Der Kanada GP war sicher kein absoluter Kracher. Dennoch hatte das Rennen etwas zu bieten - nur eben an der Spitze nicht besonders viel. Trotzdem fanden viele Zuschauer das den GP langweilig. Auch der ehemalige Formel-1-Pilot und heutige TV-Kommentator Martin Brundle.

Doch statt auf das technische Reglement der Formel 1 zu schimpfen, hat sich Brundle das Problem genauer angesehen. "Ich habe nach dem Rennen mit vielen Fans gesprochen, die sich das Rennen an der Strecke angesehen haben - und sie waren begeistert", so Brundle in seinem Sky-Blog.

Brundle ist heute TV-Kommentator - Foto: Sutton
Brundle ist heute TV-KommentatorFoto: Sutton

Brundles - auch selbstkritische - Schlussfolgerung: "Wir bekommen diese Energie nicht gut genug über den Fernseher transportiert." Das Hauptproblem sieht er dabei beim Boxenfunk, der immer wieder übertragen wird. "Wir verwässern das Ganze mit diesen endlos vorsichtigen Nachrichten am Funk", so Brundle.

Was Brundle meint: Die meisten Nachrichten, die der TV-Zuseher mitbekommt, beziehen sich darauf, die Technik zu schonen. "Wenn die Fahrer nicht gerade die Bremsen schonen müssen, dann müssen sie Benzin oder Reifen sparen", erklärt Brundle. Das Problem daran: "In den 80er und 90er Jahren, als ich gefahren bin, haben wir das auch alles gemacht - sogar noch viel mehr. Wir mussten auch noch nach der Kupplung, dem Getriebe, Antriebsstrang, Aufhängung und viel schauen."

10 Kilo kosten 20 Sekunden

Auch Benzin mussten die Piloten schon immer sparen. Aus einem einfachen Grund: "Wenn man 10 Kilogramm mehr Benzin über das gesamte Rennen hin mitnimmt, kostet das ungefähr 20 Sekunden." Deshalb fahren auch heute nicht alle mit den maximal erlaubten 100 Kilogramm los. Und früher schon wurde bei der Benzinmenge auf Safety-Cars spekuliert. Wenn die nicht kamen, musste der Fahrer eben Benzin sparen.

Gleiches gilt für die Bremsen und jedes andere technische Element. "Größere Bremsen und Kühleinlässe kosten entweder Extra-Gewicht oder Luftwiderstand", erklärt Brundle. Beides wollen die Ingenieure natürlich nicht. "Das hat sich aber über die Jahre auch nicht geändert."

"Was hat sich aber an der Wahrnehmung geändert seit dieser - wie viele Fans meinen - besten Äre der Formel 1?", fragt sich der Brite zurecht. Seine Antwort: die Telemetrie. Heute bekommen die Ingenieure an der Boxenmauer, in den Streckenbüros und sogar zu Hause in der Fabrik endlos viele Daten in Echtzeit übertragen.

Statt überraschender Ausfälle gibt es meist schon zuvor Hinweise auf einen sich ankündigenden technischen Defekt. Entweder werden die Autos in die Garage geholt, oder die Fahrer bekommen bestimmte Anweisungen, um die Technik haltbarer zu machen. "Damals haben die Fahrer es einfach versucht hinzubekommen und haben dann nur noch gehofft", blickt Brundle zurück.

Boxenfunk ist Spannungskiller

Der Boxenfunk ist laut Brundle Spannungskiller Nummer eins - Foto: Sutton
Der Boxenfunk ist laut Brundle Spannungskiller Nummer einsFoto: Sutton

Brundle weiter: "Die Zuverlässigkeit war schon um 2000 herum schockierend, aber entscheidend war, dass dieses Haushalten und Babysitten nicht in diesem großen Stile mit dem Teamradio an die TV-Zuschauer übertragen wurde. Dieser Aspekt hat die Wahrnehmung von dem, was passiert, wirklich verändert."

Eigentlich sollten die meisten Funknachrichten ohnehin verboten werden. Eine entsprechende Direktive ging vor dem Singapur GP des letzten Jahres an die Teams. Allerdings wurde wegen Proteste einiger Teams die Regel gelockert. Allerdings ist die Grenze, was erlaubt ist und was nicht, schwammig. Technische Hinweise sind noch erlaubt, sogenanntes Driver-Coaching nicht mehr.

Brundle sieht einen Faktor, der das Problem verstärkt: "Gleichzeitig verlangen wir heute alle mehr Unterhaltung: Es gibt im TV so viel mehr Auswahl oder man kann sich im Internet amüsieren und unterhalten. Die Medienwelt hat sich geändert und deshalb sollte sich auch die Formel 1 ändern." Allerdings ist der Regelgebungsprozess in der Formel 1 alles andere als unkompliziert. Wo das eine Problem aufhören würde, fängt das nächste Problem an", meint Brundle.