Heute vor 20 Jahren starb der fünfmalige Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio. In den ganz frühen Jahren der Serie dominierte der Argentinier nach Belieben - ob auf Alfa Romeo, Maserati, Mercedes oder Ferrari. Fangio gehört aber nicht nur wegen seiner Titel zu den Legenden des Sports. Motorsport-Magazin.com blickt zum 20. Todestag auf Meilensteine seines Lebens und Wirkens zurück.

Zahlen einer großen Karriere

Die Siegquote Fangios ist bis heute unerreicht - Foto: Mercedes-Benz
Die Siegquote Fangios ist bis heute unerreichtFoto: Mercedes-Benz

Erst im - für heutige Verhältnisse - hohen Alter von 39 Jahren stieg Juan Manuel Fangio 1950 in die neue Formel 1 ein. Es folgte eine große Karriere. Fangio wurde insgesamt fünfmal Formel-1-Weltmeister. Damit liegt er heute noch allein auf Platz zwei der ewigen Bestenliste, nur Michael Schumacher überflügelte ihn bislang. Insgesamt bestritt Fangio nur 51 Rennen in seiner Karriere, aber 24 davon gewann er - eine Quote, die bis heute unerreicht ist. Zum Vergleich: Niki Lauda schaffte einen Sieg mehr, verbuchte jedoch auch 120 Rennstarts mehr als der Mann aus Buenos Aires. 35 Mal stand Fangio auf dem Podium, zudem gelangen ihm 29 Pole Positions. In 94% seiner Rennen startete Fangio aus der ersten Startreihe. Die Tatsache, dass er seine fünf Titel mit vier unterschiedlichen Teams errang, ist einmalig. 1951 gewann er den Titel mit Alfa Romeo, 1954 fuhr er teilweise im Maserati, aber auch im Mercedes, 1955 sorgte er für den bis 2014 letzten WM-Titel von Mercedes. 1956 trug er sich in die Geschichtsbücher von Ferrari ein und 1957 siegte er ausschließlich im Maserati. 1958 bestritt er seine letzte Saison in der Formel 1.

Sternstunde Nürburgring 1957

Nach einem Husarenritt gewann Fangio den Deutschland GP 1957 und damit auch den WM-Titel - Foto: Sutton
Nach einem Husarenritt gewann Fangio den Deutschland GP 1957 und damit auch den WM-TitelFoto: Sutton

Wohl kaum ein Rennen kann die fahrerischen Qualitäten des Argentiniers besser belegen als der Große Preis von Deutschland 1957. Fangio musste das Rennen auf der Nordschleife gewinnen, um sich seinen fünften WM-Titel sichern zu können. Durch einen verpatzten Boxenstopp fiel er jedoch scheinbar aussichtslos zurück. Doch anstatt frustriert aufzugeben, zeigte er in der "Grünen Hölle" das wohl beste Rennen seines Lebens. Runde für Runde brannte er wie im Rausch einen Rekord nach dem anderen in den Asphalt, kämpfte sich Position für Position nach vorne. Am Ende gelangen ihm tatsächlich der Sieg und der Titel. Sein Rundenrekord an diesem Tag lag bei 147 km/h, er unterbot die vorher gültige Zeit um mehr als 20 Sekunden. "Ich glaubte fest daran, dass ich an diesem Tag im Jahr 1957 den Nürburgring bezwingen konnte, dass ich diese Kurven meistern konnte wie niemals zuvor und dass ich die Courage besaß, bis an die Grenze zu gehen", erzählte Fangio in einem späteren Interview.

Schumacher beeindruckt von Fangio

Zwei absolute Legenden der Formel 1: Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher - Foto: Mercedes-Benz
Zwei absolute Legenden der Formel 1: Juan Manuel Fangio und Michael SchumacherFoto: Mercedes-Benz

Michael Schumacher löste Juan Manuel Fangio 2003 als Rekordweltmeister der Formel 1 ab. Zu diesem Zeitpunkt war der Argentinier jedoch schon acht Jahre tot. Dennoch blieb dem Deutschen in Treffen mit der Legende nicht verwehrt. Anfang der 90er Jahre, als Schumachers Karriere gerade erst in Schwung kam, begegneten sich die beiden bei einem DTM-Rennen am Norisring. "Schon damals fiel auf, wie jung er noch wirkte, dabei war er schon gut 80 Jahre alt, aber an seinen Bewegungen und seinem Blick konnte man noch sehen, was für ein großer Rennfahrer er war", sagte Schumacher vor knapp vier Jahren zum 100. Geburtstag des Argentiniers. Obwohl die Erfolge Fangios bereits vor längerer Zeit geschehen sind, hatten sie für den Kerpener immer eine große Bedeutung. "Es ist etwas Besonderes, die Bilder aus seiner Zeit zu sehen und sich an seine Erfolge zu erinnern. Die Rennfahrer aus Fangios Zeit waren alle sehr mutig, da sieht man erst, wie gut wir es heute haben mit unseren Autos und den hohen Sicherheitsstandards", sagte Schumacher damals.

Rekordverdächtiger Erlös bei Versteigerung für 1954er Wagen

Der Mercedes W196 mit Fangio am Steuer war fast unschlagbar - Foto: Mercedes-Benz
Der Mercedes W196 mit Fangio am Steuer war fast unschlagbarFoto: Mercedes-Benz

1954 trat Fangio für zwei Teams an: zwei Rennen bestritt er für Maserati und sechs für Mercedes. Für die Silberpfeile gewann er vier der sechs Rennen. Es waren die ersten Siege für das Mercedes-Werksteam nach dem Zweiten Weltkrieg. 2013 wurde der Mercedes W196, so die offizielle Bezeichnung des Autos, im Rahmen des Goodwood Festival of Speed für die Summe von 22.701.864 Euro verkauft. Damit gehörte der Wagen zu den teuersten, die jemals den Besitzer wechselten. "Ich habe in meinen bisherigen Berufsjahren einige der wertvollsten und begehrenswertesten Autos der Welt versteigert. Aber heute hat meine mehr als fünf Jahrzehnte andauernde Karriere einen neuen Höhepunkt erreicht", meinte der Geschäftsführer des Auktionshauses Bonhams, Robert Brooks, nach dem Verkauf.

Unwürdige Streitereien um Exhumierung

Wird Juan Manuel Fangio tatsächlich exhumiert? - Foto: Daimler
Wird Juan Manuel Fangio tatsächlich exhumiert?Foto: Daimler

In den vergangenen Wochen war der Name Fangio wieder Bestandteil der Schlagzeilen - jedoch aus einem eher unwürdigen Grund. Ein argentinischer Richter ordnete die Exhumierung der Leiche Fangios für den 7. August an. Zuvor hatte ein Mann namens Oscar Cesar Espinoza geklagt, er sei der Sohn des ehemaligen Weltmeisters und hatte entsprechend die Ausgrabung der Leiche beantragt, um die Behauptung durch eine DNA-Probe zu bestätigen. Espinozas Mutter war die langjährige Lebensgefährtin Fangios. Der Argentinier selbst sprach zeitlebens nie von leiblichen Kindern. Inzwischen wurde die Anordnung zur Exhumierung jedoch vorerst wieder zurückgenommen. Es hat sich ein zweiter Mann namens Ruben Vazquez gemeldet, der behauptet, Fangios Sohn zu sein. Bevor es eine Exhumierung im Falle Espinozas geben kann, soll erst eine Entscheidung getroffen werden, wie bei Herrn Vazquez vorzugehen ist.