Es war nicht unbedingt die Saison von Red Bull, weder sportlich noch auf Funktionärsebene. Die Leistung von Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat litt darunter, dass der Renault-Motor sich - gemessen an der Spitzengruppe - als nicht nachhaltig konkurrenzfähig erwies. Im Ringen um einen anderen Motorlieferanten machte die Führungsspitze des Teams dann keine glückliche Figur. Der Vertrag mit den Franzosen wurde gekündigt, ohne einen neuen in der Tasche zu haben. Da sich zunächst kein Hersteller bereit erklärte, stand für längere Zeit sogar ein Ausstieg aus der F1 im Raum, der erst im letzten Moment abgewendet werden konnte.

Red Bull: Tops & Flops 2015

Die Tops

  • Drei Podestplätze, davon ein doppelter in Ungarn
  • Platz vier in der Konstrukteurswertung
  • Nur ein Rennen ohne Punkte

Die Flops

  • Die Motorleistung
  • Das Gezerre um den F1-Verbleib
  • Erste sieglose Saison seit 2008
  • Kein Platz in den Top 5 der Fahrerwertung

Das Auto: RB11

Red Bull litt das ganze Jahr - zum Teil selbstverschuldet - unter dem Thema Motoren. Lieferant Renault konnte den Abstand zur Spitze nicht entscheidend verringern. Es fiel auf, dass das Auto auf den langsamen (Stadt-)Kursen in der Regel viele Punkte mitnahm, auf schnellen Strecken wie in Monza oder Spa aber chancenlos blieb. Mittelfristig hofft das Team auf den unabhängigen Alternativmotor. Bei der Zuverlässigkeit gehörte Red Bull mit fünf Ausfällen 2015 zu den besseren Rennställen.

Die Fahrer: Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo ging es ähnlich wie Sebastian Vettel im Jahr zuvor. Eigentlich sah man den stets gut gelaunten Australier als den stärkeren Fahrer bei Red Bull an, doch am Ende der Saison landete er in der WM - wenn auch knapp - hinter seinem Teamkollegen. Dabei hatte der 26-Jährige das Quali-Duell gegen Kvyat doch eigentlich klar für sich entschieden (zwölf zu sieben). Immerhin holte Ricciardo einen Podestplatz mehr als der Russe.

Wie hier lagen auch am Ende der Saison beide Bullen fast gleich auf - Foto: Sutton
Wie hier lagen auch am Ende der Saison beide Bullen fast gleich aufFoto: Sutton

Die Fahrer: Daniil Kvyat

Daniil Kvyat kam nach seinem Wechsel von Toro Rosso ins Schwesterteam zunächst nicht sonderlich gut zurecht und hatte nach fünf Rennen lediglich fünf Punkte auf seinem Konto. Doch der 21-Jährige steigerte sich, bewies Konstanz, holte in Ungarn die erste Podestplatzierung seiner F1-Karriere und belegte letztlich Rang sieben in der Fahrerwertung - drei Punkte vor Daniel Ricciardo.

Daniel Ricciardo Daniil Kvyat
Punkte 92 95
WM-Position 8 7
Quali-Duell 12 7
Durchschnittliche Startposition 7,25 (ohne Strafen)
8,1 (mit Strafen)
8,7 (ohne Strafen)
9,7 (mit Strafen)

Statistik: Red Bull in Zahlen 2015

  • 187 Zähler: Dies bedeutet für Red Bull die mit Abstand schlechteste Ausbeute in der Konstrukteurs-WM seit Einführung der neuen Punkte-Regelung im Jahr 2010. Die zweitniedrigste Zahl in diesem Zeitraum stammt aus dem vorigen Jahr und liegt mit 405 mehr als doppelt so hoch.
  • Null Pole Positions: Wie schon im Vorjahr führte nie ein Red Bull das Feld beim Start an.
  • Drei schnellste Runden: Daniel Ricciardo war für diese Bestzeiten verantwortlich. Bezeichnenderweise gelangen sie ihm zweimal auf Stadtkursen (Monaco und Singapur) sowie auf der eher langsamen Strecke in Budapest.
  • 2,1 Sekunden: Red Bull hatte in dieser Saison die schnellste Boxencrew. Zweimal gelang diese Spitzenzeit beim Reifenwechsel, bei Kvyat in Italien, bei Ricciardo in den USA.

Der Ausblick: Red Bull in der F1-Saison 2016

Auch wenn es den vieldiskutierten Alternativmotor 2016 noch gar nicht gibt, könnte er für Red Bull schon in der kommenden Saison entscheidend werden. Sollte die Formel 1 im Januar einer Einführung ab 2017 zustimmen, dürfte sich die Motivation von Renault in der Zusammenarbeit merklich abkühlen. Denn dann wäre klar, dass das nächste Jahr das letzte ist, in dem die Franzosen den Rennstall beliefern. So oder so werden die Bullen auf eine Performance-Steigerung hoffen, denn die Plätze sieben und acht in der Fahrerwertung entsprechen nicht dem Selbstverständnis der Verantwortlichen.