Neues Jahr, altes Bild. Mit großer Spannung war erwartet worden, ob sich das Kräfteverhältnis an der Spitze der Formel 1 verändert hat und Ferrari Mercedes nähergekommen ist, oder die Silberpfeile weiterhin über einen veritablen Vorsprung verfügen. Nach dem Qualifying in Australien deutet wenig auf einen Umbruch hin. Zu dominant war Mercedes, allen voran Lewis Hamilton.

Die Top-4 im Australien-Qualifying:

Position Fahrer Team Zeit Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:23.837
2. Nico Rosberg Mercedes 1:24.197 + 0.360
3. Sebastian Vettel Ferrari 1:24.675 + 0.838
4. Kimi Räikkönen Ferrari 1:25.033 + 1.196

Rosberg droht nächste Pleite gegen Hamilton

Der amtierende Weltmeister sicherte sich in jeder Session des bisherigen Rennwochenendes die Bestzeit und ließ wenig Zweifel daran, dass in ihm das Feuer lodert, 2016 einen weiteren Titel einzufahren. Nico Rosbergs Selbstvertrauen, das von seinen drei Siegen am Ende der vergangenen Saison herrührte, scheint hingegen wie weggeblasen zu. Der Deutsche präsentierte sich in Melbourne von Anfang an fehlerhaft, crashte im Training und verpasste die Pole Position deutlich.

Unfall am Freitag: Bei Rosberg ist von Anfang an der Wurm drin - Foto: Sutton
Unfall am Freitag: Bei Rosberg ist von Anfang an der Wurm drinFoto: Sutton

"Ja, auf jeden Fall", gab Rosberg zu, über den Rückstand von 0,360 Sekunden auf Hamilton überrascht zu sein, streute seinem Teamkollegen aber auch Rosen: "Er hatte tollen tag, ich nicht. So kann man es erklären. Es geht um das Gefühl für das Auto, um voll zu pushen. Ich habe mich nicht zu hundert Prozent wohl gefühlt."

Muss Rosberg am Sonntag in Melbourne eine teaminterne Niederlage einstecken, ist das Momentum des Herbstes wohl endgültig verflogen und er befindet sich von Anfang an wieder in der ungeliebten Verfolgerrolle. "Ich habe gute Hoffnungen", gibt sich der Vizeweltmeister daher betont optimistisch und will im Idealfall schon am Start, der aufgrund des neuen Reglements, das es den Piloten nur mit einer Hand erlaubt zu kuppeln, eine Unbekannte darstellt, an Hamilton vorbeiziehen.

Ferrari spart Reifen für das Rennen

Mit rund acht Zehnteln Rückstand lag Sebastian Vettel wesentlich weiter zurück, als im Vorfeld erwartet worden war. Beim reinen Blick auf die Qualifying-Zeiten scheint Ferrari chancenlos, doch im Lager der Scuderia sieht man dies keineswegs so, sondern rechnet sich im Grand Prix gegen Mercedes etwas aus.

"Ich glaube, im Rennen sind wir deutlich näher dran", orakelte Vettel, der sich wie sein Teamkollege Kimi Räikkönen, der von Platz vier startet, einen Run im letzten Qualifying-Abschnitt sparte. "Wir sind in einer guten Position. Das Auto ist ein Schritt nach vorne und bietet mehr Potenzial. Die Chance ist da." Und Teamchef Maurizio Arrivabene ergänzte schelmisch: "Wir haben noch etwas in der Hinterhand."

Der Qualifying-Run weniger relativiert zum einen den großen Rückstand auf Mercedes ein wenig - bei einem zweiten Versuch in Q3 wäre Ferrari wohl näher dran gewesen -, hat aber vor allem zur Folge, dass die Ferrari-Piloten einen Satz Reifen sparten. Im Rennen, wo es auf eine Zwei-Stopp-Strategie hinauslaufen könnte, womöglich ein entscheidender Vorteil. Allerdings nur, wenn die Performance stimmt, denn ist Ferrari zu weit zurück, helfen selbst die frischesten Gummis nicht.

Wolff: Ferrari ist eine Bedrohung

Lewis Hamilton gibt in Australien den Ton an - Foto: Sutton
Lewis Hamilton gibt in Australien den Ton anFoto: Sutton

Bei Mercedes geht man jedenfalls nicht davon aus, dass der Große Preis von Australien zu einem Solo wird, sondern hat Ferrari dick auf der Rechnung. "Ich denke, man sieht das Potenzial in diesem Auto, und wir sehen es als Bedrohung. Sie konnten es aber noch nicht voll in Rundenzeiten umsetzen", warnt Motorsportchef Toto Wolff vor der Scuderia.

Ähnlich sieht Hamilton die Dinge, dem bewusst ist, dass Mercedes' große Stärke schon seit geraumer Zeit das Qualifying ist, während sich das Kräfteverhältnis mit vollen Tanks zumeist knapper darstellt. "Es ist enger als ihr denkt, aber trotzdem ist es noch immer ein ordentlicher Abstand", sagte der Pole-Sitter. "Im Rennen sind sie immer ein bis zwei Zehntel näher dran, morgen vielleicht noch näher." Nachsatz: "Ich kann aber auch falsch liegen."