Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Für Pascal Wehrlein war der Start zur Formel-1-Saison 2016 in Australien noch etwas spezieller. Für den amtierenden DTM-Champion war es das erste Wochenende als richtiger Formel-1-Pilot. Ab dem Singapur GP 2013 reiste er mit dem Mercedes-Team als Dritter Fahrer mit, durfte aber nie Racing-Luft an einem Grand-Prix-Wochenende sammeln. Nur bei Testfahrten durfte er einige Male in Formel-1-Boliden Platz nehmen.

Jetzt also Stammfahrer in der Formel 1. Vom Meister in der DTM zum Hinterherfahrer in der Formel 1. Manor machte sich im vergangenen Jahr in Australien lächerlich, weil das Team das Fahrzeug zum ersten Mal an der Strecke montierte und entsprechend wenig zustande brachte.

MSM TV: Mercedes-Junior Pascal Wehrlein im Interview: (11:28 Min.)

Wehrlein wusste, worauf er sich einlässt. Die mentale Umstellung - vom Meisterschafts-Anwärter zum Hinterherfahrer - fiel ihm schwer, daraus machte er nie einen Hehl. Doch es sollte ohnehin alles besser werden: Neues Auto, Mercedes-Motor, Chassis-Teile von Williams.

Erste Qualifying-Schlappe für Wehrlein

Doch das Qualifikationstraining verlief mehr als ernüchternd. Wehrlein musste sich nicht nur seinem Teamkollegen Rio Haryanto geschlagen geben, sondern beanspruchte auch noch einen traurigen Rekord für sich: Als Erster im womöglich einzigen Knock-Out-Qualifying der Formel-1-Geschichte ausgeschieden zu sein.

Sichtlich enttäuscht musste der junge Manor-Pilot seine Qualifying-Schlappe erklären. Dank schlechten Timings konnte er lediglich eine einzige schnelle Runde fahren. Dazu gab es laut Teammanager Dave Ryan auch noch Probleme an seinem Auto - Wehrlein wollte das jedoch nicht als Ausrede nehmen. Vor dem Rennen wurden an den Manor-Boliden die Reifendruck-Kontrollsysteme gewechselt.

Überholen am Start leichter als in der DTM

Schon nach wenigen Metern dürfte Pascal Wehrlein die Enttäuschung des Vortages aber vergessen gehabt haben. "Nach zwei Kurven habe ich realisiert, wie gut der Start und die erste Kurve waren. In den Kurven drei und sieben ging es noch einmal ein paar Plätze nach vorne. Als ich auf Höhe der McLaren war, wusste ich, das war eine gute erste Runde. Davon muss ich mir auf jeden Fall die Onboard-Aufnahme besorgen."

"Ich war überrascht, denn es war mein erster Start in der Formel 1 und in der Vergangenheit waren meine Starts nicht immer meine Stärke, deshalb war ich doppelt überrascht", so Wehrlein. Während in der DTM mit dem Fuß gekuppelt wird, gibt es in der Formel 1 Kupplungshebel am Lenkrad. Seit dieser Saison darf nur noch mit einer Hand gekuppelt werden, was den Start zusätzlich erschwert.

Die Kupplung ist aber nicht der einzige Unterschied zur DTM. "Alles ist schneller, wir bremsen viel später, kommen mit einer höheren Geschwindigkeit an", weiß Wehrlein. "Da muss man einen scharfen Sinn oder eine gute Reaktion haben."

RundePositionAktion
Start21
1-714Starker Start + 1. Runde
8-913Sainz Boxenstopp
10-1619Boxenstopp
17-2017Alonso-Unfall
2118Von Magnussen überholt
22-2417Räikkönen-Ausfall
25-2616Nasr überholt
27-2915Ericsson DTP
30-3114Button Boxenstopp
32-3817 Boxenstopp
39-5616Ericsson Ausfall

Der größte Unterschied liegt aber in den freistehenden Rädern, wodurch die Formel-1-Boliden besonders empfindlich auf Berührungen reagieren. Das merkt man vor allem am Verhalten der anderen Piloten, wie der DTM-Champion meint: "In der DTM könnte man nicht so einfach überholen, weil einem da einfach ins Auto reingefahren wird, wenn es dem anderen nicht passt."

Langsamer Stopp kostet Plätze

Auch die ersten Runden nach dem Start verliefen für den Formel-1-Neuling noch gut. Wehrlein konnte die Pace des vor ihm fahrenden Palmer gut mitgehen. Bis zum ersten Boxenstopp. Mehr als 26 Sekunden verbrachte der Manor mit der Startnummer 94 zwischen den Messstellen. Die Konkurrenz benötigte bei ihren Stopps rund 22 Sekunden dafür.

Wehrlein fiel durch den Stopp wieder bis auf Platz 19 zurück. Viele Runden konnte er aber auf den Soft-Reifen nicht drehen, ehe das Rennen nach dem Alonso-Crash unterbrochen wurde. Während der Unterbrechung zog der Deutsche einen weiteren Satz frischer Softs auf. Zu Beginn des Stints konnte er noch gut mit den Fahrzeugen vor ihm mithalten, doch die gelben Pirellis brachen zu früh ein.

"Wir hatten deutlich mehr Reifenverschleiß als die anderen und mussten daher früher an die Box kommen", analysierte Wehrlein nach dem Rennen. Der Verschleiß ist aber keine Frage des Fahrstils mit den sensiblen Pirellis, sondern vielmehr eine Sache des Setups, so der Fahrer. "Wenn wir in schnelleren Kurven eine bessere Balance finden, macht das einen riesen Unterschied."

Dazu kamen weitere Probleme: Die Bremsen des Manors waren früh am Verschleißlimit angekommen. Es war sogar so kritisch, dass ihn die Ingenieure trotz Funk-Einschränkungen darauf hinweisen durften. Dazu machte die Lenkung Ärger. Einschlagen nach rechts und links war nicht mehr gleich schwer.

Und auch der zweite Boxenstopp verlief nicht optimal. Diesmal verbrachte er zwar nur 24 Sekunden zwischen den Messstellen, doch im Vergleich zur Konkurrenz ist das noch immer deutlich langsamer. Manor hatte vor dem Saisonauftakt noch keinen einzigen Boxenstopp-Ernstfall geprobt. "Klar kann man das sicherlich auch noch verbessern im Verlauf der Saison, aber für den ersten Stopp im Jahr war es gut", beruhigt Wehrlein.

Wie groß das Problem mit dem Reifenverschleiß war, zeigt die Strategie: Während die meisten Piloten, die nach dem Restart auf Soft losgefahren waren, ihren letzten Stint mit Supersoft fahren konnten, musste Manor auf Medium setzten. Red Bull wäre im Nachhinein sogar zweimal mit Supersoft gefahren.

Wehrlein zieht positives Fazit nach Formel-1-Debüt

Am Ende stand deshalb nur der 16. und damit letzte Rang beim Formel-1-Debüt für Pascal Wehrlein. Bis zu dessen Ausscheiden hatte er aber seinen Teamkollegen Haryanto klar im Griff.

"Im Moment sind wir noch ein bisschen vom Mittelfeld weg. Fünf Runden sind wir okay, aber das Rennen geht leider nicht fünf Runden - und das Qualifying am Samstag leider auch nicht", merkte er mit einem Schmunzeln an. "Die Grundpace hat aber gepasst, das sehe ich sehr positiv. Ich wäre deutlich enttäuschter nach diesem Wochenende, wenn ich wüsste, dass wir einen riesen Abstand haben. Der Traum von Punkten lebt weiterhin."