Wie wichtig war der Sieg für Nico heute?
Jacques Villeneuve: Psychologisch wichtig. Er hat dieses Jahr gezeigt, dass er schnell ist, aber es ist einfach nicht gut gelaufen. Daher war es psychologisch wichtig, vor allem weil sich Lewis souverän fühlte. Und man kann sehen, wie es Lewis weh tut. Psychologisch gesehen war es ein wichtiger Kampf, auch für das Team. Denn jetzt können sie sich entspannen, weil sie wissen, dass sie immer noch zwei Fahrer haben, die kämpfen können, und das ist immer sehr wichtig.

Gab es für Lewis Hamilton eine Möglichkeit, nur zwei Mal zu stoppen und damit vor Rosberg zu bleiben?
Jacques Villeneuve: Nein, denn seine Reifen hätten den Geist aufgegeben. Das hätte einen Kampf zwischen den beiden Fahrern gegeben, der nicht gewollt oder nicht nötig gewesen wäre, und das hätte zum Beispiel Vettel eine Tür öffnen können. Der Schlüssel für das Team war, auf dem ersten und zweiten Platz anzukommen, und nicht Erster und Dritter zu werden.

Hätte Vettel Hamilton bei der Strategie covern sollen?
Jacques Villeneuve: Nein, der erste Boxenstopp hat nur funktioniert, weil Lewis einen schlechten Boxenstopp hatte und im Verkehr rauskam. Da dachte Ferrari: Ok, wir können stoppen und immer noch vor ihm rauskommen. Beim zweiten Mal war Lewis' Boxenstopp perfekt. Eine Runde später und es hätte nicht funktioniert.

Hast du das Rennen genossen? Es gab ja nicht so viel Action auf der Strecke...
Jacques Villeneuve: Es war ein gutes Rennen, es war ein Genuss, aber zerstört vom DRS. DRS ist lächerlich! Dadurch haben wir kein gutes Racing mehr. Sie überholen nicht, sie tauschen nur die Positionen. Das zum einen und dann die Tatsache, dass die Autos nicht nah beieinander bleiben können. So wie die Reifen sind, gehen sie dann einfach kaputt. Es ist zu viel. Das war etwas ärgerlich. Das Einzige, was ich anders gemacht hätte, wäre Verstappen eine Strafe zu geben. Das ist alles.

Jacques Villeneuve vergleicht Max Verstappen mit Sergio Perez - Foto: Sutton
Jacques Villeneuve vergleicht Max Verstappen mit Sergio PerezFoto: Sutton

Wofür?
Jacques Villeneuve: Dafür, dass er sich die Gerade heruntergeschlängelt hat. Er macht das, was Perez früher gemacht hat. Bei Perez haben sie bis zum Unfall gewartet, ehe sie ihm eine Strafe gegeben haben. Man muss die Strafen aber vor dem gefährlichen Unfall geben. Wir hatten einfach Glück, dass Maldonado nach außen gefahren ist, sonst wäre er in die Luft geflogen. Man muss Strafen früh genug in einer Fahrerkarriere geben, damit sie diese dummen Dinge nicht mehr machen. Es ist falsch. Das Problem ist, dass man in der GP3 und GP2 dumme Dinge sieht und die nie bestraft werden. Sie kommen dann in die Formel 1 und denken, dass es ein Videospiel ist. Man muss ihnen auf die Finger klopfen wie in der Schule, früh in der Karriere, damit sie wissen, dass man das nicht macht. Man kämpft anständig!

Hast du die Kämpfe zwischen den Red Bulls und Toro Rossos genossen?
Jacques Villeneuve: Nun ja, sie sind zwei verschiedene Teams, aber ich denke, Kvyat wird da einen Klaps bekommen. Ich denke nicht, dass die Leute damit glücklich sein werden. Kämpfen ist die eine Sache, aber die Räder blockieren und in den anderen Fahrer reinfahren - das wollen sie nicht sehen.

Kommen wir noch einmal zum DRS zurück...
Jacques Villeneuve: Es hat die GP2 nicht besser gemacht, oder? Es ist nicht Teil der Formel 1, es ist künstlich. Man will das nicht, es ist nicht nötig. Denn wenn ein Fahrer einen schlechten Boxenstopp hat, dann kommt er mit dem DRS sofort wieder zurück. Man fährt sein eigenes Rennen und nicht mehr mit dem ganzen Feld. Es hat ehrlich gesagt nichts reingebracht, es hat den Rennsport nicht besser gemacht. Es bedeutet, dass die Fahrer häufiger die Position wechseln. Auf dem Papier sieht es so aus, als würden sie mehr überholen. Aber man sieht keine guten Überholmanöver mehr, denn man braucht kein gutes Überholmanöver mehr. Man geht nicht das Risiko ein, man wartet auf die DRS-Zone.

Also bessere Reifen, kein DRS und die Formel 1 ist wieder gut?
Jacques Villeneuve: Ja, und mehr Renn-Motoren.