Gut sechs Wochen ist es her, dass Jules Bianchi einen schweren Unfall beim Großen Preis von Japan erlitten hat. Neuigkeiten über den jungen Franzosen sind seitdem spärlich und wohl dosiert. Je länger es ruhig ist um Bianchi, desto größer wird die Sorge über seinen Gesundheitszustand. Sein Zustand sei weiter kritisch, aber stabil, erklärte Marussias Sportdirektor Graeme Lowdon vor knapp einer Woche. Nun meldete sich der frühere Formel-1-Pilot Philippe Streiff zu Wort. "Leider sind das keine guten Nachrichten", sagte Bianchis Landsmann im Radiointerview mit Europe 1.

Streiff weiter: "Jules liegt im Koma und kann nicht verlegt werden. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit und ich persönlich glaube nicht, dass er bald aus dem Koma erwacht. Wenn es soweit ist, wird er schwer gehandikapt sein." Es ist unklar, woher Streiff seine Informationen zu Bianchi bezogen hat. Seit vielen Wochen gab es kein offizielles Statement der behandelnden Ärzte im Mie General Medical Center in Yokkaichi, Japan oder durch seine Familie.

Philippe Streiff sitzt seit seinem Unfall im Rollstuhl - Foto: Sutton
Philippe Streiff sitzt seit seinem Unfall im RollstuhlFoto: Sutton

Für Bianchi wird es hart

Streiff kennt sich mit schweren Unfällen im Rennsport allerdings aus. Im Jahr 1989 erlitt er bei einem Formel-1-Test in Brasilien infolge eines mehrfachen Überschlags schwere Verletzungen und ist seitdem querschnittsgelähmt. Zu seinen Ärzten zählte unter anderem Professor Gerard Saillant, Präsident der FIA Medical Commission. Jener Saillant, der zuletzt auch Michael Schumacher und Bianchi beistand.

"Ich denke, dass Jules' Unfall viel ernsthafter war als der von Michael Schumacher", sagte Streiff weiter. "Das war viel schlimmer als sich den Kopf an einem Felsen zu stoßen. Bei Schumacher war es ernst, aber ich kann sagen, dass es bei Bianchi sehr, sehr ernst war. Wenn er aus dem Koma erwacht, wird die Situation für ihn und seine Familie extrem hart."

Streiff fuhr in der Formel 1 unter anderem für Tyrrell - Foto: Sutton
Streiff fuhr in der Formel 1 unter anderem für TyrrellFoto: Sutton

Streiff: Schumacher ist wie ich

Streiff äußerte sich zudem über Schumacher, der sich seit einiger Zeit in seiner schweizerischen Heimat von den Folgen seines schweren Ski-Unfalls Ende Dezember vergangenen Jahres erholt. "Schumacher geht es besser, aber alles ist relativ", so der 59-Jährige. "Es ist ziemlich schwierig, weil er nicht reden kann. Er ist wie ich, sitzt in einem Rollstuhl und hat Probleme mit dem Erinnerungsvermögen und der Sprache. Zuhause bei seiner Familie zu sein, mag seinen Heilungsprozess etwas beschleunigen, aber es ist trotzdem schwierig. Anscheinend kommuniziert er mit seinen Augen mit seiner Frau und Pressemanagerin."

Streiff hatte schon kurz nach Schumachers Unfall mit den Medien über dessen Gesundheitszustand gesprochen. Angeblich habe der 54-fache GP-Starter gesagt, dass Schumacher nicht mehr in Lebensgefahr sei. Ein Dementi von dessen Managerin Sabine Kehm folgte auf dem Fuße.

Jules Bianchi verunfallte beim Japan GP in Suzuka - Foto: Sutton
Jules Bianchi verunfallte beim Japan GP in SuzukaFoto: Sutton

Neuigkeiten Anfang Dezember

Weitere Neuigkeiten zum Bianchi-Unfall werden spätestens am 3. Dezember erwartet, wenn sich der FIA Accident Panel - also ein Ausschuss, der sich mit Unfällen befasst - im Rahmen des World Motor Sport Council in Doha äußert. Mit dabei sind unter anderem der frühere Mercedes-Teamchef Ross Brawn sowie Ex-Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Dazu der zweifache Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi, Alexander Wurz sowie Gerard Saillant.