton-Strafe

Allerdings geht Lewis Hamilton mit einem großen Handicap ins Rennen: Am Mercedes des Weltmeisters musste vor dem China GP das Getriebe gewechselt werden. Weil China erst das dritte Rennen ist und ein Getriebe sechs Rennwochenenden halten muss, wird Hamilton um fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten versetzt. Somit ist der Weg für Rosberg - wie schon vor zwei Wochen in Bahrain - frei.

Brennpunkt 2: Ferrari-Motor

Der Ferrari-Motor ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Brennpunkt. In Melbourne fackelte Kimi Räikkönens Turbolader ab, in Bahrain schaffte es Sebastian Vettel wegen eines Motorschadens nicht einmal in die Startaufstellung. Der Ferrari-Pilot muss deshalb wie Kimi Räikkönen früh in der Saison auf neue Power-Unit-Elemente setzen.

Schwachstelle und Brennpunkt: Zuverlässigkeit von Ferrari - Foto: Sutton
Schwachstelle und Brennpunkt: Zuverlässigkeit von FerrariFoto: Sutton

Ob die Zuverlässigkeitsprobleme damit behoben sind, ist fraglich. Ferrari brachte in Bahrain einen neuen Qualifying-Modus für die Power Unit, der kurzzeitig deutlich mehr Leistung brachte. Fraglich, ob dieser bei bestehenden Zuverlässigkeitsbedenken weiter eingesetzt wird. Abgesehen von der Zuverlässigkeit, stellt sich natürlich die Frage nach der Performance. Nötig wäre der Power-Modus, weil die Strecke einige lange Geraden, darunter auch die längste der gesamten Saison, hat.

ICE TC MGU-K MGU-H ES CE
Mercedes
Lewis Hamilton 1 1 1 1 1 1
Nico Rosberg 1 1 1 1 1 1
Ferrari
Sebastian Vettel 1 (+1?) 1 (+1?) 1 1 1 1
Kimi Räikkönen 1 2 2 2 1 2
Red Bull
Daniel Ricciardo 1 1 1 1 1 1
Daniil Kvyat 1 1 1 1 2 2
Williams
Felipe Massa 1 1 1 1 1 1
Valtteri Bottas 1 1 1 1 1 1

...

ICE - Internal Combustion Engine, Verbrennungsmotor
TC - Turbo Charger, Turbolader
MGU-K - Motor Generation Unit - Kinetic
MGU-H - Motor Generation Unit - Heat
ES - Energy Store, Batterie
CE - Control Electronics, Steuergeräte

Kimi Räikkönen kam beim Bahrain GP nah an Sieger Nico Rosberg heran, konnte zudem Lewis Hamilton hinter sich lassen. Das alles allerdings unter Ferrari-freundlichen Umständen. Der Abstand ist größer, als er zuletzt schien. Doch die Strecke könnte Ferrari helfen. Mit ihren extrem langgezogenen Kurven steht vor allem die Vorderachse im Mittelpunkt, der Reifenverschleiß könnte deutlich entscheidender als noch zuletzt in Bahrain sein - speziell mit den Supersoft Reifen. Weil es die erste Strecke dieser Art im Kalender ist, darf gespannt auf das Kräfteverhältnis gewartet werden.

Brennpunkt 3: Fernando Alonso

Fernando Alonso ist fit für den China GP - zumindest vorerst - Foto: Sutton
Fernando Alonso ist fit für den China GP - zumindest vorerstFoto: Sutton

Um Punkt 11:00 Uhr Ortszeit musste Fernando Alonso am Donnerstag im Medical Center des Shanghai International Circuits antanzen. Nachdem ihm die Ärzte in Bahrain keine Starterlaubnis erteilt hatten, wurde der Spanier in China erneut zum Medizin-Check gebeten.

Die Entscheidung ließ ewig auf sich warten. Erst um 18:32 Uhr gaben die Stewards ihre Entscheidung bekannt: Fernando Alonso darf fahren, aber unter Vorbehalt. Nach dem 1. Freien Training muss der McLaren-Pilot erneut bei den Ärzten antanzen. Danach wird neu entschieden. Alonso hatte sich beim Horror-Unfall in Melbourne einen leichten Pneumothorax und mehrere Wirbelbrüche zugezogen.

Brennpunkt 4: Das Qualifying

Nach langem Hin und Her kehrt die Formel 1 beim dritten Saisonlauf wieder zum alten Qualifying-Format zurück. Das Knock-Out-Qualifying, das an den ersten beiden Rennwochenenden zum Einsatz kam, wurde zwischen Bahrain und China abgesetzt. Nachdem FIA und Bernie Ecclestone eine Rückkehr zum alten Format gar nicht zur Wahl stellten, sondern nur ein neues Additions-Qualifying, richteten die Teams geschlossenen einen Brief an FIA und den kommerziellen Rechteinhaber.

Der Brief zeigte Wirkung, so dass Bernie Ecclestone und Jean Todt ein Einsehen mit Fahrern, Teams und Fans hatten und ihr Okay für die Rückkehr zum alten Format gaben. Wenig später bestätigte auch der Motorsportweltrat das neue alte Qualifying-Format. Für alle, die nach Knock-Out-Qualifying, Additions-Qualifying und Co. nicht mehr wissen, wie das alte Format aussah, hier die knappe Zusammenfassung:

  • Qualifying besteht aus drei Segmenten
  • Q1 dauert 18 Minuten, Q2 15 Minuten, Q3 12 Minuten
  • Am Ende von Q1 scheiden die langsamsten sieben Fahrer aus
  • Am Ende von Q2 scheiden weitere sieben Fahrer aus
  • Nach jedem Qualifying-Segment werden die Zeiten zurückgesetzt
  • Angefangene Runden dürfen am Ende jedes Segments zu Ende gefahren werden
  • In Q3 bekommen die Top-10 einen frischen Satz Quali-Reifen
  • Das Rennen müssen die Top-10 auf den Reifen aus Q2 starten

Brennpunkt 5: Der Start

Die neuen Regeln am Start zahlen sich aus - Foto: Sutton
Die neuen Regeln am Start zahlen sich ausFoto: Sutton

Die neuen Regeln machen sich beim Start bezahlt: Die Fahrer dürfen seit dieser Saison nur noch eine Hand zum Kuppeln benutzen, zusätzlich gelten die Restriktionen beim Einstellen des Schleifpunktes wie im Vorjahr. Außerdem darf der Kommandostand keinerlei Hilfe beim Startprozedere und in der Aufwärmrunde geben.

Lewis Hamilton ist bislang der große Verlierer der neuen Starts - Foto: Sutton
Lewis Hamilton ist bislang der große Verlierer der neuen StartsFoto: Sutton

Die weitere Verschärfung dieser Regeln brachte in den ersten beiden Rennen größere Variation bei den Starts. Die Mercedes-Analyse zeigt, dass Nico Rosberg in Bahrain der beste Start des gesamten Feldes gelang, in Melbourne der sechstbeste. Im Gegensatz dazu zählten vier der fünf Fahrer, die in Melbourne einen besseren Start hinlegten, in Bahrain zu den schlechtesten Startern. Einzige Ausnahme: Sebastian Vettel, der gar nicht erst startete.

Die Mercedes-Analyse bezieht sich auf die zurückgelegte Distanz innerhalb der ersten vier Sekunden. Die Statistik beweist: Die Schwankung am Start ist größer. Neben dem Kupplungsschleifpunkt ist der Fahrer die wichtigste Variable. Er muss die Kupplung auf die ideale Temperatur bringen und gleichzeitig Gefühl beim Loslassen der Kupplungswippe beweisen. Lewis Hamilton gelang das weder in Melbourne, noch in Bahrain besonders gut. Beide Male verlor er nicht nur Platz eins, sondern gleich mehrere Plätze.

Bei der Hardware konnte Mercedes in der Kürze der Zeit nichts ändern, eine eigene Kupplung ist allerdings schon in der Pipeline. Seit den Einschränkungen geht es darum, das nutzbare Band breiter zu machen. Perfekte Starts in einem Mini-Spektrum nutzen ohne Computer-Perfektion nicht mehr besonders viel. In China kann das wegen der Schnecken-Kurve nach dem Start besonders heikel werden: Stichwort Kollision.

Brennpunkt 6: Die Reifen

Der Shanghai International Circuit ist wie eingangs erwähnt eine besondere Strecke. Die extrem langgezogenen Kurven stellen die Vorderreifen auf eine harte Probe. In diesem Jahr ganz besonders: Weil Pirelli zu jedem Rennen eine dritte und damit weichere Reifenmischung als in den Vorjahren bringt, müssen die Teams im Qualifying den Supersoft-Reifen aufziehen.

Bringen die Reifen Mercedes ìn China etwa ins Schwitzen? - Foto: Sutton
Bringen die Reifen Mercedes ìn China etwa ins Schwitzen?Foto: Sutton

Für die ersten Zehn bedeutet das, dass die auf gebrauchen Supersofts ins Rennen gehen müssen. "Wenn dieser im Rennen Graining entwickelt, könnten wir schon innerhalb der ersten fünf Runden die ersten Stopps sehen", warnt Mercedes' Technikchef Paddy Lowe. "Das dürfte höchstwahrscheinlich zu einem noch extremeren Beispiel davon führen, was wir bereits in Bahrain gesehen haben. Dort war der beste Reifen für das Qualifying alles andere als ein großartiger Rennreifen."

Das führt einerseits dazu, dass das Feld durch frühe Boxenstopps der Top-10 durcheinandergewürfelt wird, andererseits zu möglichen Verschiebungen beim Kräfteverhältnis. Galt es in Bahrain vor allem, mit den Hinterreifen sorgsam umzugehen, geht es in China um den vorderen linken Reifen. Bei kühleren Temperaturen könnte Graining eine entscheidende Rolle spielen.

Interessant ist hier auch die Wahl der zehn Reifensätze, die den Teams freistand. Zwar konnte man schon an den ersten Rennwochenenden Unterschiede zwischen den Teams sehen, bis zum Qualifying waren die meisten Rennställe aber wieder angeglichen, weil nach den Trainingssitzungen entsprechend andere Sätze zurückgegeben wurden.

In China könnte sich das Bild aus zwei Gründen leicht ändern: Zum einen brauchen die Top-Teams wegen der Rückkehr zum alten Qualifying-Modus nicht mehr so viele Supersofts, zum anderen gab es wegen der Streckencharakteristik größere Unterschiede zwischen den Teams. So hat Mercedes an diesem Wochenende beispielsweise deutlich mehr Medium-Reifen zur Verfügung als bei den ersten beiden Rennen.

Zeitplan für den China GP

Freitag:
04:00 - 05:30 Uhr: 1. Freies Training
08:00 - 09:30 Uhr: 2. Freies Training
10:00 Uhr: Pressekonferenz (Arrivabene, Boullier, Hasegawa, Horner, Vasseur, Wolff)
Samstag:
06:00 - 07:00 Uhr: 3. Freies Training
09:00 - 10:00 Uhr: Qualifying
Sonntag:
08:00 Uhr: Rennen

Die TV-Hinweise im Überblick

Wer sich die Freien Trainings, das Qualifying und das Rennen zum China GP im Fernsehen anschauen möchte, sollte einen Blick auf unsere TV-Hinweise werfen. Hier finden Sie sämtliche deutschsprachigen Sender, die das Rennen live übertragen.