Es war einer der Aufreger des ersten Rennwochenendes in Melbourne. Red Bull strauchelte mit seiner Power Unit und während Daniil Kvyat das Rennen nach einem Getriebeschaden nicht einmal in Angriff nehmen konnte, wurde Daniel Ricciardo von Mercedes sogar überrundet. Ein Zustand, den sich Teamchef Christian Horner nicht länger bieten lassen will. Er forderte von der FIA Maßnahmen, die es den unterlegenen Teams erlauben würden, an ihren Power Units nachzubessern, um künftig wieder einen Stich gegen die Silberpfeile setzen zu können.

Dies brachte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schier zur Weißglut, aber auch andere schlagen sich auf die Seite des Weltmeisterteams - beispielsweise McLaren-Honda-Pilot Jenson Button. Der Brite lag mit seiner neuen Power Unit im Heck aussichtslos am Ende des Feldes, dennoch sieht er Mercedes im Recht und kann den Angriff von Red Bull nicht nachvollziehen.

"Da gibt es nichts zu stoppen", so der Weltmeister von 2009. "Denn es sieht so aus, als würde Mercedes nichts anderes als die anderen Teams machen." Horner hatte bei seiner Kritik an den Regeln eingeworfen, dass Red Bull in der Dominanz-Phase stetig Steine in den Weg gelegt wurden. Als Beispiele nannte der Brite das Verbot der Doppeldiffusoren oder beweglicher Teile sowie versetzte Auspuffe.

Jenson Button ist nicht der Meinung, dass Mercedes gestoppt werden sollte - Foto: Sutton
Jenson Button ist nicht der Meinung, dass Mercedes gestoppt werden sollteFoto: Sutton

Red Bull nutzte Grauzonen - Mercedes macht einfach gute Arbeit

Doch auch dieser Argumentation will McLaren-Pilot Button nicht zustimmen - im Gegenteil. Seiner Meinung nach hätte Red Bull immer wieder Grauzonen des Reglements ausgenutzt, während Mercedes schlicht bessere Arbeit als die Konkurrenz anbieten würde. Genau deshalb findet Button es nicht fair, Mercedes vorzuwerfen, sie würden dem Sport Schaden. "Das heißt, dass man Menschen aufhält, die einfach das Beste erreichen wollen", so Button. "Natürlich wäre es besser für den Sport, wenn es verschiedene Leute gäbe, die um die Spitze kämpfen. Aber das ist nicht der Fehler von Mercedes."

Zum Abschluss schickte der Weltmeister von 2009 noch einen Denkanstoß in Richtung Red Bull, die von 2010 bis 2013 vier Mal in Folge Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft gewannen und mit Sebastian Vettel 2013 neun Saisonrennen in Folge ungeschlagen blieben. "Wäre denn Red Bull verärgert, wenn sie das Team wären, das mit einer Sekunde Vorsprung an der Spitze liegt? Nein."

Smedley: Ich werde sicher nicht meckern

In das gleiche Horn blies nach dem Rennen auch Williams-Performancechef Rob Smedley. Für den Briten definiert sich die Formel 1 über das Maximallevel an Perfektion und in diesem Fall sei Mercedes aktuell der Richtwert. "Das Level an Perfektion, das sie erreicht haben, ist absolut außergewöhnlich", lobte Smedley. "Ich ziehe davor meinen Hut und setze mich sicher nicht hier hin und meckere rum, weil sie schneller sind als wir." Mercedes hätte schlicht hart gearbeitet und alles richtig gemacht und könne nun die Belohnung dafür einholen.

Lewis Hamilton litt jahrelang selbst unter der Dominanz von Red Bull - Foto: Sutton
Lewis Hamilton litt jahrelang selbst unter der Dominanz von Red BullFoto: Sutton

Hamilton versteht Kritik nicht

Einer der Profiteure der aktuellen Situation ist Lewis Hamilton. Er gewann mit Mercedes seinen zweiten Weltmeistertitel im Vorjahr und liegt nach seinem Australien-Sieg auch 2015 wieder an der Spitze der WM-Wertung. Der Brite zeigte großes Unverständnis darüber, als welch schlechter Verlierer sich Red Bull aktuell präsentiert. "Ich sagte zu Sebastian [Vettel] nach dem Rennen: 'Ihr habt das vier Jahre lang gemacht. Ihr wart 30 Sekunden vor uns für vier Jahre.'" Sebastian Vettel kennt das Gefühl des Gejagten, nun ist er selbst mit Ferrari der erste Jäger der Silbernen.

Für den Briten ist klar, dass Menschen immer unzufrieden sind, wenn sie nicht gewinnen. Einen kleinen Seitenhieb Richtung Red Bull konnte er sich bei seinem Auftritt in der Sendung Daily Edition aber nicht verkneifen. "Ich denke, dann musst du ein paar bessere Leute einstellen", so Hamilton. "Wir haben großartige Leute eingestellt und entsprechend großartige Arbeit abgeliefert."

Seit 2014 ist nun Mercedes das Team an der Spitze. Zuvor dominierte Red Bull, davor zeigte Ferrari Anfang des Jahrtausends beeindruckende Siegesserien. Ende der 80er-Jahre hieß der Dominator McLaren-Honda, später folgte Williams. Immer wieder wurden Phasen von einem überlegenen Team geprägt, weshalb Hamilton die ganze Aufregung nicht verstehen kann. "Niemand hat mit einem Marussia mal eine Weltmeisterschaft gewonnen, oder?", fragte der Weltmeister. "Auch Fangio hatte ein großartiges Auto. Das ist eben der Lauf der Dinge."