Zum fünften Mal reist die Formel 1 nach Austin auf den Circuit of the Americas. Nach vielen vergeblichen Versuchen hat man in Texas endlich eine neue dauerhafte amerikanische Heimat gefunden, in der die Königsklasse vom Publikum angenommen wird. Motorsport-Magazin.com blickt auf die zahlreichen teils kuriosen Austragungsorte in den USA zurück, an denen die Formel 1 bereits ihre Runden drehte.

Indianapolis 500, 1950 - 1960:

Nicht viele F1-Piloten gaben sich auf dem Brickyard die Ehre - Foto: IndyCar
Nicht viele F1-Piloten gaben sich auf dem Brickyard die EhreFoto: IndyCar

In der ersten Dekade ihres Bestehens war das Indy 500 Bestandteil der Formel-1-Weltmeisterschaft - wirklich teilgenommen hat aber niemand der F1-Piloten. Aufgrund dessen finden sich in der ewigen Statistik der Formel 1 auch zahlreiche US-amerikanische Piloten, die jedoch stets nur beim Indy 500 am Start waren und mit der Königsklasse selbst nichts zu tun hatten.

United States Grand Prix, 1959, Sebring:

Sebring wurde vom F1-Tross nur einmal besucht - Foto: Monza Circuit
Sebring wurde vom F1-Tross nur einmal besuchtFoto: Monza Circuit

Der erste echte "Grand Prix der USA" auf dem Sebring International Raceway in Florida war ebenfalls von überschaubarem Erfolg gekrönt. Das Rennen fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Formel-1-Weltmeisterschaft längst entschieden war, weshalb Ferrari gar keine Autos über den großen Teich schickte. So musste der aufsteigende Komet Phill Hill, der zuvor den Italien-Grand Prix gewonnen hatte, auf einen gewissen British Racing Partnership-Cooper umsteigen. Nach diesem halbherzigen Auftritt verzichtete man auf eine Wiederholung.

United States Grand Prix, 1960, Riverside:

Stirling Moss gewann in Riverside - Foto: Mercedes-Benz
Stirling Moss gewann in RiversideFoto: Mercedes-Benz

Ein Jahr später kehrte die Formel 1 in die USA zurück, schlug ihre Zelte jedoch nicht mehr in Florida auf, sondern gastierte an der Westküste im kalifornischen Riverside. Auch dieses Rennen war eine einmalige Angelegenheit und wurde von Stirling Moss für sich entschieden.

United States Grand Prix, 1961 - 1980, Watkins Glen:

Watkins Glen war bei den Piloten äußerst beliebt - Foto: Sutton
Watkins Glen war bei den Piloten äußerst beliebtFoto: Sutton

Für 20 Jahre war Watkins Glen die Heimat des US Grand Prix. Zum ersten Mal fuhr die F1 im Jahr 1961 im Bundesstaat New York - hier fühlten sich die Formel 1-Piloten wohl, die Strecke gefiel ihnen. Ende der Sechzigerjahre wurde Watkins Glen zu gefährlich, weshalb man den Kurs breiter anlegte und ihn nebenbei sogar um ein gutes Stück verlängerte. Den Piloten gefiel der Kurs noch besser - die Formel 1 blieb Watkins Glen bis ins Jahr 1980 treu.

United States Grand Prix West, 1976 - 1983, Long Beach:

In Long Beach wurde viel Action geboten - Foto: Sutton
In Long Beach wurde viel Action gebotenFoto: Sutton

Neben den Watkins-Glen-Rennen gab es noch weitere, mehr oder weniger erfolgreiche, Auftritte in Amerika. Ab 1976 wurde in Long Beach ein Grand Prix auf einem wunderschönen Stadtkurs abgehalten. Natürlich gab es auch den schlimmen Unfall von Clay Regazzoni im Jahr 1980, der große Kämpfer saß danach im Rollstuhl. Doch nicht die Mauern und die mangelnde Sicherheit waren der Grund, warum hier nicht weitergefahren wurde. Ende 1983 konnten Bernie Ecclestone und die Veranstalter keine finanzielle Einigung erzielen, das Rennen war Geschichte.

Caesars Palace Grand Prix, 1981 - 1982, Las Vegas:

Das Rennen in der Glücksspielermetropole war nicht sonderlich beliebt - Foto: Sutton
Das Rennen in der Glücksspielermetropole war nicht sonderlich beliebtFoto: Sutton

1981 und 1982 trat die Formel 1 in Las Vegas an, auf dem Parkplatz des Ceasar's Palace-Casinos. Mit dem F1-Rennen wollten die veranstaltenden Geschäftsleute angeblich das Mafia-Image loswerden. Doch weil nur wenige Zuschauer zu den Rennen erschienen, wurde die Partnerschaft beendet. Alan Jones und Michele Alboreto konnten sich über Triumphe in der Glücksspieler-Metropole freuen. Geht es nach Bernie Ecclestone, könnte das Rennen in Las Vegas ein Comeback feiern, wobei nicht auf einem Parkplatz, sondern auf dem berühmten Strip gefahren werden soll.

Detroit Grand Prix, 1982 - 1988:

Detroit sah sieben Grands Prix - Foto: Sutton
Detroit sah sieben Grands PrixFoto: Sutton

Ebenfalls im Jahr 1982 konnte die Formel 1 ein weiteres Gastspiel in den Staaten etablieren - den Grand Prix in Detroit. Dort blieb man bis 1988. Vor allem den brasilianischen Piloten kam der Straßenkurs in der Automobil-Metropole entgegen: Ayrton Senna und Nelson Piquet gewannen vier der sieben Rennen.

Dallas Grand Prix, 1984:

Auch in Dallas wurde die F1 nicht heimisch - Foto: Sutton
Auch in Dallas wurde die F1 nicht heimischFoto: Sutton

Nicht nur auf den Fernsehschirmen sorgte Dallas in den Achtzigern in Person von J.R. Ewing und Co. für Aufsehen, auch die Formel 1 gastierte in Texas. Es blieb jedoch mangels Erfolgs bei einem einmaligen Auftritt, den Keke Rosberg nach zwei Stunden für sich entschied.

United States Grand Prix, 1989 - 1991, Phoenix:

In Arizona machte die Formel 1 drei Mal Station - Foto: Sutton
In Arizona machte die Formel 1 drei Mal StationFoto: Sutton

Für drei Jahre schlug die Formel 1 ihre Zelte auf dem Stadtkurs in Arizonas Hauptstadt auf. Zwei Mal ging der Sieg an Ayrton Senna, einmal durfte sich Alain Prost über den Triumph freuen. In weiterer Folge kehrte die Formel 1 dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten den Rücken und kam erst im Jahr 2000 zurück.

United States Grand Prix, 2000 - 2007, Indianapolis:

Bei der Premiere 2000 war das Interesse groß - Foto: Sutton
Bei der Premiere 2000 war das Interesse großFoto: Sutton

Auf dem berühmten Ovalkurs von Indianapolis - für die Formel 1 noch mit einem engen Infield ausgestattet - wollte sich die Königsklasse den Amerikanern präsentieren. Doch schon der erste Auftritt vor der versammelten US-Presse ging gründlich in die Hose. Auf die Frage, welches Gefühl es sei, auf dem legendären "Brickyard" zu fahren, antwortete Michael Schumacher: "Das ist ein Rennen wie jedes andere auch." Es schien als würde die Formel 1 nichts unversucht lassen, um sich in jenem Land, welches mit der NASCAR-Serie puren Motorsport gewöhnt ist, unbeliebt zu machen.

Das Rennen 2005 verkam zur Farce - Foto: Sutton
Das Rennen 2005 verkam zur FarceFoto: Sutton

Den Vogel schoss man beim Großen Preis der USA im Jahr 2005 ab - er ging in die Geschichtsbücher als "Petit Prix" ein. Auslöser für den Skandal war ein neuer Streckenbelag auf der Nudeltopfstrecke von Indianapolis, der die Michelin-Reifen regelrecht killte. Der französische Reifenhersteller empfahl aus Sicherheitsgründen den sieben von ihm ausgerüsteten Teams, nicht am Grand Prix teilzunehmen. Am Ende bekamen die Fans an der Strecke nur die sechs Autos von den drei Bridgestone-Teams Ferrari, Jordan und Minardi zu sehen. So kam es wenig überraschend, dass sich die Königsklasse wieder abwand und für weitere fünf Jahre den USA den Rücken kehrte.

United States Grand Prix, seit 2012, Austin:

Nach langem Auf und Ab hat die F1 in Austin eine neue Heimat gefunden - Foto: Sutton
Nach langem Auf und Ab hat die F1 in Austin eine neue Heimat gefundenFoto: Sutton

Nach fünf Jahren Pause kehrte die Formel 1 in die USA und nach Texas zurück. Diesmal ist jedoch nicht der Straßenkurs von Dallas Austragungsort, sondern der von Hermann Tilke entworfene Circuit of the Americas. Um den Kurs möglichst attraktiv zu gestalten, wurden unterschiedliche Elemente traditioneller Rennbahnen übernommen und so erinnern Passagen an das Motodrom von Hockenheim oder an den Maggots-Becketts-Abschnitt in Silverstone. Das Premieren-Rennen entschied Lewis Hamilton für sich.

Grand Prix of America, New Jersey:

Das Rennen in New Jersey dürfte ein Wunschtraum bleiben - Foto: Frederik Hackbarth
Das Rennen in New Jersey dürfte ein Wunschtraum bleibenFoto: Frederik Hackbarth

Eigentlich hätte die Formel 1 bereits 2013 auf dem Port Imperial Street Circuit in New Jersey gastieren sollen, doch daraus wurde nichts. Nach dem Bekanntwerden zahlreicher finanzieller Ungereimtheiten und dem abermaligen Fehlen im Kalender für 2017, ist nach aktuellem Stand davon auszugehen, dass es in absehbarer Zeit zu keinem Rennen vor der Skyline Manhattans kommen wird.