"Batterien gehören ins Handy" - mit dieser Aussage machte Sebastian Vettel bei den ersten Testfahrten der neuen Hybrid-Formel 2014 in Barcelona seinem Unmut Luft. Vettel ist kein Freund der Hybridisierung der Formel 1. Er würde gerne mit V10-Motoren um die Strecken jagen, die doppelt so viel Benzin durch die Einspritzpumpen jagen als die aktuellen Power Units.

An dieser Einstellung hat sich seit den ersten Testfahrten anno 2014 nicht viel geändert. "Der Zuschauer muss sich wieder mit der Technik im Auto identifizieren können, momentan ist sie viel zu komplex. Dazu kommt, dass der Sound fehlt", sagt er auf seiner eigene Website.

Vettel weiter: "Ich glaube primär sollte es um den Sport gehen und darum welcher Fahrer der schnellste ist. Das Auto spielt heute sowie in der Vergangenheit eine maßgebliche Rolle. Wir sollten uns aber nicht in den zu komplizierten Regularien verlieren..." Die nächste Ohrfeige für die Formel 1.

Vettel-Kritik zum passenden Zeitpunkt

2014 wirkte Vettels Kritik nicht ehrlich - Foto: Sutton
2014 wirkte Vettels Kritik nicht ehrlichFoto: Sutton

Der Unterschied zu Vettels Kritik vor zwei Jahren: Sie ist in der Wortwahl nicht mehr ganz so drastisch. Damals sprach der viermalige Weltmeister von 'Staubsaugern' und nahm sogar das 'Sch-Wort' in den Mund. Damals blieb Vettel mit seinem Red Bull gefühlt alle hundert Meter wegen eines technischen Defekts liegen, im vergangenen Jahr holte Vettel drei Siege und wurde WM-Dritter.

Heute wirkt seine Kritik sachlicher, doch der Kern der Aussage bleibt. Und das ist das Problem: Kritik wird innerhalb der Formel 1 zumeist von denen geäußert, die nicht so gut aufgestellt sind. Stichwort Red Bull. Auch Ferrari beklagte sich 2014 maßlos über die Regeln. Kaum kam der Erfolg, wurden die kritischen Stimmen aus Maranello leiser. Auch Vettel wurde leiser, aber eben nicht stumm.

Vettel ist noch immer kein Freund der Power Units - Foto: Mercedes AMG
Vettel ist noch immer kein Freund der Power UnitsFoto: Mercedes AMG

"Zudem konzentriert sich das aktuelle Regelwerk auf zu viele Details", meint Vettel weiter. "Ich denke, wir dürfen die Wurzeln des Motorsports nicht verlieren und ich hoffe für alle, dass die Autos in Zukunft wieder greifbarer werden."

Doch Vettels ehrlicher Wunsch wird dem Ferrari-Piloten wohl noch eine ganze Weile verwehrt bleiben. Die Motorenhersteller konnte mit einer Kostensenkung für die Kundenteams FIA-Präsident Jean Todt wieder auf ihre Seite bringen und halten an den Power Units fest. Zwar soll es ein paar Einheits-Bauteile geben und die Motorenkontingente sollen noch weiter schrumpfen, um die Kosten auch tatsächlich zu reduzieren, doch an der Technik ändert sich grundlegend nichts.

Immerhin beim Sound naht Rettung. In der kommenden Saison werden Änderungen an der Auspuffanlage vorgenommen, die den Sound verbessern werden. Statt eines großen zentralen Auspuffrohrs gibt es ab sofort ein großes und ein bis zwei zusätzliche Wastegate-Rohre. Zudem macht sich eine Arbeitsgruppe Gedanken, wie der Sund weiter verbessert werden kann.

Motoren stärker, Aerodynamik und Reifen schlechter

Umfangreiche Regeländerungen sollen die Autos wieder schneller machen - Foto: Mercedes/Motorsport-Magazin.com
Umfangreiche Regeländerungen sollen die Autos wieder schneller machenFoto: Mercedes/Motorsport-Magazin.com

Bezüglich der Leistung ist Vettels Kritik nicht gerechtfertigt. Mercedes' aktuelle Power Unit stemmt inzwischen mehr Leistung auf die Kurbelwelle, als der stärkste V10-Motor aus Brixworth. Die teilweise langsameren Rundenzeiten ergeben sich aus beschnittener Aerodynamik und weniger aggressiven Einheitsreifen.

Doch hier soll sich in Zukunft etwas tun: Vettel selbst reiste erst kürzlich nach Mailand, um mit einer hochkarätigen Formel-1-Delegation bei Pirelli über die Zukunft der Reifen zu sprechen. Die Fahrer wünschen sich mehr mechanischen Grip von den Pneus, der zudem weniger stark abbaut. Auch bei der Aerodynamik soll es Änderungen geben. Der ursprüngliche Plan sah vor, die Autos 2017 um 20 Zentimeter auf zwei Meter zu verbreitern und die Aerodynamik maßgeblich zu ändern. Doch inzwischen wollen viele die Änderungen kleiner gestalten und zudem auf 2018 verschieben.