Für die Ingenieure sind Testfahrten ein Fest. Für die Fahrer nur teilweise, denn manchmal kann das Programm ziemlich zermürbend sein. Bei den Testfahrten nach dem Österreich GP gab es interessante Neuerungen an den Boliden zu sehen und auch zu hören. Motorsport-Magazin.com hat die interessantesten Technik-Geschichten gesammelt.

Teams mit Traktionskontrolle unterwegs

Der Dienstag fiel fast komplett ins Wasser. Zwar wurde die Session bis 20:00 Uhr verlängert, die längste Zeit war die Strecke aber in keinem perfekten Zustand. Nur wenige Runden konnten auf Slicks absolviert werden. Weil die Teams wohl Angst davor hatten, dass die jungen Testfahrer die Boliden bei schwierigen Bedingungen beschädigen könnten, testeten sie am Dienstag mit speziellen Motorprogrammen.

Auf gut Deutsch: Mit Traktionskontrolle. "So viele Fehlzündungen habe ich schon lange nicht mehr gehört", sagte der Technische Delegierte der FIA Jo Bauer zu Motorsport-Magazin.com. Auch ohne Einsicht der Daten war gut zu hören, dass die Power Units nicht im normalen Modus unterwegs waren. Der Geräuschkulisse tat das übrigens nicht schlecht.

Williams mit illegalem Flügel

Der Flügel im Detail - Foto: Sutton
Der Flügel im DetailFoto: Sutton

Williams sorgte mit einem kleinen Zusatzflügel auf dem Unterboden für Aufsehen. Direkt vor den Hinterreifen ragten auf beiden Seiten drei kleine Stelzen heraus, die weiter oben zu Endplatten wurden. Zwischen den Endplatten: Zwei kleine Flügelchen.

Williams überraschte mit diesem Flügel - Foto: Sutton
Williams überraschte mit diesem FlügelFoto: Sutton

Durch die Platzierung direkt vor den Hinterreifen wird der Luftwiderstand deutlich reduziert, weil die Luft einen Weg um die Reifen macht. Außerdem generieren die Mini-Flügel ein wenig Abtrieb. Legal ist das allerdings nicht. Deshalb wurden die Elemente nur für die Testfahrten angebracht, um Messungen vornehmen zu können. Schon am Mittwoch waren die Flügelchen nicht mehr am FW37 zu sehen.

Warum dürfen die Teams überhaupt nicht reglementkonforme Teile oder Motormodi testen? Weil die Fahrzeuge bei den Testfahrten nur eine Auflage erfüllen müssen: Sie müssen sicher sein, der Rest ist der FIA egal. Alle sicherheitsrelevanten Teile müssen innerhalb des Reglements sein und die Crashtests bereits bestanden haben.

Force India mit Lochnase

Die neue Nase am Force India - Foto: Sutton
Die neue Nase am Force IndiaFoto: Sutton

Die einzige legale und spektakuläre Innovation zeigte Force India. Eigentlich sollte für den Österreich-Test ein komplettes Upgrade-Paket kommen - fast eine B-Version des VJM08. Allerdings wurden nicht alle Teile rechtzeitig fertig, so dass nur die neue Nase in Verbindung mit einem neuen Flügel zum Einsatz kam.

Spektakulärer ist zwar die Nase selbst, doch für die Ingenieure ist der Frontflügel die größte Neuerung. Force India verfolgt hier nun eine komplett neue Philosophie. Die vertikalen Finnen, die darauf abzielten, die Luft außen um die Vorderreifen zu lenken, gibt es nicht mehr. Stattdessen sind die Kaskadenflügel recht dezent. Dafür ist der Hauptflügel deutlich zerklüfteter. Statt aus vier, besteht er nun aus fünf Elementen.

Im Vergleich: Die alte Nase - Foto: Sutton
Im Vergleich: Die alte NaseFoto: Sutton

Während derlei Flügelkonzepte auch bei anderen Teams gefahren werden, ist die Nase derzeit einzigartig. Zwei längliche Löcher auf Höhe der Verbindungspylonen leiten Luft von der Oberseite der Nase an die Unterseite. Die Löcher wirken fast wie ein Tragegriff.

Um den Crashtest trotzdem zu bestehen, fällt die Nasenspitze etwas voluminöser aus. Wie stark verändert die gesamte Nase werden musste, lässt sich gut an der Neusortierung der Sponsoren erkennen. Auch die Kameras sind etwas nach oben gewandert. Insgesamt sollte der Handel voluminösere Front gegen zwei Löcher trotzdem ein positives Geschäft für Force India sein.

Für entsprechende Tests wurden vor den Vorderrädern die üblichen Gitter mit Pitot-Rohren angebracht. Dazu wurden back-to-back-Tests mit der neuen und der alten Variante gefahren.

Was sonst noch auffiel

Mercedes testete einmal mehr extrem viele Starts. Sowohl Pascal Wehrlein, als auch Nico Rosberg waren Stammgäste am Boxenausgang. Rosberg testete am Mittwoch außerdem einige mechanische Komponenten, darunter unterschiedliche Achs-Geometrien.

Die Teams fuhren wieder große Geschüze auf - Foto: Sutton
Die Teams fuhren wieder große Geschüze aufFoto: Sutton

McLaren musste am Dienstag aufgrund des Unfalls am Sonntag auf die neue Nase verzichten. Deshalb wurde das Testprogramm geändert. Statt wie geplant am Dienstag zu fahren, testete Alonso am Mittwoch. Am zweiten Testtag war wieder eine neue Nase einsatzbereit.

Sonst gab es die üblichen Auswüchse an Messgeräten. Red Bull hatte die größten Gitter vor der Vorderachse angebracht, Lotus zeigte eigenartig anmutende Messinstrumente hinter dem Monkey Seat. In irgendeiner Form hatte jedes Team Messgeräte am Fahrzeug.