Mitte Mai loderte etwas Hoffnung auf für die Nostalgiker unter den Formel-1-Fans. Die Strategy Group präsentierte nach einem Meeting ihre Ergebnisse. Besonders die vorgeschlagene Rückkehr des Nachtankens kam bei den Fans der alten F1 sehr gut an.

Dass es letztlich nur bei einem Vorschlag bleiben sollte, wurde im Rahmen des Kanada Grand Prix klar. Nach einem Treffen sprachen sich die Teams gegen die Wiedereinführung des Nachtankens aus. Sie bezweifeln nämlich, dass dadurch die Spannung in den Rennen steigen würde. Und Einiges kosten würde es ebenfalls.

Marchionne: Nachtanken in Kombination mit freier Wahl der Reifenmischungen bringt Spannung - Foto: Sutton
Marchionne: Nachtanken in Kombination mit freier Wahl der Reifenmischungen bringt SpannungFoto: Sutton

Über das Ergebnis wenig erfreut ist Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Er war einer derjenigen Vertreter in der Strategy Group, die sich sehr für das Nachtanken ausgesprochen haben. "Falls es so ist, dass das Nachtanken kein zusätzliches Spektakel wird, welches die Fans sehen wollen, dann sollten wir tatsächlich davon absehen", gibt sich Marchionne diplomatisch.

Der Ferrari-Boss sieht im Nachtanken allein keinen Spannungszuwachs. "Die Kombination aus Nachtanken, Reifenwechsel und einer Menge anderer möglicher Änderungen während eines Stopps könnte dem Sport allerdings schon etwas bringen", sagte er. "Als einzelnes Element mag es vielleicht nicht die Antwort sein, aber kombiniert mit anderen Dingen, vielleicht. Deshalb bin ich diesbezüglich offen."

Hinter dem Vorschlag Marchionnes steckt aber auch noch etwas mehr. Der Italiener spielt nämlich darauf an, dass mit dem Nachtanken auch Reifenhersteller Pirelli in Zugzwang kommen könnte. "Tankfüllung, die Anzahl der Tankstopps, wann man zum Tanken in die Box kommt - das sind alles wichtige Faktoren", so Marchionne. "Wenn die Teams dann noch die Möglichkeit haben, über die Reifenmischungen selbst zu entscheiden, so denke ich, dass das auch im Sinne von Pirelli ist, mit zusätzlicher Flexibilität in der Strategie zu höherem Interesse in den Sport beizutragen."

Team-Veto nicht in Stein gemeißelt

Ein Veto gegen das Nachtanken legten hingegen die Teamingenieure ein. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ging in einem Gespräch mit kanadischen Medien darauf genauer ein: "Das wurde in der Strategy Group so kommuniziert, dass die Ingenieure die Möglichkeit bekommen, sich zu dem Thema zu äußern. Wir wollten dabei von ihnen wissen, ob es eine kluge Idee wäre, ob die Umsetzung teuer würde und ob das Nachtanken letztlich die Performance steigern könnte oder die Stopps dadurch insgesamt gefährlicher werden würden."

Die Reaktion der Teamingenieure sei einstimmig gewesen. "Sie sagten, dass die Idee keine gute sei. Es würde schlicht zu viel kosten und die Gefahr bei den Stopps würde dadurch steigen", sagte Wolff. Zudem käme eine weitere logistische Herausforderung hinzu. "Die Rennen würden dadurch langweiliger werden, weil jedes Team die gleiche Strategie fahren würde", fügte der Österreicher hinzu.

Das Veto der Teams sei allerdings noch nicht in Stein gemeißelt. Denn die Möglichkeit, die Wiedereinführung des Nachtankens abzulehnen, sei lediglich eine Option gewesen, die in den Meetings diskutiert worden ist. "Wir werden sehen, wie die Strategy Group entscheidet", so Marchionne.

Konkurrenzfähigkeit zufriedenstellend

Erfreulich für die Scuderia ist trotz all der Diskussionen um Regeländerungen ihre Konkurrenzfähigkeit in der laufenden Saison. Nach einem radikalen Schnitt im Winter 2014/2015 wurden tragende Figuren in Maranello ausgetauscht. So ersetzte beispielsweise Sergio Marchionne Luca di Montezemolo als Ferrari-Präsident. Der Ex-Boss unterstellte dem Team, dass die Konkurrenzfähigkeit auf Entwicklungen basiere, die bereits früh im Jahr 2014 angestoßen wurden.

Dem widerspricht der Neo-Präsident vehement: "Die Wahrheit ist, dass das neue Auto im Oktober noch lange nicht fertig war. Seit da an wurde hervorragende Arbeit geleistet. Jeder Fortschritt, der gemacht wurde und die Verbesserungen in jedem Rennen haben fast schon etwas Übernatürliches.

Mercedes-Rückstand wegen Regeln

Der Fortschritt bei Ferrari sei sogar noch größer im Vergleich zu jenem bei Mercedes. Die Gründe für den Rückstand sieht Marchionne wo anders. "Die Einschränkungen im Regelwerk bremsen uns aus", sagte der Präsident. "Wir versuchen, die Dinge zu vereinfachen. Die Formel 1 ist ein Sport, der sich entwickeln muss. Denn das Wichtigste ist, dass wir mehr Zuschauer bekommen." Die momentanen Regeln seien zu kompliziert, sogar für diejenigen, die direkt in die Königsklasse involviert sind.

Eine Mitschuld sieht Marchionne auch bei der Scuderia. "Unglücklicherweise haben wir ein Schloss aus komplexen Regeln gebaut, um die vorherrschende Dominanz zu festigen. Und sogar Ferrari ist dabei nicht frei von Schuld", sagte er.