Es läuft genauso wie es Motorsport-Experten vor dem Beginn der DTM-Saison 2021 erwartet hatten: Sophia Flörsch tut sich in ihrem ersten Jahr in der Traditionsrennserie mit dem ihr zuvor unbekannten Audi R8 LMS GT3 nicht leicht. Die 20-jährige Nachwuchspilotin wartet nach vier bestrittenen Rennwochenenden weiter auf ihre erste Punkteausbeute für das Team Abt Sportsline.

Ihre besten Resultate im Feld der GT3-Spezialisten und DTM-Profis waren vier 15. Plätze, zuletzt beim Lauf auf dem Red Bull Ring im österreichischen Spielberg. Positiv: Flörsch verbesserte sich in jedem ihrer bisherigen acht Rennen, in dem sie die Zielflagge sah, um mindestens drei Positionen.

Das Nürburgring-Wochenende verpasste Flörsch wegen einer länger feststehenden Überschneidung mit den 24 Stunden von Le Mans, wo sie gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Beitske Visser und Tatiana Calderon in Folge eines unverschuldeten Unfalls vorzeitig ausschied und nicht an das gute Rookie-Resultat beim 24h-Klassiker aus dem Vorjahr anknüpfen konnte.

Sophia Flörsch bestreitet ihre erste Saison in der DTM - Foto: Hoch Zwei
Sophia Flörsch bestreitet ihre erste Saison in der DTMFoto: Hoch Zwei

Flörsch: War klar, dass DTM hart wird

"Es war klar, dass mein erstes Jahr im Tourenwagensport hart wird", sagte Flörsch bei einer Pressekonferenz der DTM an diesem Mittwoch. "Dann direkt in der DTM, der härtesten Meisterschaft mit einem extrem hohen Level bei Fahrern und Teams. Es war nicht einfach bis jetzt, aber ich verbessere mich und will das Beste aus den letzten drei Rennwochenenden herausholen. Wir wollen uns weiter Rennen für Rennen verbessern."

Die nächste Gelegenheit erhält Flörsch am kommenden Wochenende im niederländischen Assen - eine Strecke, die die Münchnerin nur aus dem Simulator kennt. Dabei baut sie auf die Erfahrung ihres Abt-Teams aus Kempten, das den eigentlich für Motorräder ausgelegten Kurs aus der Vergangenheit kennt, nachdem die DTM seit 2019 auf dem TT Circuit zu Gast ist. Flörsch: "Ich sitze viel im Simulator und versuche so schnell wie möglich in den Rhythmus zu kommen."

Auch Flörsch weiter ohne Space-Drive-Lenkung

Wie schon in Spielberg, tritt Flörsch auch in Assen wieder mit einer herkömmlichen Lenkung in ihrem Audi R8 an. Vor dem vorangegangenen Wochenende hatten sich alle involvierten Parteien darauf geeinigt, das sogenannte Space-Drive-System mit einer Steer-by-Wire-Lenkung aus ihrem Abt-Audi sowie dem ROWE-BMW von Timo Glock auszubauen. Motorsport-Magazin.com berichtete exklusiv über den Vorgang und seine Hintergründe:

Flörsch sagte dazu nun: "Ich bin stolz, auf der technischen Seite helfen zu können. Aber neue Systeme brauchen eine Weile, um noch besser zu werden. Und in der DTM geht es sehr eng zu, das ist eine der am härtesten umkämpften Meisterschaften. Wir haben viele Daten gesammelt und zur Mitte der Saison gesagt, dass das ausreicht. Es hieß, dass ich eine normale Lenkung bekomme. Ich arbeite (abseits der DTM; d. Red.) weiter mit Space Drive und wir versuchen, die Software weiter zu verbessern."

Sophia Flörsch über ihre Zukunft im Motorsport

In Assen, auf dem Hockenheimring sowie beim Saisonfinale auf dem Norisring erhält Flörsch die Gelegenheit, sich weiter mit dem GT3-Boliden an der Seite des Meisterschaftsführenden Kelvin van der Linde und dem früheren DTM-Champion Mike Rockenfeller vertraut zu machen. Wie es nach ihrer Debüt-Saison in der DTM weitergeht, steht noch nicht fest.

Flörsch über ihre zukünftigen Aussichten im Motorsport: "Im Formelauto fühle ich am meisten zuhause. Ich bin noch jung und würde gerne in den Formelsport zurückkehren. Das ist mein Ziel für die nächsten zwei, drei Jahre. Aber in den Nachwuchskategorien ist das Racing ziemlich teuer. Gleichzeitig möchte ich den Fuß in der Tür beim Prototypen-Motorsport halten."

Sophia Flörsch startet für das Audi-Kundenteam Abt Sportsline - Foto: Gruppe C GmbH
Sophia Flörsch startet für das Audi-Kundenteam Abt SportslineFoto: Gruppe C GmbH

Flörsch: DTM-Saison beenden, dann weiterschauen

Im vergangenen Jahr bestritt Flörsch mit dem reinen Damen-Team von Richard Mille Racing erstmals die 24 Stunden von Le Mans in der LMP2-Kategorie. Parallel ging das Team in der European Le Mans Series an den Start, ab 2021 erfolgte er Aufstieg in die FIA-Langstreckenweltmeisterschaft WEC. Ab 2023 steigen Hersteller wie Porsche, BMW, Audi oder Ferrari in die neue Hypercar-Kategorie ein, die mit LMH (Le Mans Hypercar) oder LMDh (Le Mans Daytona hybrid)-Boliden Einsätze bei den weltweit wichtigsten Langstrecken-Rennen ermöglichen soll.

"Prototypen sind vergleichbar zu Formelautos und machen Spaß zu fahren", sagte Flörsch. "Die einzelne Performance und das Qualifying sind allerdings nicht so wichtig, es geht mehr um das Team und das Management der Rennen. Der Langstreckensport wird immer größer und es kommen viele Hersteller. Das ist ein guter Platz, um im Rennsport zu bleiben. Erst einmal beende ich aber die DTM-Saison, dann schauen wir weiter."