In der Starterliste der Formel 1 findet man den Namen Bruno Senna 2013 nicht mehr. Der Brasilianer hat der Königsklasse nach seinem Aus bei Williams den Rücken gekehrt und mit seinem Wechsel in die WEC eine Neuorientierung gewagt. Das Geschehen in der Rennserie, in der er zwischen 2010 und 2012 immerhin 46 Grand-Prix-Starts absolviert hat, interessiert den 29-Jährigen aber immer noch. Natürlich habe auch er sich die ersten beiden Saisonrennen in Australien und Malaysia angesehen... und danach festgestellt, dass seine Trennung von Williams vielleicht gar keine so schlechte Entscheidung war. "Williams tut mir im Moment fast ein bisschen leid - auch mein Nachfolger Valtteri Bottas", so Senna in seiner Kolumne für Motorsport-Magazin.com mit Blick auf seinen derzeit arg strauchelnden Ex-Arbeitgeber aus Grove.

Der Traditionsrennstall hält derzeit bei null Punkten in der WM-Wertung, ist von den Top-10 weit entfernt. Von Schadenfreude konnte ob der prekären Situation bei Senna aber keine Rede sein. "Ich habe zu vielen Leuten im Team immer noch ein sehr freundschaftliches Verhältnis", versicherte der Neffe des legendären Ayrton Senna. Er fügte an: "Ich bekomme den Eindruck, dass da jetzt einige das ausbaden müssen, wofür sie nicht verantwortlich sind. Wenn wichtige und erfahrene Ingenieure plötzlich fehlen, das Geld aus verschiedenen Gründen relativ knapp ist und man dann wie beispielsweise Valtteri auch sehr wenig Erfahrung hat, ist es sehr schwierig, das Team aus so einem Tief, mit dem sie in die Saison gestartet sind, wieder herauszubringen", prognostizierte der Südamerikaner seinem ehemaligen Rennstall nach diversen namhaften Abgängen Schwierigkeiten.

Gesamtsituation ist beunruhigend

Senna pflegt immer noch ein gutes Verhältnis zu seinem Ex-Team Williams - Foto: Sutton
Senna pflegt immer noch ein gutes Verhältnis zu seinem Ex-Team WilliamsFoto: Sutton

Nach Toto Wolff und Chefingenieur Mark Gillan war zuletzt auch noch Eigner Frank Williams von Bord gegangen und hatte die Geschicke in die Hände seiner Tochter Claire übergeben. Doch nicht nur Williams, auch die Formel 1 allgemein müsse einmal über viele Dinge nachdenken und gegebenenfalls ihren Kurs wechseln, fand der WEC-Abwanderer. "Mir ist aufgefallen, dass der Abstand von ganz vorne zum Mittelfeld anscheinend doch wieder größer geworden ist. Und das, obwohl es praktisch keine Reglementsänderungen gab. Das verspricht für 2014 nicht unbedingt Gutes", so Senna mit Blick auf die kleineren Teams. Zwar sei es schön, dass die Spitze mit Lotus und Mercedes nun breiter erscheine. Trotzdem glaubte Senna: "Mit etwas mehr Abstand sieht man erst recht, dass sich in der Formel 1 wohl einiges ändern muss, wenn sie nicht arge Probleme bekommen will." Dabei würden sich auch die jüngsten Ereignisse aus Malaysia eher kontraproduktiv auswirken.

"So etwas wie die meiner Meinung nach doch zumindest teilweise völlig unnötigen Stallorder-Geschichten schon im zweiten Saisonrennen, helfen sicher nicht, sie beim Publikum und vor allem auch bei Sponsoren populärer zu machen", so der Ex-Williams-Fahrer, der anfügte: "Wenn man sich die Geldprobleme überall anschaut, wäre das ja wohl bitter nötig." Er selbst bedauere seinen Abschied vor diesen Hintergründen nur bedingt. "Rein fahrerisch ist ein F1-Auto immer noch das Größte und die ultimative Herausforderung. Wenn man das einmal gehabt hat, weiß man das - da wird nichts anderes je komplett herankommen", räumte Senna ein. "Deshalb habe ich ja auch früher immer gesagt, dass die Formel 1 mein Ziel und mein Traum ist."

"Aber es sind eben viele andere Dinge, die nicht stimmen... auch, wenn man nur sieht, was hinter den Kulissen so alles passiert und auf welche Ebenen man sich begeben muss, um etwas zu erreichen." Welche Leute sich an den verschiedenen Stellen und auf welche Art und Weise immer wieder durchsetzen würden, sei teilweise fragwürdig. "Und dabei rede ich jetzt nicht in erster Linie von Fahrern. Die Fahrer sind oft eher die Leidtragenden", glaubte Senna, der angab, sich deshalb nicht zu wundern, wenn er von Kollegen höre, die bei ausbleibenden Erfolgen in naher Zukunft erwägen würden, nicht nur um des Dabeiseins Willens weiterzufahren. "Das ist ja auch meine Einstellung: Formel 1 ja - aber nicht um jeden Preis, denn man muss dabei auch seine eigene Würde behalten können."

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