Die Übernahme von Lotus durch Renault ist ein weiteres Stück näher gerückt. Wie der französische Automobilkonzern am Montagmorgen in einer Presseaussendung mitteilte, hat die Renault Group mit Gravity Motorsports S.a.r.l., einer Tochter von Genii Capital SA, eine Absichtserklärung hinsichtlich eines möglichen Erwerbs einer Mehrheitsbeteiligung an Lotus abgeschlossen. Dem Vernehmen nach will Renault 65% des Teams übernehmen.

"Die Unterschrift dieser Absichtserklärung bedeutet den ersten Schritt von Renault hinsichtlich des Projekts eines Renault-Formel-1-Teams ab der Saison 2016 und damit der Fortsetzung von 38 Jahren Engagement der Marke in der Königsklasse des Motorsports", heißt es in der Aussendung. Die Renault Group und Gravity werden in den kommenden Wochen daran arbeiten, die Absichtserklärung und eine definitive Übernahme umzuwandeln.

Finanzielle Lage entspannt sich

Renault steht vor der Rückkehr als Werksteam - Foto: Sutton
Renault steht vor der Rückkehr als WerksteamFoto: Sutton

Durch diese Nachrichten entspannt sich die wirtschaftliche Lage von Lotus schlagartig. Das Team steht beim britischen Staat mit hohen Steuerschulden in der Kreide und konnte sich zuletzt in Japan nicht einmal das Quartier für die Crew leisten. Angesichts der bevorstehenden Übernahme sollten sich die finanziellen Probleme weitestgehend in Wohlgefallen auflösen, da Renault seinen Teil dazu beitragen wird, die Ausstände zu begleichen. Das anhängige Gerichtsverfahren wurde um weitere zehn Wochen bis 7. Dezember aufgeschoben, in denen Lotus Zeit hat, seine Schulden in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro beim Fiskus zu begleichen.

Für Lotus bedeutet die bevorstehende Übernahme aber nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch sportlich sollte es als Werksteam wieder aufwärtsgehen. "Als Privatteam und so lange es keine Kostengrenze gibt, ist es das gleiche, was ich letztes und vorletztes Jahr gesagt habe: Man kann gute Jahre haben, wenn man einen Volltreffer mit der Entwicklung macht oder man kann normale Jahre für ein Privatteam haben, wenn man versucht, in Q3 zu kommen. Aber man ist auf keinen Fall ein Rennsieger oder in irgendwelcher Form ein Titelanwärter, das geht nicht", sagte Lotus-Chef Gerard Lopez kürzlich im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com.

Damit steht auch die erst in dieser Saison begonnene Motorenpartnerschaft mit Mercedes bereits wieder vor dem Aus. Mercedes wird anstatt dessen vermutlich Manor mit Power Units ausrüsten. Auf dem Fahrersektor ist der erst am vergangenen Wochenende bestätigte Pastor Maldonado gesetzt, Romain Grosjean steht hingegen unmittelbar vor einem Wechsel zum neuen Haas Team. Seinen Platz könnte Reserve-Pilot Esteban Ocon einnehmen, aber auch Jean-Eric Vergne gilt als Option.

Lange F1-Tradition

Zum ersten Mal startete Renault 1977 mit einem eigenen Team in der Formel 1. 1986 entschlossen sich die Franzosen dazu, nur mehr als Motorenlieferant zu fungieren, stiegen 2001 mit dem Kauf von Benetton aber erneut selbst in die Formel 1 ein, was im zweimaligen Gewinn der Weltmeisterschaft durch Fernando Alonso gipfelte. 2009 verkaufte Renault die Mehrheit des heute als Lotus bekannten Rennstalls wieder, blieb aber noch bis 2011 Namensgeber. Nun steht die abermalige Übernahme des in Enstone beheimateten Teams bevor.