Bereits zum zweiten Mal jährt sich am 29. Dezember der schwere Ski-Unfall von Michael Schumacher. Der erfolgreichste Formel-1-Fahrer der Geschichte stellte in seiner Karriere unzählige Rekorde auf - seine sieben WM-Titel und 91 Grand-Prix-Siege für Benetton und Ferrari sind Bestmarken für die Ewigkeit. Doch der aktuelle Kampf des 46-Jährigen um seine Genesung ist wohl der schwerste seines Lebens. Motorsport-Magazin.com hat alle Antworten zu den letzten zwei Jahren.

Sabine Kehm versorgt die Öffentlichkeit mit Informationen - Foto: Mercedes-Benz
Sabine Kehm versorgt die Öffentlichkeit mit InformationenFoto: Mercedes-Benz

Wie geht es Schumacher heute?

Auch zwei Jahre nach seinem Ski-Unfall hat die Öffentlichkeit kaum Informationen über Michael Schumachers Gesundheitszustand. Immer wieder kursierten in den vergangenen 24 Monaten Spekulationen und Informationen angeblicher Insider rund um seine Genesung, doch diese blieben meist unkommentiert - die Privatsphäre geht für Familie Schumacher vor.

Nur selten verkündet Managerin Sabine Kehm Updates über Schumis Fortschritte - zuletzt am 22. Mai 2015: "Wir sind froh weiter sagen zu können, dass er Fortschritte macht, und ich sage das immer in Anbetracht der Schwere seiner Kopfverletzungen." Falschmeldungen hingegen, wie der Bericht der Boulevardzeitschrift Bunte, die am 22. Dezember 2015 berichtete, dass Schumacher mit Hilfe von Physiotherapeuten ein paar Schritte gehen könne, wurden sofort dementiert: "Leider werden wir durch einen Pressebericht zu der Klarstellung gezwungen, dass die Behauptung, Michael könne wieder gehen, nicht den Tatsachen entspricht", erklärte die Managerin daraufhin.

"Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, (…) die ein ernsthaftes Interesse daran haben, wie es ihm geht", sagt Schumachers Medienanwalt Felix Damm am Montag in einem Gespräch mit der dpa. "Ein Recht auf Information über seinen Zustand hat die Öffentlichkeit nicht", stellte Damm klar.

Was ist heute vor zwei Jahren passiert?

Der Ort des Unglücks - Foto: adrivo Sportpresse GmbH
Der Ort des UnglücksFoto: adrivo Sportpresse GmbH

Am 29. Dezember 2013 stürzte Michael Schumacher beim Skifahren im französischen Wintersportort Méribel abseits der markierten Piste und prallte mit dem Kopf gegen einen Felsen. Schumacher erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und wurde per Helikopter ins Provinzkrankenhaus nach Albertville-Moutiers geflogen.

Als feststand, dass er in Lebensgefahr schwebt, erfolgte der Weitertransport in die Universitätsklinik von Grenoble. Nach Tests und einem CT wurde Schumacher notoperiert und ein Loch in sein Gehirn gebohrt, um den Druck zu verringern. Die Ärzte bestätigten nach dem Eingriff, dass sich der Rekordweltmeister in einem kritischen Zustand befindet.

Im Januar 2014 bestätigte Staatsanwalt Patrick Quincy, dass Schumacher am 29. Dezember 2013 nicht mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen ist. Die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft wurden schließlich am 17. Februar 2014 eingestellt. Laut Quincy habe es kein Fremdverschulden gegeben. In der offiziellen Stellungnahme erklärte man: "Es gab keinerlei strafbares Verhalten."

Wie wurde Schumacher in den folgenden Monaten behandelt?

Einen Tag nach Schumachers Unfall gaben die behandelnden Ärzte ihre erste Pressekonferenz. Sie bestätigten, dass Schumacher nach seiner Not-OP ins künstliche Koma versetzt wurde. In der Nacht auf den 31. Dezember musste Schumacher ein zweites Mal operiert werden. Im Zuge des zweitstündigen Eingriffs wurde ein großes Hämatom aus seiner linken Gehirnhälfte entfernt. Schumacher schwebe in Lebensgefahr, sein Zustand sei aber unter Kontrolle, erklärten die Ärzte damals.

Nach knapp einem Monat im Koma, bestätigte Managerin Sabine Kehm am 30. Januar 2014, dass Schumachers Aufwachprozess eingeleitet wurde. "Michaels Narkosemittel werden seit kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann", so Kehm.

Im April 2014 zeigte Schumacher erstmals Momente des Bewusstseins, wie Kehm gegenüber der Bild-Zeitung berichtete: "Michael macht Fortschritte auf seinem Weg. Er zeigt Momente des Bewusstseins und des Erwachens", so die Managerin damals. Am 16. Juni 2014 bestätigte Kehm schließlich, dass sich Schumacher nach 189 im Tage nicht mehr im künstlichen Koma befindet. Der Rekordweltmeister wurde daraufhin aus der Uniklinik in Grenoble in eine Reha-Klinik im Schweizer Lausanne verlegt.

Knapp drei Monate später, am 9. September 2014 durfte Schumacher wieder nach Hause nach Gland in der Schweiz. "Michaels Rehabilitation wird von nun an von zu Hause aus fortgeführt. Er hat in den vergangenen Wochen und Monaten der Schwere seiner Verletzungen entsprechende Fortschritte gemacht, aber es liegt weiterhin ein harter Weg vor ihm", verkündete Kehm. Schumachers Arzt Professor Jean-Francois Payen spricht von einem Ein- bis Dreijahresplan. "Dass er sich in einem familiären Umfeld befindet, kann helfen", so Payen.

Immer an seiner Seite: Ehefrau Corinna - Foto: Mercedes
Immer an seiner Seite: Ehefrau CorinnaFoto: Mercedes

Wie geht Schumachers Familie mit der Tragödie um?

Privatsphäre ist Familie Schumacher extrem wichtig. Der Rekordweltmeister wird seit seinem Unfall von der Öffentlichkeit abgeschottet. Meldungen über seine Genesung erfolgen nur sehr selten von seinem Management. "Die Familie ist all jenen dankbar, die verstehen, dass um Michaels Privatsphäre zu schützen keine medizinischen Daten herausgegeben werden. Wie von Beginn an praktiziert, werden wir weiterhin entscheidende, neue Informationen über Michaels Gesundheitszustand kommunizieren", so Sabine Kehm in einer offiziellen Aussendung. Gegen jegliche Falschmeldungen, aber auch gegen die Veröffentlichung von privaten Fotos, geht Familie Schumacher gerichtlich vor.

Medieninteresse hingegen bekam 2015 ein anderes Mitglied der Familie Schumacher. Sohn Mick Schumacher trat in die Fußstapfen seines Vaters und ging in der ADAC Formel 4 an den Start. Der 16-Jährige siegte gleich am ersten Rennwochenende und beendete seine Debütsaison als Zehnter der Gesamtwertung.

Mick Schumacher fährt seit 2015 in der ADAC Formel 4 - Foto: ADAC Formel 4
Mick Schumacher fährt seit 2015 in der ADAC Formel 4Foto: ADAC Formel 4

Welche langjährigen Wegbegleiter dürfen Schumacher besuchen?

Nur wenige enge Vertraute haben Michael Schumacher seit seinem Unfall gesehen. Ex-Teamkollege Felipe Massa ist einer von ihnen. Der Brasilianer besuchte Schumi noch im Krankenhaus in Grenoble. "Er sieht normal aus und hat auch ein paar Reaktionen gezeigt, mit dem Mund und mit allem", wurde Massa im Februar 2014 von Crash.net zitiert.

Auch FIA-Präsident Jean Todt besuchte Schumacher regelmäßig im Krankenhaus und hält bis heute engen Kontakt zu Familie Schumacher. "Er hat eine außerordentliche Frau und Familie. Sein Kampf geht weiter", sagte der FIA-Präsident der Gazzetta dello Sport. Todt hat viele Jahre gemeinsam mit Schumacher erfolgreich bei Ferrari gearbeitet. "Mit Michael verbindet mich Freundschaft. Wir haben zusammen so viel gelitten, bevor wir gewonnen haben, dass sich die Zuneigung noch vergrößert hat. Ich bin seiner Familie und Corinna nahe. Sie würden dasselbe für mich tun."

Ross Brawn zählt zu den engsten Vertrauten Michael Schumachers - Foto: Sutton
Ross Brawn zählt zu den engsten Vertrauten Michael SchumachersFoto: Sutton

Ebenfalls am Krankenbett war bisher Ross Brawn, ein enger Freund und Technikdirektor Ferraris zu Michael Schumachers Zeiten bei der Scuderia. "Ich war ein paar Mal dort, um ihn zu sehen. Corinna ruft mich manchmal an und hält mich auf dem Laufenden. Wir versuchen da, eine Balance dazwischen zu halten, ihn zu sehen und anzurufen und nicht lästig zu sein. Wir müssen einfach jeden Tag weiterbeten, dass er sich auf ein Niveau erholt, dass ... es ist langsam, aber es gibt immer Hoffnung", äußerte sich Brawn gegenüber dem britschen Daily Express.

Was ist das für ein Rummel um Willi Weber?

Weber arbeitete jahrelang mit Schumacher zusammen - war bei allen sieben WM-Erfolgen an seiner Seite - Foto: Sutton
Weber arbeitete jahrelang mit Schumacher zusammen - war bei allen sieben WM-Erfolgen an seiner SeiteFoto: Sutton

Kurz nach Weihnachten 2015 klagte Schumis Ex-Manager Willi Weber auf Facebook, dass er seinen Schützling bisher noch nie besuchen durfte:

"Bis heute konnte ich meinen Freund nach seinem Unfall nicht besuchen. Mir bleibt leider nichts anderes übrig als ihn in guter Erinnerung zu behalten. Ich habe alles versucht zu ihm zu kommen und ihn zu besuchen. Das ich immer an seiner Seite stehen würde ist wohl selbstverständlich. Ich würde alles mögliche machen um die Situation zu verbessern."

"Über die Gründe kann ich nichts sagen, ich kenne sie nicht", rätselte Weber daraufhin in der Bild-Zeitung über die Ursache seines Besuchsverbots. "Corinna unterbindet mir jeden Kontakt zu Michael. Ich habe zigmal versucht von Corinna eine Besuchserlaubnis zu bekommen, jedes Mal ohne Erfolg."