Damon Hill ist überzeugt: Lewis Hamilton wird es in Abu Dhabi schwerer haben als Teamkollege Nico Rosberg. Der Brite geht mit 17 Punkten Vorsprung in das letzte Saisonrennen. Eigentlich ein beruhigendes Polster, aber gleichzeitig ein mentaler Ballast. "Ich denke, es ist für den Führenden immer schwieriger", erklärte der Weltmeister von 1996.

Hill selbst weiß genau, wovon er spricht. 1994 ging er im WM-Duell mit Michael Schumacher als Jäger in das finale Saisonrennen in Australien. Nur ein Punkt Rückstand und alles war offen - bis die bekannte Kollision der beiden WM-Führenden alle Hoffnungen des Briten zerstörte.

1996 gewann Damon Hill den Titel - Foto: Sutton
1996 gewann Damon Hill den TitelFoto: Sutton

Andersherum die Situation 1996. Nach dem Rennen in Portugal reiste Hill mit einem ähnlich komfortablen Vorsprung nach Japan, wie Hamilton nun nach Abu Dhabi. Bei neun Punkten Vorsprung wusste Hill, dass nur ein Ausfall und ein gleichzeitiger Sieg seines Teamkollegen Jacques Villeneuve ihn den Titel noch hätte verlieren lassen können - unwahrscheinlich, aber möglich. Am Ende sollte es genau anderes herum kommen: Hill gewann, Villeneuve schied aus und der Titel ging mit deutlichem Vorsprung an den Briten.

Für Hill ist nun die Ausgangslage für Abu Dhabi klar: "Ich denke, der Jäger hat sich zu einem gewissen Teil schon mit der Möglichkeit abgefunden, nicht zu gewinnen. Der andere hat stattdessen alles zu verlieren", erinnerte der Weltmeister von 1996. Als Beispiel zog Hill Golf heran. "Du versuchst dich über die letzten vier Löcher am Sieg festzuklammern und plötzlich beginnst du darüber nachzudenken, was du gerade tust", schilderte Hill dem Indepedent.

Mercedes trifft die Schuld

Sollte Hamilton wirklich in Abu Dhabi trotz komfortablem Vorsprung den Titel noch verlieren, macht Hill die Standfestigkeit seines Mercedes dafür verantwortlich. "Es wäre tragisch, wenn Lewis in diesem Jahr nicht die Weltmeisterschaft gewinnen würde, denn dann hätte er sie - um ehrlich zu sein - nicht gewonnen, weil ihn Mercedes im Stich gelassen hätte", spielte Hill auf die Technik an.

Über all das soll Hamilton aber nicht nachdenken, wenn am kommenden Wochenende der Showdown um den Titel steigt. Hill rät ihm, alles was zuvor geschah abzuhaken und Abu Dhabi als das Rennen um die Weltmeisterschaft zu betrachten. "Gewinne es und sei Weltmeister", so Hill. Der einzige Gedanke im Kopf sollte der WM-Titel sein, schließlich könnte niemand andere Dinge wie technische Ausfälle beeinflussen.