Gute Nachrichten von Michael Schumacher: Wie sein Management bestätigte, ist der Rekordweltmeister wieder zu Hause in Gland, wo die Rehabilitation fortgesetzt wird. "Er hat in den vergangenen Wochen und Monaten der Schwere seiner Verletzung entsprechend Fortschritte gemacht", heißt es von Sabine Kehm.

So schön die Nachricht auch ist, zu euphorisch sollte sie wohl nicht verstanden werden. "Es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm", heißt es im Statement. Von einem stark verändertem Gesundheitszustand solle man nicht ausgehen, heißt es. Spekulationen, wonach für die Verlegung in das Anwesen der Familie Schumacher millionenschwere Umbaumaßnahmen notwendig gewesen wären, seien falsch.

Kleine Schritte besser als keine Schritte

Universitätsprofessor Dr. Gerhard Wolf, der in der Allgemeinchirurgie des Landeskrankenhaus Graz arbeitet und seit 1997 Mitglied der Medical Commission der FIA ist, warnt ebenfalls vor übersteigerten Erwartungen. "Es ist sicher eine gute Nachricht, aber man erwartet immer viel, wenn es heißt, ein Patient erwacht oder wird nach Hause verlegt. Wir müssen in diesen Fällen auch mit sehr kleinen Schritten zufrieden sein", so Dr. Wolf zu Motorsport-Magazin.com.

Trotzdem ist die Verlegung nicht nur für die Familie eine Erleichterung. Auch der Rehabilitationsvorgang kann in gewohntem Umfeld unter Umständen besser verlaufen. Nach einer so langen Zeit im Koma sind keine großartigen Schritte zu erwarten, weiß Dr. Wolf aus Erfahrung. Aber solange Schritte gemacht werden - so groß oder klein sie auch sein mögen -, ist der Genesungsprozess noch in Gange.

Michael Schumacher lag zunächst 189 Tage im französischen Grenoble im Universitätsklinikum im Koma, bevor er für die Reha in eine Spezialklinik in die Schweiz verlegt wurde. Insgesamt wurde Schumacher 254 Tage fernab seiner Heimat behandelt.

"Beim gesamten Team des CHUV Lausanne möchten wir uns für die intensive und kompetente Arbeit herzlich bedanken", so Kehm. Die Managerin des 45-Jährigen bittet weiterhin darum, auch in Zukunft die Privatsphäre der Familie zu wahren und sich nicht an Spekulationen zu beteiligen.

Das Statement im Wortlaut

Michaels Rehabilitation wird von nun an von zu Hause aus fortgeführt werden. Er hat in den vergangenen Wochen und Monaten der Schwere seiner Verletzung entsprechend Fortschritte gemacht, aber es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm.

Beim gesamten Team des CHUV Lausanne möchten wir uns für die intensive und kompetente Arbeit herzlich bedanken.

Wir bitten auch weiterhin darum, die Privatsphäre der Familie Schumacher zu respektieren und auch von Spekulationen über Michaels Gesundheitszustand abzusehen.

Formel-1-Welt freut sich mit Schumacher

Aus dem Formel-1-Paddock kommen immer wieder Genesungswünsche - Foto: Sutton
Aus dem Formel-1-Paddock kommen immer wieder GenesungswünscheFoto: Sutton

Erst am Wochenende nutzte Ferrari Präsident Luca di Montezemolo seinen Besuch beim Italien GP, um an Michael Schumacher zu erinnern. "Forza Michael! Forza Michael! Forza Michael! Du bist so ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wir sind bei dir, wir sind alle bei dir", so Montezemolo.

Die ersten Reaktionen auf das Statement liesen nicht lange auf sich warten. "Gute Neuigkeiten, Michael Schumacher hat das Krankenhaus verlassen, um seine Genesung zu Hause fortzusetzen", twitterte Red Bull. "Alles Gute weiterhin beim langen Kampf", wünscht Monica Lierhaus, die selbst vier Monate lang im Koma lag.

Facts rund um Schumachers Unfall

  • Ski-Unfall am 29.12.2013 in Méribel (Frankreich)
  • Erste Operation direkt nach der Einlieferung in die Klinik in Grenoble
  • Schumacher schwebt nach dem Ski-Sturz in Lebensgefahr
  • Zweite Operation: Hämatom aus linker Gehirnhälfte entfernt
  • Zum Unfall: keine überhöhte Geschwindigkeit, Skipiste korrekt gekennzeichnet
  • 30. Januar: Aufwachprozess wird eingeleitet
  • 4. April: Erste Momente des Bewusstseins und des Erwachens
  • 16. Juni: Bestätigung: Schumacher aus Koma erwacht & zur Reha verlegt
  • 23. Juni: Michael Schumachers gestohlene Krankenakte wird zum Kauf angeboten
  • 8. Juli: Die Ermittler haben eine heiße Spur. Die IP-Adresse des Computers, von dem die Krankenakten zum Kauf angeboten wurden, führt in die Schweiz
  • 5. August: Ein Verdächtiger wird in Zürich verhaftet
  • 6. August: Mutmaßlicher Akten-Dieb begeht Selbstmord
  • 9. September: Michael Schumacher setzt seine Rehabilitation zu Hause fort