Nach sechs Jahren Abstinenz aus der Formel 1 kehrt Honda an der Seite von McLaren 2015 zurück in die Königsklasse des Motorsports. Neben den erwarteten 'sportlichen' Schwierigkeiten beim Debüt in der neuen Turbo-Formel-1 hat Honda jedoch bereits im Vorfeld mit dem strikten Motorenreglement der FIA zu kämpfen. So sollen für Honda wie auch für die anderen Teams im Vorjahr ein fixes Homologationsdatum für die Power Unit sowie ein Entwicklungsstopp während der Saison gelten.

Während den Japanern gegenüber der Konkurrenz von Mercedes, Ferrari und Renault - die durch ein Schlupfloch im Reglement 2015 auch während der Saison am Antriebsaggregat weiter entwickeln können - so ein klarer Nachteil entsteht, entfällt zudem das Privileg der anderen Hersteller, nach einem Jahr an 48% der Power Unit Veränderungen vornehmen zu dürfen. Auch soll Honda gezwungen werden, wie die anderen Hersteller mit lediglich vier Motoren straffrei über die Saison zu kommen, während diese 2015 noch fünf Aggregate zur Verfügung hatten.

Gegenseite: Späterer Einstieg Vorteil genug für Honda

"Obwohl wir quasi ein Jahr im Verzug sind, müssen wir 2016 genauso viel vom Motor 'einfrieren' wie auch die anderen Teams. Diese durften nach der ersten Saison noch 32 Tokens (48%) für die Entwicklung am Motor einsetzen, bei uns wird aber sofort der Sprung auf 28 Tokens erfolgen müssen, um mit den anderen Herstellern quasi gleichauf zu sein", verriet Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai bereits im Dezember exklusiv gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai freut sich auf den Saisonbeginn in der Formel 1 - Foto: Sutton
Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai freut sich auf den Saisonbeginn in der Formel 1Foto: Sutton

Das Argument der Gegenseite, Honda habe im Vorfeld bereits ein Jahr mehr Zeit für die Entwicklung einer gänzlich neuen Power Unit gehabt, was einen beträchtlichen Vorteil ausmache, will Arai so nicht stehen lassen. "Wir haben kaum Daten von McLaren bekommen, da sie ein Gentlemen-Agreement mit Mercedes hatten, keine vertraulichen Informationen weiterzugeben. Wir hatten somit zwar viel Zeit für den Aufbau unserer Infrastruktur sowie auch auf den Motorenprüfständen, jedoch fehlen uns ja jegliche validen Daten von der Strecke. Das ist definitiv ein massiver Nachteil."

FIA äußert sich positiv - Honda will kämpfen

Um zumindest eine Parität hinsichtlich der Entwicklungserlaubnis während der Saison 2015 zu erreichen, traf sich am Montag eine Honda-Delegation mit Abgesandten der FIA, darunter auch Rennkommissar Charlie Whiting. Und wie ein Sprecher des Motorsport-Weltverbandes eröffnete, könnten die Japaner mit ihrem Anliegen durchaus auf offene Ohren gestoßen sein. "Das Meeting lief gut und wir haben eine fruchtbare Diskussion hinsichtlich Hondas Anliegen der vergangenen Wochen geführt", hieß es aus FIA-Kreisen.

Genauere Details über Hergang und Ergebnisse der bisherigen Debatte hielten beide Seiten jedoch strikt unter Verschluss: "Wir haben uns im Vorfeld bereits ausreichend öffentlich zu diesem Anliegen geäußert und werden dies erst wieder tun, wenn wir diesbezüglich weitere oder womöglich finale Informationen von der FIA erhalten", ließ der japanische Automobilgigant verlauten. Seinen Fans machte Honda in einem offiziellen Statement jedoch Mut: "Wir glauben an fairen Wettkampf und werden uns so lange dafür einsetzen, bis die entsprechenden Voraussetzungen dafür auch geschaffen sind."

Ob Hondas Forderungen jedoch auch tatsächlich durchgehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. Während Honda aller Voraussicht nach wie auch die anderen Hersteller im Vorjahr definitiv bis zum 28.2. den Motor homologiert haben muss, könnte es während der Saison jedoch zu einer Kompromisshandlung kommen. Dann könnten Honda ebenfalls 32 Tokens zur Weiterentwicklung bis zum Winter zugestanden werden, bevor alle Hersteller definitiv auf einem 'Level' hinsichtlich der Regularien stehen müssen.