Alonso verpasst Australien GP

Es war der Paukenschlag der Woche. Am Dienstag versendete McLaren eine Pressemitteilung. Das Team lieferte ein Update zum aktuellen Stand der Genesung des Spaniers. Danach würden die Ärzte kein Anzeichen einer Verletzung erkennen. Dann folgte der Hammer: Dennoch sagt Alonso den Saisonauftakt in Melbourne ab - auf Anraten der Ärzte.

"Derzeit soll er alle riskanten Faktoren, die womöglich eine weitere Gehirnerschütterung - nach seiner erst vor kurzem erlittenen - auslösen könnten, so gut wie möglich ausschalten. Daher sollte er auch die Chancen auf ein zweites Schleudertrauma minimieren, wie es die herkömmliche medizinische Behandlung bei solchen Beschwerden vorschreibt", schreibt McLaren.

Statt Fernando Alonso startet nun Ersatzfahrer Kevin Magnussen in Australien. Alonso soll in Malaysia in sein Cockpit zurückkehren und feilt bereits an seinem Comeback. 30 Minuten Rad, 30 Minuten Schwimmen, 30 Minuten Gym - Malaysia ist eines der anstrengendsten Rennen und wir werden bei 100 Prozent sein", twitterte der Spanier am Freitag.

Für Spekulanten und Gerüchteköche war die Absage Alonsos ein gefundenes Fressen. Mehr denn je zweifelten sie daran, dass Alonso tatsächlich nur eine Gehirnerschütterung davon getragen hat. Sogar von einer heftigen Amnesie war die Rede. Alonso soll geglaubt haben, er sei 13 Jahre alt und fahre Kart. All diese Gerüchte konterte Alonso lässig und mit viel Witz per Twitter. "Es ist nicht so dramatisch wie ihr es in den Medien lesen könnt. Alles ist wieder normal", versicherte auch Renndirektor Eric Boullier bei Sky.

Marussia kehrt als Manor Marussia zurück - Foto: Sutton
Marussia kehrt als Manor Marussia zurückFoto: Sutton

Manor fliegt nach Melbourne

Während Alonso in Australien nicht dabei sein wird, gibt es im Albert Park ein Wiedersehen mit Marussia. Am Mittwoch vermeldete das frisch aus der Insolvenz gerettete Team, es werde in der Saison 2015 unter dem neue Namen "Manor Marussia F1 Team" starten. "Das Team hat die Autos vorbereitet, mit denen es die Saison 2015 beginnen wird. Die Autos entsprechen dem 2015er Reglement. Später in der Saison wird das Team eine neue Spezifikation des 2015er Autos einführen", teilte Manor mit.

Einen Tag später bestand das Team die FIA-Crashtests, sodass es am Freitag in Richtung Down Under aufbrach. Mit einem Jahresbudget von insgesamt 92 Millionen Dollar - je zur Hälfte aus Preisgeldern und einem Investment von Neu-Mäzen Stephen Fitzpatrick finanziert - will Manor die gesamte Saison überstehen. Mit Will Stevens steht der erste Einsatzfahrer bereits fest, während die Verhandlungen mit der Nummer zwei bereits weit fortgeschritten seien, erklärte das Team. Mögliche Kandidaten: Fabio Leimer, GP2-Champion 2013, Giedo van der Garde, Roberto Merhi, Esteban Gutierrez und Kevin Magnussen.

Fraglich bleibt, ob das Interimsauto schnell genug sein wird, um die 107-Prozent-Regel einzuhalten.

Giedo van der Garde will sich ein Sauber-Cockpit erklagen - Foto: Sutton
Giedo van der Garde will sich ein Sauber-Cockpit erklagenFoto: Sutton

Sauber im Clinch mit Giedo van der Garde

Wie am Donnerstag bekannt wurde, verklagt Giedo van der Garde, bis 2014 Testfahrer bei Sauber, seinen ehemaligen Arbeitgeber vor einem australischen Gericht. Warum? Der Niederländer stört sich an dem "ehemaligen". Heißt konkret: Van der Garde pocht auf ein Abkommen, das ihm ein Renncockpit bei dem Schweizer Rennstall in der Formel-1-Saison 2015 zusagen soll. Eine erste Anhörung findet am Montag in Melbourne statt.

Vor einem Schweizer Schiedsgericht hatte van der Garde bereits einen Sieg errungen. Die Geschworenen erklärten, Sauber müsse alle Handlungen unterlassen, die van der Garde daran hindern könnten, als einer der beiden nominierten Fahrer an der Saison 2015 teilnehmen zu können. Sauber verwies darauf, der Entscheid sei noch nicht rechtskräftig und rechtfertigte gleichzeitig die Ausbootung des Niederländers. "Wir haben den Vertrag mit ihm aus gutem Grund gekündigt. Wir haben unsere Entscheidung im Interesse des Teams und seiner 330 Mitarbeiter getroffen", sagte Teamchefin Monisha Kaltenborn dem Blick.

Sollte das australische Gericht van der Garde ebenfalls Recht geben, droht dem Team womöglich großes Ungemach. Dann sitzt Sauber in der Zwickmühle: Durch Felipe Nasr und Marcus Ericcson verfügt das Team bereits über zwei gültige Fahrerverträge. Jeder der beiden, durch finanzstarke Sponsoren gestützten, Piloten könnte also seinerseits Ansprüche geltend machen, sollte Sauber ihn durch van der Garde ersetzen. Entscheidet sich das Team gegen den spontanen Fahrertausch, droht Sauber wohl oder über eine kostspielige Ausbezahlung van der Gardes.

Die Zukunft des Deutschland GP soll sich an diesem Wochenende entscheiden - Foto: Sutton
Die Zukunft des Deutschland GP soll sich an diesem Wochenende entscheidenFoto: Sutton

Deadline für Deutschland GP

Ist die Entscheidung über den Deutschland GP 2015 bereits gefallen? Jedenfalls posaunte F1-Boss Bernie Ecclestone zum Ende der Woche heraus, die finale Deadline für ein akzeptables Angebot der Streckenbetreiber liege an diesem Wochenende. Egal, ob für Hockenheim oder Nürburgring. Während der Nürburgring kürzlich sein seit Januar vorliegendes Angebot bestätigte, gibt es vom möglichen Ausweichstandort Hockenheim keine neue Stellungnahme.

Großes Entgegenkommen dürfen die Betreiber der beiden Rennstrecken ohnehin nicht erwarten. "Wenn sie die Bedingungen nicht erfüllen, dann wird es nicht geschehen", sagte Ecclestone über das Rennen. "Ob ein Organisator nun ein Rockkonzert, ein Tennis-Match oder was auch immer ausrichtet, dann kennt er die Bedingungen", rechtfertigte Ecclestone seinen harten Kurs.

Damit nicht genug des Ungemachs: Wegen der massiven Verzögerungen hat der bisherige Hauptsponsor, die Großbank Santander, entschieden, in diesem Jahr nicht mehr aktiv zu werden. "Das ist leider etwas kurzfristig, so dass wir in diesem Jahr schon entschieden haben, dass wir in keinem Fall hier in Deutschland ein Rennsponsoring machen würden", sagte Vorstand Ulrich Leuschner. Weiter aktuell bleiben unterdessen die Probleme des latenten Zuschauerschwunds und des verpassten Weihnachtsgeschäfts.

Sebastian Vettel im Formula Student - Foto: Ferrari
Sebastian Vettel im Formula StudentFoto: Ferrari

Vettel in Deutschland

Sebastian Vettel stattete in dieser Woche seinem Heimatland einen kurzen Besuch ab. Bei einem Termin mit Ferrari-Großsponsor Santander traf der vierfache F1-Champion auch ein Team der Formula Student und tauschte sich mit den Uni-Racern aus. Doch vor allem plauderte Vettel bei einer langen Pressekonferenz über Gott und die Welt - von Italienisch-Kenntnissen über Erfolgsaussichten mit Ferrari und das Formel-Debüt von Mick Schumacher bis zum neuen Teamkollegen und Kumpel Kimi Räikkönen. Weil all das den Rahmen dieses Wochenrückblicks sprengen würde, führen die folgenden Links zu den wichtigsten Geschichten.

Mick Schumcher steigt vom Kart- in den Formelsport auf - Foto: Van Amersfoort Racing
Mick Schumcher steigt vom Kart- in den Formelsport aufFoto: Van Amersfoort Racing

Mick Schumacher in die Formel 4

Es ist offiziell: Mick Schumacher, Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher, gibt in der Saison 2015 sein Debüt im Formel-Sport. Schumacher startet für Van Amersfoort Racing in der neuen ADAC Formel 4. Zuletzt war Schumacher im Kartsport aktiv. "Wir haben bei Testfahrten seine Fähigkeiten beobachtet und wir freuen uns auf eine erfolgreiche Saison", sagte Teambesitzer Frits van Amersfoort.