Unmittelbar nach dem Auftakt der Formel-1-Saison 2016 in Australien kommt der nächste Kracher: Die GPDA, die Fahrergewerkschaft der Formel 1, fordert in einem offenen Brief an die Entscheidungsträger der Formel 1 und die Fans eine Revolution.

Der Brief spricht mehrere Punkte an. Grund des Verfassens dieses offenen Briefes sind jüngste Änderungen des sportlichen und technischen Reglements heißt es, genauso wie die geschäftliche Ausrichtung der Formel 1.

Die Fahrer, in der Grand Prix Drivers Associtaton vertreten durch Präsident Alex Wurz und die beiden Stellvertreter Sebastian Vettel und Jenson Button, wollen, dass die Formel 1 wieder zu dem wird, was der Name Königsklasse des Motorsports verspricht.

"Wir müssen sicherstellen, dass die Formel 1 ein Sport bleibt, ein eng umkämpfter Wettkampf zwischen den besten Fahrern in herausragenden Fahrzeugen auf den coolsten Rennstrecken. Die Formel 1 sollte ausschließlich das Zuhause der besten Teams, Fahrer und Strecken sein, mit Partnern und Zulieferern, die für eine solche elitäre Meisterschaft geeignet sind", heißt es in dem Schreiben.

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Seit den umfassenden Regeländerungen 2014 gibt es immer wieder Kritik an der Formel 1, weil sich die Piloten physisch nicht mehr ausreichend gefordert sehen. "Der Fun-Faktor für den Rennfahrer ist die Kurve. Das sind die irrwitzigen Kurvengeschwindigkeiten. Dann wird es anstrengend. Dann wird es schwieriger. Dann wird es für die Auge/Hirn-Koordination extremer", sagte GPDA-Präsident Alex Wurz erst unlängst im ausführlichen Hintergrund-Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Reifenhersteller Pirelli ist Fahrern ein Dorn im Auge

Zwar sollen die Fahrzeuge 2017 wieder deutlich mehr Anpressdruck generieren, gleichzeitig wird das Gewicht der Autos aber weiter dramatisch steigen. Und Reifenhersteller Pirelli droht bereits mit utopischen Luftdrücken, um mit steigenden Belastungen klarzukommen. Der Reifenzulieferer ist vielen Fahrern seit langer Zeit ein Dorn im Auge, weil die Pneus weder besonders haltbar sind, noch gute Performance liefern.

Konkret wird das GPDA-Statement aber nur in einem Punkt: Bei der Regierung der Formel 1. "Die Fahrer sind zu dem Schluss gekommen, dass der Entscheidungsprozess des Sports veraltet und falsch gegliedert ist und dadurch Fortschritt verhindert. Tatsächlich kann der Entscheidungsprozess zum genauen Gegenteil führen, nämlich zum Stillstand", heißt es.

Die Fahrer werden deutlich: "Wir wollen deshalb die Besitzer und alle Interessensvertreter der Formel 1 nicht nur darum bitten, sondern sie auch dazu drängen, eine Neuordnung der aktuellen Führungsstruktur in Erwägung zu ziehen."

Eine klare Ansage in Richtung Bernie Ecclestone, Jean Todt und vor allem auch den Herstellern, die aktuell das Zepter in der Hand haben. Sportliche und technische Änderungen können nur durch die sogenannte Strategiegruppe initiiert werden, in der ausgewählte Teams, die FIA und Rechteinhaber CVC vertreten sind. Ohne die Unterstützung der FIA und der Teams kann Bernie Ecclestone als Vertreter von CVC nichts ausrichten. Das Gleiche gilt andersherum.

Auf der anderen Seite kritisierte Alex Wurz unlängst im Exklusiv-Interview das Businessmodell der Formel 1. "Da kann man so viel machen. Das ist ein Geschäftsmodell: Die Fernsehanstalten zahlen dafür, dass es exklusiv ist, es keiner verwenden darf und es geographisch geblockt ist. Um es richtig herauszuposaunen und um Masse zu erzielen - das ist ein anderes Geschäftsmodell. Und da muss man hin, da muss man umstellen."

Welche Wirkung der offene Brief haben wird, ist unklar. Unmittelbar können die Piloten keinen Einfluss auf die Geschehnisse in der Formel 1 nehmen - außer natürlich auf der Strecke. Wenn die Piloten aber - nach Bernie Ecclestone - auch noch unisono schlecht über das eigene Produkt reden, muss an Stellschrauben gedreht werden. Das verkraftet der Sport auf Dauer nicht. Es ist ein Schuss vor den Bug.

Der offene Brief im Wortlaut

Liebe Formel-1-Besitzer und Fans,

Wir Formel-1-Piloten wollen uns wie folgt zu unserer Position äußern: Wir Fahrer lieben unseren Sport! Seit unserer Kindheit träumen wir davon, die schnellsten Rennautos von Top-Teams auf den coolsten Rennstrecken gegen die besten Fahrer auf der Welt zu fahren. Wir wollen Wettkampf und lieben die Formel 1 fast bedingungslos - das macht uns wahrscheinlich zu den Leuten, die - neben unseren Fans - das reinste Interesse für die Formel 1 haben.

Die Formel 1 wird derzeit von einem weltweit schwierigen ökonomischen Umfeld, rasanten Veränderungen im Konsumverhalten der Fans und einem entscheidenden Wandel in der TV- und Medienlandschaft herausgefordert. Das macht es umso wichtiger, dass die Verantwortlichen des Sports intelligente und gutüberlegte Korrekturen vornehmen.

Wir haben das Gefühl, dass einige der jüngsten Regeländerungen, auf sportlicher wie technischer Seite, - und auch einige geschäftliche Dinge - zerstörerisch sind, die größeren Probleme, denen unser Sport gegenübersteht nicht angehen und in gewisser Weise auch seinen zukünftigen Erfolg gefährden. Wir wissen, dass unter den Verantwortlichen des Sports - seien es die Besitzer, ihre Vertreter, die FIA, die Teams oder andere Interessensvertreter - jeder Einzelne mit bester Absicht handelt.

Deshalb sind die Fahrer zu dem Schluss gekommen, dass der Entscheidungsprozess des Sports veraltet und falsch gegliedert ist und dadurch Fortschritt verhindert. Tatsächlich kann der Entscheidungsprozess zum genauen Gegenteil führen, nämlich zum Stillstand. Das wirft negatives Licht auf unseren Sport, hindert ihn daran, fit für die nächste Generation von Fans zu sein und schränkt globales Wachstum ein.

Wir wollen deshalb die Besitzer und alle Interessensvertreter der Formel 1 nicht nur darum bitten, sondern sie auch dazu drängen, eine Neuordnung der aktuellen Führungsstruktur in Erwägung zu ziehen. Die zukünftige Richtung und die Entscheidungen der Formel 1, seien sie kurz- oder langfristig, sportlicher, technischer oder geschäftlicher Natur, sollten auf einem klaren Masterplan basieren. Ein solcher Plan sollte die Prinzipien und Grundwerte der Formel 1 reflektieren.

Wir müssen sicherstellen, dass die Formel 1 ein Sport bleibt, ein eng umkämpfter Wettkampf zwischen den besten Fahrern in herausragenden Fahrzeugen auf den coolsten Rennstrecken. Die Formel 1 sollte ausschließlich das Zuhause der besten Teams, Fahrer und Strecken sein, mit Partnern und Zulieferern, die für eine solche elitäre Meisterschaft geeignet sind.

Die Formel 1 hat sich zweifellos als die Königsklasse des Motorsports etabliert und ist als solche eine der populärsten und meistgesehenen Sportarten auf der Welt. Wir Fahrer stehen gemeinsam dafür ein, bieten unsere Hilfe und unsere Unterstützung an, damit die Formel 1 genau das bleibt. Wir wollen sie für die Zukunft bereit und für viele Jahre und Generationen, die noch kommen werden, aufregend machen.

Es ist wichtig festzustellen, dass dieser offene Brief im Interesse aller sein solle und nicht als blinde und respektlose Attacke angesehen wird. Danke für eure Aufmerksamkeit und die Freiheit, unsere Gedanken in Worte fassen zu dürfen.

Mit besten Grüßen

Jenson Button, Sebastian Vettel und Alex Wurz, stellvertretend für alle Formel-1-Piloten