Giedo van der Garde mag sich mit Sauber nach der unrühmlichen Australien-Saga geeinigt haben, doch der Imageschaden vor allem für das Team von Monisha Kaltenborn besteht weiter. Und das Kreuzfeuer hat noch nicht aufgehört: In einer Talkrunde des österreichischen Senders Servus TV legten Giedo van der Garde und Colin Kolles ihre Version der Geschichte dar. Kaltenborn selbst hatte sich selbst eher als Opfer denn als Täter gesehen, die drei Beteiligten sehen das etwas anders. Während sich van der Garde selbst zurückhielt, übte Kolles deutliche Kritik. Einen scharfen Angriff gab es von DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck.

Der zweifache Le-Mans-Sieger und DTM-Meister von 1990 ging mit dem Verhalten der indo-österreichischen Juristin knallhart ins Gericht und polterte: "Ich kann das Verhalten von Monisha Kaltenborn nicht verstehen, wie kann man so eine Sch***e machen? Ich kann nicht zwei Fahrer verpflichten, wenn ich schon einen habe; ich bin froh, dass sie den Rechtsstreit verloren hat. Das ist einfach eine Sauerei."

Auch Bianchi und Gutierrez hatten Verträge

Colin Kolles, der bereits bei HRT und Caterham Erfahrungen mit in die Pleite rutschenden Teams gemacht hat, spricht von einem kalkulierten Manöver Kaltenborns: "Es gab nicht nur drei Verträge, es gab sechs Verträge mit Rennfahrern. Das war kalkuliert von den Herrschaften - das Team hat Geld gebraucht und Fahrerplätze verkauft. Die Herrschaften können gerne gegen mich Vorgehen mit ihren Anwälten, es ist aber die Wahrheit." Auch ließ er durchblicken, dass sich Adrian Sutil mit Sauber ebenfalls vor Gericht trifft.

Tragisch: Jules Bianchi hätte eigentlich 2015 Sauber fahren sollen - wie viele andere auch - Foto: Sutton
Tragisch: Jules Bianchi hätte eigentlich 2015 Sauber fahren sollen - wie viele andere auchFoto: Sutton

Kolles Angaben zufolge hatte Sauber in Suzuka auch einen Vertrag mit Jules Bianchi geschlossen, kurz bevor dieser seinen verhängnisvollen Unfall im Regenrennen hatte: "Der Kontrakt wurde am Sonntagmittag unterzeichnet", so der 47-Jährige, der hinzufügte, dass dieser Vertrag auch die Schuldensituation bei Sauber deutlich gemindert hätte. Darüber hinaus hätte auch Esteban Gutierrez einen gültigen Vertrag gehabt. Diesen konnte man aber elegant zu Ferrari abschieben und so einige Schulden bei den Italienern begleichen.

Van der Garde vom Verhalten des Teams enttäuscht

Giedo van der Garde selbst hielt sich diplomatisch zurück: "Die Formel 1 ist für mich zu 100 Prozent vorbei. Dadurch ergeben sich aber neue Möglichkeiten, zum Beispiel die DTM oder die 24 Stunden von Le Mans." Er sei in der Gerichtsverhandlung nicht aufs Ganze gegangen, hätte aber die Möglichkeit gehabt, Kaltenborn in Melbourne ins Gefängnis zu bringen. "Ich wollte nicht, dass Frau Kaltenborn ins Gefängnis muss oder das Team keine Rennen mehr fahren kann, ich wollte nur meinen Namen nicht in den Dreck ziehen lassen", bemühte er sich um glatte Wogen.

Giedo van der Garde provozierte in Australien mit einer demonstrativen Aktion - Foto: Sutton
Giedo van der Garde provozierte in Australien mit einer demonstrativen AktionFoto: Sutton

Dass van der Garde letztlich einen Ausgleich suchte, habe vor allem am Verhalten des Teams gelegen, erklärte er weiter. Der Niederländer hatte sich nach dem Urteil am Trainingsfreitag, als Sauber das erste freie Training auslassen musste, demonstrativ einen Overall von Marcus Ericsson geschnappt, war in die Sauber-Hospitality gelaufen und ließ sich in der Garage blicken. Mehrere Mechaniker verließen diese in dem Moment. "Das Arbeitsverhältnis mit meinem Team war nach dem Gerichtsurteil sehr schlecht. Mir wurden nur noch Steine in dem Weg gelegt, das Team hat mich teilweise ignoriert und nicht unterstützt. Ich wollte gerne weiterfahren, unter diesen Umständen war das aber nicht mehr möglich."

Zwar sieht er seine Zukunft ganz klar in Fahrzeugen mit Dach, doch für die Saison 2014 sei es einfach zu spät gewesen. Sauber hat van der Garde somit mehr oder weniger eine volle Rennsaison gekostet. Einzig die 24 Stunden von Le Mans bieten noch eine Möglichkeit, dort sind einzelne Cockpits noch zu haben.

Timeline: Saubers Fahrer-Chaos

Datum Ereignis
21.01.2014Giedo van der Garde wird als Test- und Ersatzfahrer bei Sauber bekannt gegeben
14.02.2014Sauber stellt Simona de Silvestro als 'affiliated driver' vor
13.03.2014Sauber präsentiert das Modehaus McGregor als neuen Sponsor
18.03.2014Monisha Kaltenborn sagt, dass Sergey Sirotkin so bald wie möglich fahren soll
16.04.2014Simona de Silvestro absolviert zwei Testtage im 2012er-Sauber
28.06.2014Sauber sichert Giedo van der Garde vertraglich ein Stammcockpit für 2015 zu
10.10.2014Sergey Sirotkin fährt beim Großen Preis von Russland den Sauber im 1. freien Training
01.11.2014Sauber verkündet Marcus Ericsson als Stammfahrer für 2015
06.11.2014Sauber verkündet Felipe Nasr als Stammfahrer für 2015
06.11.2014Adrian Sutil klagt über Ungereimtheiten bei der Fahrersituation bei Sauber
07.11.2014Monisha Kaltenborn lässt durchblicken, dass es für Sirotkin keine Perspektive mehr gibt
19.11.2014Simona de Silvestro trennt sich von ihrem Manager und von Sauber
10.02.2015Um sich fit zu halten, testet Giedo van der Garde einen GP2-Boliden in Valencia
17.02.2015Sergey Sirotkin geht in die GP2 und löst die Verbindung mit Sauber auf
Feb. 2015Van der Garde verklagt Sauber vor einem schweizerischen Gericht und bekommt Recht
05.03.2015Van der Garde verklagt Sauber vor dem obersten Gerichtshof in Victoria
11.03.2015In erster Instanz setzt sich van der Garde durch. Sauber geht in Berufung
12.03.2015Sauber scheitert mit der Berufung, van der Garde erhält endgültig Recht
13.03.2015Beide Sauber bleiben im 1. Training stehen, van der Garde absolviert ein Seatfitting
13.03.2015Van der Garde strebt Zwangsvollstreckung an und droht Kaltenborn mit Gefängnis
13.03.2015Die Entscheidung wird auf Samstag vertagt. Angeblich wird eine Einigung angestrebt
14.03.2015Giedo van der Garde verzichtet freiwillig auf sein Cockpit in Australien
17.03.2015Van der Garde löst den Vertrag mit Sauber gegen eine hohe Abfindung auf