Der neunmalige Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi hat am Sonntag in Valencia seine beeindruckende Erfolgsstory in der MotoGP mit dem offiziellen Rücktritt beendet und nicht nur viele Fans fragen sich, was die Zweirad-Legende für die anvisierte sportliche Zukunft auf vier Rädern plant.

Geht es Markus Flasch, bis 31. Oktober 2021 als Geschäftsführer der BMW M GmbH tätig und damit verantwortlich für BMW M Motorsport, soll Rossis Weg in den brandneuen BMW M4 GT3 führen, der ab 2022 den M6 GT3 als neuen Top-Kundensportler ablöst.

"Lebende Legende! Alles Gute für dein letztes Rennen in der MotoGP! Und das ist kein Witz: Der M4 GT3 wartet auf dich. Jederzeit...", schrieb Flasch beim MotoGP-Besuch in Valencia am Sonntag auf seiner offiziellen Instagram-Seite. Dazu veröffentlichte der Österreicher einige Fotos von einem angeregten Plausch mit Rossi.

BMW-Topmanager zu Gast bei der MotoGP

Unter Flasch hat BMW M Motorsport die ausgiebige Entwicklung des BMW M4 GT3 vorangetrieben. Und Flasch war es auch, der die Rückkehr von BMW in die Topklasse des Langstreckensports mit einem LMDh-Auto ab 2023 beim Vorstand des Münchner Autobauers durchgedrückt hat - und die Ankündigung dazu noch vor der offiziellen Bestätigung auf seiner Instagram-Seite veröffentlichte...

Nicht nur Flasch - inzwischen Leiter für die Produktlinie Rolls-Royce, BMW Luxus- und Oberklasse sowie künftig auch Mittelklasse bei der BMW Group - war am Wochenende zu Gast in Valencia. Auch sein Nachfolger und damit seit 01. November neuer Chef der BMW M GmbH, Franciscus van Meel, war im MotoGP-Paddock unterwegs. Hier überreichte er Weltmeister Fabio Quartararo offiziell den sogenannten BMW M Award für die besten Qualifying-Leistungen in der Saison 2021. Obendrein durfte sich der Franzose über einen BMW M5 CS für die heimische Garage freuen.

BMW-M-Boss Franciscus van Meel mit Fabio Quartararo - Foto: BMW Group
BMW-M-Boss Franciscus van Meel mit Fabio QuartararoFoto: BMW Group

Rossi und BMW: Es gab schon Gespräche

Steckt etwa mehr hinter Flaschs in der Szene vieldiskutierter 'Instagram-Einladung' an Rossi in den BMW M4 GT3? Wie Motorsport-Magazin.com aus gut informierten BMW-Kreisen erfahren hat, gab es schon zuvor offenbar Gespräche von Rossi mit BMW-Verantwortlichen über eine mögliche Zusammenarbeit. Dabei soll konkret ein Engagement mit dem brandneuen BMW M4 GT3 ins Auge gefasst worden sein, der ab 2022 unter anderem in der DTM an den Start gehen wird.

Die Recherchen von Motorsport-Magazin.com beim Autobauer aus München brachten zudem zu Tage, dass Rossi schon 2019 ein Thema bei BMW war, als DTM-Boss Gerhard Berger - einst BMW-Motorsportchef - sich höchstpersönlich für einen Rossi-Gaststart in der DTM Anfang Juni selben Jahren in Misano eingesetzt hat.

Damals hatte der DTM-Chef die spektakuläre Idee, Rossi im BMW M4 DTM gegen seinen Zweiradkonkurrenten und Landsmann, MotoGP-Ass Andrea Dovizioso, im WRT-Audi RS 5 DTM in deren Heimatland gegeneinander antreten zu lassen.

Weil Ducati zur Audi-Gruppe zählt, war der einmalige Wechsel von Dovizioso auf vier Räder zwar überraschend, aber nachvollziehbar. Anders wohl als bei Rossi, für den es keine Verbindung zu BMW gab, wodurch sich der Berger-Plan, der auch wegen des Yamaha-Vertrages von Rossi scheiterte, nur zum Teil verwirklichen ließ.

Gerhard Berger zu Besuch auf Rossis Ranch 2019 - Foto: DTM
Gerhard Berger zu Besuch auf Rossis Ranch 2019Foto: DTM

Motorrad-Stars in der DTM

Ohne groß angelegte Vorbereitungen fuhr Dovizioso mit dem Class-One-Prototyp in Misano auf die Ränge 12 und 15 und zeigte mit seiner Leistung, dass die weltbesten Zweirad-Asse durchaus in der Lage sind, auch auf vier Rädern konkurrenzfähig agieren zu können - wie im Übrigen zuvor bereits Mike Hailwood, John Surtees oder Johnny Cecotto eindrucksvoll bewiesen haben.

Nun also soll Valentino Rossi zumindest nach dem Wunsch von Flasch der nächste BMW-Kandidat sein, der den erfahrenen Piloten in GT3-Sportwagen das Leben schwer machen soll. Dass der Superstar auf zwei Rädern dazu durchaus in der Lage sein könnte, zweifelt bei seinem Renntalent niemand ernsthaft an. Die Frage ist nur, welche Rennserie von diesem sensationellen Coup profitieren könnte.

Rossi auf der Nordschleife: Wie geht das?

Gerüchteweise wurde bereits kolportiert, dass Rossi seine Fähigkeiten in der NLS (ehemals VLN) zeigen und auf der Nordschleife wie viele andere vor ihm, zunächst lernen könnte. Dazu benötigt der Italiener aber die so genannte Nordschleifen-Permit und die hat er nach unseren Informationen definitiv nicht. Rossi müsste sich also, wie unzählige andere Rennfahrer vor ihm, zunächst in PS-schwächeren Fahrzeugen die Nordschleifen-Lizenz 'verdienen', bevor er auf dem Eifel-Kurs in einem GT3-Sportwagen sein Können zeigen darf.

Diesen Umweg könnte er sich in diversen anderen, weltweiten GT3-Sprint- und Langstrecken-Rennserien aber ersparen, was vor allem im Interesse von Gerhard Berger liegen dürfte, dessen Kontakt zu Rossi dem Vernehmen nach nie abgebrochen ist, wie er am Rande des diesjährigen DTM-Events in Zolder in einem exklusiven Motorsport-Magazin.com-Interview bestätigt hat. "Ich bin sicher, dass ich Valentino bei Gelegenheit einmal ansprechen werde. Dann können wir schauen, ob er Spaß an der DTM hätte. Ich würde mich natürlich riesig freuen."

Rossi sei ein toller Typ mit großem Charisma, der die MotoGP in den letzten Jahrzehnten geprägt hat, meinte Berger, der die damalige Ankündigung des Superstars in Misano, er würde nach seiner Zweirad-Karriere "als Fahrer in die DTM kommen", nicht auf die Goldwaage legen wollte: "Nein, ich möchte ihn nicht darauf festnageln. Solche Sprüche gibt es immer wieder. Manchmal ergibt sich etwas, manchmal nicht."

Berger: Rossi wäre Highlight in der DTM

Für Berger ist Valentino Rossi ohne Wenn und Aber ein "Ausnahmesportler", der auch im Rennauto bereits mehrfach eine gute Figur gemacht hat: "Ich erinnere nur an seine Formel-1-Testfahrten bei Ferrari." Natürlich wäre er für die DTM ein besonderes Highlight, betonte Berger - ebenso wie Andrea Dovizioso, Jean Alesi oder Keke Rosberg.

Fakt ist, dass die Motorrad-Ikone bereits mehrfach Rennen in GT3-Sportwagen von Ferrari bestritten hat, zuletzt im Januar dieses Jahres beim "Gulf 12hours" in Bahrain in einem von Kessel Racing eingesetzten 488 GT3, mit dem Rossi, sein Halbbruder Luca Marini sowie der langjährige persönliche Betreuer Alessio "Uccio" Salucci den vierten Platz in der Gesamtwertung sowie Rang drei in der Pro-Am-Klasse belegten. Bei der Ausgabe zuvor, die Ende 2019 in Abu Dhabi über die Bühne ging, gewann das italienische Kessel-Trio trotz einer Zeitstrafe die Pro-Am-Wertung und feierte auch im Gesamtklassement als Drittplatzierte einen Podiumplatz.

Mitte August bestätigte Rossi bei Servus TV, dass seine Fans 2022 mit einem "vollen Rennkalender" rechnen können, ohne dabei auf mögliche Rennserien näher einzugehen. Konkreter wurde er aber, was sein Traumziel wäre: Ein Start beim berühmten 24-Stunden-Rennen in Le Mans, bei dem man aufgrund eines neuen Reglements ab 2024 auch mit GT3-Sportwagen antreten kann...