Mit 79 Grand-Prix-Starts zählt Sergio Perez mittlerweile zu den Routiniers im Formel-1-Zirkus. Seine ersten Erfahrungen im Monocoque machte der Mexikaner vor zehn Jahren in der Formel BMW. Damals fuhr Perez für das Team von Peter Mücke, einem der Nachwuchsförderer im Motorsport schlechthin. An die gemeinsame Zeit hat der Teamchef sowohl gute als auch schlechte Erinnerungen.

"Sergio hat damals schon gezeigt, dass er Talent hat. Das ist unstrittig. Nur die Herangehensweise war völlig unprofessionell", sagte Mücke gegenüber spox.com. "Ich habe selten so einen Schlamper gehabt wie ihn. Er hat mir besoffen mein Leihauto geschrottet, als er von einer Party kam. Seine Wohnung in Berlin sah aus wie ein Schlachtfeld."

Perez hat sein Motorsport-Engagement zu einem Gutteil Sponsoren aus seiner Heimat zu verdanken, was sich laut Mücke äußerst negativ auf sein Verhalten ausgewirkt habe. "Sergio brauchte über nichts nachdenken. Er wusste, dass es sowieso weitergeht. Das war der Schlüssel. Er wäre nie oben angekommen, wenn er nicht im Hintergrund das Geld gehabt hätte", erinnerte sich der 68-Jährige. "Nur mit seinem Talent wäre er schon nach dem BMW-Jahr raus gewesen."

Perez: Mücke lügt

Motorsport-Magazin.com konfrontierte Perez am Rande des Monaco GP mit den Aussagen seines ehemaligen Teamchefs, woraufhin sich der Mexikaner ausgesprochen verwundert zeigte. "Ich war bei Mücke, als ich 15 war. Komisch, dass er das jetzt sagt. Ich habe nicht getrunken und bin nicht Auto gefahren. Ich gerade mal 15 - eigenartig", schüttelte er verständnislos den Kopf.

Warum Peter Mücke die delikaten Aussagen tätigte, kann Perez nicht nachvollziehen. "Wenn man 15 ist, macht man schon mal verrückte Dinge, aber das ändert nichts daran, dass das eine Lüge ist", stellte er klar. "Ich bin niemals betrunken gefahren. Sowas hab ich mein ganzes Leben nicht gemacht."

Perez feierte in der Formel BMW erste Erfolge - Foto: Sutton
Perez feierte in der Formel BMW erste ErfolgeFoto: Sutton

Vorbild Vettel

Das absolute Gegenteil von Perez sei laut Mücke Sebastian Vettel gewesen, den er ebenfalls unter seinen Fittichen hatte. "Wenn es um 8 Uhr für das Team losgeht, kommen manche Fahrer um 8.05 Uhr und reiben sich den Schlaf aus den Augen. Das gab's bei Seb nie. Er ist um 6 Uhr aufgestanden, eine halbe Stunde gejoggt und hat Kreislauf und Kopf in Gang gesetzt", lobte Mücke seinen ehemaligen Schützling und mittlerweile vierfachen Weltmeister. "Dann stand er vor der Tür. Das musste ich ihm nicht sagen, das hat er von sich aus gemacht. Und das macht den Unterschied aus."

Für Nachwuchskenner Mücke steht deshalb fest, was einen erfolgreichen Piloten ausmacht: "Es ist das Paket. Talent ist eine Voraussetzung, die man schnell sieht: Ein Fahrer mit Talent hat immer drei bis vier Zehntel auf Tasche, ist in jeder Kategorie immer ein kleines bisschen besser. Es hat sehr viel mit dem Typen, seinem Charakter und seinem Herangehen zu tun. Unter 50 Fahrern gibt es einen richtigen Racer. Der geht mental anders heran, ist in der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ganz anders aufgestellt als der Rest."