In Interlagos gelangen Lotus keine Punkte. Wo lagen die größten Herausforderungen während des Rennens?
Nick Chester: Die größte Herausforderung für uns - und auch für die meisten anderen Teams - war, den Reifenverschleiß und den -Abbau in den Griff zu bekommen. Daher konnten wir ein paar unterschiedliche Strategien während des Rennens sehen. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, was Romain hätte tun können, wenn er das Rennen beendet hätte. Als er auf die weichen Reifen gewechselt hatte, zeigte er schnelle Rundenzeiten. Ein Zündungsproblem seiner Power Unit kam allerdings dazwischen. Pastor fuhr seinerseits sehr gut und kam von Startplatz 18 auf P12. In seinem zweiten Stint - sein erster auf den Medium-Reifen - hatte er unglücklicherweise Blasenbildung. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte er das Rennen möglicherweise weiter vorne beenden können.

2012 feierte Kimi Räikkönen den Sieg für Lotus in Abu Dhabi - Foto: Lotus F1 Team
2012 feierte Kimi Räikkönen den Sieg für Lotus in Abu DhabiFoto: Lotus F1 Team

Nun geht es nach Abu Dhabi. Das Team hat gute Erinnerungen an Abu Dhabi. Was können wir beim Saisonfinale 2014 erwarten?
Nick Chester: Wir würden wirklich sehr gerne mit beiden Autos um Punkte kämpfen. Wir haben in Austin gute Fortschritte erzielt. Wir sollten nun näher an diesem Performance-Level sein als in Interlagos. Dort wussten wir, dass uns die Streckencharakteristik vor eine Herausforderung stellen würde. Wir glauben, dass der E22 in Abu Dhabi eine recht gute Leistung zeigen sollte, besonders durch die weichen und superweichen Reifen. Auf dem Yas Marina Circuit zeigten wir in der Vergangenheit bereits gute Leistungen, daher sollten wir diese harte Saison sicherlich mit einem positiven Ende abschließen.

Wie beeinflusst der Temperaturabfall die Autos, da das Rennen bei Tageslicht gestartet und in der Nacht beendet wird?
Nick Chester: Dieser Aspekt könnte schwierig zu handhaben werden, da wir keinen Einfluss auf die Veränderung der Streckentemperatur nehmen können. Aber immerhin kennen wir den Trend und wir werden die Balance des Autos auf Temperaturen zu Mitte des Rennens ausrichten und ein Durchschnitts-Setup einsetzen, um die 55 Runden abzudecken. Wie viele Runden wir auf welchem Satz Reifen fahren, könnte auch unsere Strategie-Wahl beeinflussen.

Wie denken Sie über die Reifenwahl für Abu Dhabi?
Nick Chester: Diese Reifenauswahl wird für ein interessantes Rennen sorgen - vielleicht sehen wir sogar einen Stopp mehr, als wenn Pirelli sich für die Medium- und die weiche Mischung entschieden hätte. Klar ist aber: Es gibt allein ein paar mehr Möglichkeiten.

In Abu Dhabi gibt es eine Abfolge schneller und mittelschneller Kurven. Ein Schlüsselelement sind schnelle Richtungswechsel. Auch welchen Teile des Autos muss der Fokus liegen, um genau das zu erreichen?
Nick Chester: Gute Richtungswechsel eines Autos sind immer erforderlich, egal, ungeachtet der Strecken-Besonderheiten - obgleich einige Kurse die Defizite mehr hervorheben als andere. Es könnte schwierig werden, gute Richtungswechsel zu erreichen, ohne damit die Kontrolle des Autos in anderen Bereichen des Kurses zu beeinträchtigen - beispielsweise, das Auto zu nervös in den Bremszonen oder den Hochgeschwindigkeitskurven zu machen. Wir werden arbeiten, um gute Richtungswechsel hinzubekommen, allerdings nicht auf Kosten anderer Streckenbereiche. Wir werden am aerodynamischen- und mechanischen Setup arbeiten, um dorthin zu kommen.

Fernando Alonso holte 2006 den letzten WM-Titel für Renault - Foto: Sutton
Fernando Alonso holte 2006 den letzten WM-Titel für RenaultFoto: Sutton

Sind während des Freien Trainings Tests an speziellen Entwicklungen für 2015 geplant, über die Sie sprechen können?
Nick Chester: Wir werden unser Programm weiterführen, das auf nächstes Jahr ausgerichtet ist. Wir untersuchen ein neues Lenkrad mit einem größeren Display. Zudem gibt es ein paar Änderungen an der Karosserie, die ein Adlerauge vielleicht erkennen könnte.

Abu Dhabi wird das letzte Rennen mit Renault-Motor. Was sind Ihre besten Erinnerungen an die Jahre der Zusammenarbeit?
Nick Chester: Nach 20 Jahren der Zusammenarbeit mit Renault gibt es eine Menge Erinnerungen. In meiner Zeit der Arbeit mit dem Rennteam sind das der Sieg des Monaco GP mit Jarno Trulli 2004 sowie die beiden WM-Titel 2005 und 2006 mit Fernando [Alonso]. Es gab viele gute Zeiten mit Renault und wir haben die Arbeit mit ihnen sehr genossen.