Die Strategiegruppe der Formel 1 machte nicht nur den Weg frei für eine Wiedereinführung des Nachtankens oder für aerodynamische Veränderungen. Auch das Thema Kundenautos soll besprochen worden sein. Auch wenn keine offizielle Stellungnahme dazu getätigt wurde, sind erste Reaktionen darauf bereits angekommen. Monisha Kaltenborn ist ganz offensichtlich keine Befürworterin von Kundenautos. Die Sauber-Teamchefin kritisierte diese mögliche Neuerung scharf.

"Ich würde gerne wissen - und viele andere Leute würden gerne wissen - wie sie sich das denken, dass es funktionieren würde und für wen das gut ist", fragte Kaltenborn gegenüber Autosport. "Wenn es darum geht, die Show zu verbessern - und jetzt beschweren sich ja bereits Leute, dass wir Autos haben, die langsamer als die GP2 sind: Wie wird dieses A/B-System funktionieren? Die Show wird nicht besser, wenn die Autos noch weiter auseinander liegen. Und wir beklagen uns bereits jetzt darüber, dass genau das passiert", kann sich die Österreicherin ein solches Szenario überhaupt nicht vorstellen.

Einmal in Rage geredet, sprudelt es nur so aus Kaltenborn heraus. Auch den finanziellen Aspekt mit den Sponsoren kann sie sich überhaupt nicht vorstellen. "Hat man dann A- und B-Sponsoren? Haben sie unterschiedliche Rechte?", wirft sie weitere Fragen in den Raum. Sie hält es für nicht machbar, Geldgeber zu finden. "Einen Sponsor zu finden, dem man sagt 'Wenn Sie hier einsteigen, werden Sie zu einem Team gehören, dass nie auf dem Podium steht' wird nicht funktionieren", erklärt sie.

Sauber wird auch in Zukunft Konstrukteur bleiben - Foto: Sutton
Sauber wird auch in Zukunft Konstrukteur bleibenFoto: Sutton

Zur Erklärung der Problematik beruft sie sich auf ein Zitat von Robert Fernley von Force India. "Force India hat es gut auf den Punkt gebracht - man hat Leute, die kämpfen miteinander, und Leute, die einfach teilnehmen", so Kaltenborn. Für sie wäre es auch eine Entscheidung ohne Wiederkehr. "Das schlimmste wäre: Wenn man irgendwann merkt, dass es nicht funktioniert, kann man nicht zurückgehen, weil man die Möglichkeiten verloren hat, ein Konstrukteur zu sein", so Kaltenborn.

Klar ist: die kleinen Teams würden vermutlich viel Personal entlassen, Gerätschaften verkaufen und so weiter, da sie schlicht nicht mehr benötigt werden würden. Für Sauber käme das allerdings nicht infrage. "Sauber wird nie ein Kundenteam sein. Das ist unser Geschäft und wir würden einen Weg finden", stellt sie klar, dass Sauber auch in Zukunft die Autos selbst entwickeln und bauen wird.

Auch die Wiederkehr des Nachtankens sieht die Sauber-Chefin kritisch. "Es ist noch nicht so lange her, da haben wir das Nachtanken aus Kostengründen und wegen Sicherheitsbedenken abgeschafft", erinnert sich Kaltenborn. Die offiziellen Aussagen der FIA nach dem Meeting der Strategy Group, in denen das Streben nach Kosteneinsparungen ausdrücklich als Ziel formuliert ist, verwundern Kaltenborn daher.

Doch auch ein weiterer Punkt stößt ihr sauer auf. "Ich verstehe, dass unser Verband, zusammen mit den Formel-1-Teams, Straßensicherheit verbreitet. Daher könnte auch das ein Widerspruch sein, denn Nachtanken ist definitiv etwas, das das Risiko erhöht", so Kaltenborn. Auch eine bessere Show erwartet sie nicht, da nicht zwingend mehr Boxenstopps abgehalten werden müssten.