Es war die Szene der Formel-1-Saison 2002: Rubens Barrichello lag beim Großen Preis von Österreich bis wenige Meter vor der Ziellinie in Führung, musste auf Kommando von Ferrari-Teamchef Jean Todt dann jedoch abbremsen, um Michael Schumacher vorbeizulassen.

Selten wurde deutlicher, wie es um die Hierarchie innerhalb eines Teams bestellt ist. Schumacher, der sich sieben Mal zum Weltmeister krönte, fünf Mal davon mit Ferrari, war die unumstrittene Nummer eins, während Barrichello als devoter Wasserträger zu fungieren hatte.

Auch knapp 13 Jahre nach diesem denkwürdigen Vorfall am damaligen A1-Ring in Spielberg scheint Barrichello nicht darüber hinweggekommen zu sein, dass Schumacher bei der Scuderia einen höheren Stellenwert als er genoss. "Einer von Schumachers sieben Weltmeistertiteln sollte meiner sein", erklärte er gegenüber dem brasilianischen TV-Sender Bandeirantes.

"Ich wollte ihn nicht vorbeilassen, habe aber Informationen von Ferrari erhalten, die mich umdenken ließen. Deshalb habe ich den Fuß vom Gas genommen", erinnerte sich der heute 42-Jährige an den legendären Funkspruch von Jean Todt, der lautetet: "Rubens, let Michael pass for the Championship."

Österreich GP 2002: Todts Funkspruch an Barrichello: (00:23 Min.)

Der Brasilianer folgte der Aufforderung vom roten Kommandostand schlussendlich zähneknirschend und sorgte dafür, dass es bei der Siegerehrung ein gellendes Pfeifkonzert von den Rängen gab, da sich die Zuschauer betrogen fühlten. Schumacher gewann in diesem Jahr überlegen den Titel und stand bei jedem Rennen auf dem Podium, während Barrichello immerhin die Vizemeisterschaft errang, wenn auch mit gehörigem Rückstand.

Erfolge in der Heimat

Nicht zuletzt wegen der denkwürdigen Aktion in Spielberg wurde Barrichello in seiner Heimat oftmals als zu langsam kritisiert, was ihm laut eigener Auskunft allerdings nichts ausmachte. "Es ist mir egal", meinte er schulterzuckend, "aber wenn über meine Familie gesprochen wird, dann stört mich das."

Heute fährt Barrichello, der mit 323 Grand-Prix-Starts mehr F1-Rennen als jeder andere bestritt, als regierender Champion überaus erfolgreich in der brasilianischen Stockcar-Meisterschaft. "Ich mache, was mir gefällt", hielt er fest, "und freue mich, Brasilien zu zeigen, dass ich ein guter Fahrer bin."