DTM - Japan-Experte Michael Krumm: So tickt die Super GT: (08:33 Min.)

Asia-Wochen in der DTM! Die japanischen Vertreter der Super GT haben nicht nur drei spektakuläre Rennwagen zum Saisonfinale mitgebracht, sondern auch ein ganz spezielles Flair. Nach den ersten beiden Tagen des ersten echten Aufeinandertreffens zwischen DTM und Super GT ist klar: Im japanischen Rennsport ticken die Uhren etwas anders als in Europa.

Einer, der es wissen muss, ist Michael Krumm. Den gebürtigen Reutlinger zog 1994 nach Japan, wo er von einheimischer Formel-3-Meisterschaft bis hin zur Super GT zahlreiche Erfolge in mehr als 20 Jahren feierte.

Der 49-jährige Japan-Experte gewährte am Hockenheimring spannende Einblicke in die Mentalität des asiatischen Motorsports, die sich in einigen Punkten doch stark von den hiesigen Verhältnissen unterscheidet.

Mehrfacher Meister: Michael Krumm fuhr über 20 Jahre lang Rennen in Japan - Foto: Nissan
Mehrfacher Meister: Michael Krumm fuhr über 20 Jahre lang Rennen in JapanFoto: Nissan

Etwa bei Fahrfehlern. Eindeutige Aussage von Krumm, der inzwischen als Nissan-Motorsportberater tätig ist: "Das darfst du nicht! Das ist peinlich, man crasht nicht. In Japan darfst du nicht abfliegen, da sind die ziemlich hart."

Diese Einstellung könnten am Freitag zwei Fahrer zu spüren bekommen haben. Im 1. Training knallte Nick Cassidy mit seinem Lexus LC 500 nach sechs Minuten auf regennasser Fahrbahn in die Streckenbegrenzung der Sachskurve. Nur 14 Minuten später verlor auch Tsugio Matsuda die Kontrolle über seinen Nissan GT-R und rutschte ins Kiesbett. Der Japaner konnte einen Einschlag zumindest vermeiden.

Michael Krumm: Meilensteine im Motorsport

Jahr Rennserie Erfolge
1989 Deutsche Formel Ford Meister
1990 Deutsche Formel Opel Lotus Meister
1994 Japanische Formel-3-Meisterschaft Meister
1997 All-Japan-GT-Meisterschaft Meister
2000 Formel Nippon Platz 2
2003 All-Japan-GT-Meisterschaft Meister
2011 FIA-GT1-Weltmeisterschaft Meister
1998-2015 7x 24h Le Mans (P3 mit Audi 2002) (P3 mit Audi 2002)
2010-2016 7x 24h Nürburgring (alle mit Nissan) (alle mit Nissan)

Obwohl es sich nur um ein Training handelte und der Gaststart der Super GT in Hockenheim eher Show-Charakter aufweist, kam diese Aktion intern nicht allzu gut an. Krumm: "In Japan sagt man: Die Fahrer verdienen genug Geld, die dürfen keine Fehler machen."

Dabei sehen sich die japanischen Vertreter im badischen Motodrom mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Die in der DTM genutzten Einheitsreifen von Hankook sind eine große Unbekannte für Honda, Nissan und Lexus. Am Freitag fuhr das Trio zum ersten Mal überhaupt auf den Hankook-Regenreifen, die sich im Vergleich zu den speziellen Entwicklungsreifen der Super GT stark unterscheiden.

Da kann selbst einem 14-fachen Rennsieger und zweifachen Super-GT-Champion (2014, 2015) wie Matsuda ein solcher Fehler unterlaufen. Ohnehin sind die Bedingungen für die Japaner alles andere als optimal beim ersten Aufeinandertreffen mit der DTM. Da die Saison in Japan noch läuft, sind in Hockenheim Testautos im Einsatz, die mehr wiegen und schlechter ausbalanciert sind als die Renn-Pendants.

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Nur am Donnerstag in zwei einstündigen Test-Sessions sowie bei den Freitagstrainings konnte sich die Super-GT-Fraktion mit den Gegebenheiten vertraut machen. Kein Wunder, dass die Setups noch nicht optimal waren - der Nissan war etwa viel zu hart eingestellt, wie Krumm erklärte.

Positiv überraschen konnte allerdings Jenson Button. Der frühere Formel-1-Weltmeister fuhr im Qualifying auf die sechste Position und erkämpfte sich im nachfolgenden Rennen Platz neun. "Wir müssen noch viel in der DTM lernen", sagte der Honda-Pilot. "Die Symmetrie unserer Autos ist für mehrere Reifenhersteller ausgelegt, auf die wir in Japan zurückgreifen können. Im Rennen waren unsere Reifendrücke nach einigen Runden viel zu hoch."

Während Button mit seinem Mittelmotor-Honda ein erstes Ausrufezeichen setzen konnte, lief es bei seinen Super-GT-Mitstreitern noch nicht nach Plan. Nissan erlitt auf dem Weg in die Startaufstellung ein Problem mit der Kardanwelle, der GT-R musste erst einmal zurück in die Box.

Doch innerhalb von nur 20 Minuten gelang es der Nismo-Truppe, das defekte Teil auszutauschen und den Nissan unter großem Beifall der Zuschauer doch noch ins Rennen zu schicken. Mit 17 Runden Rückstand überquerte Matsuda die Ziellinie, während Ryo Hirakawa mit dem Lexus LC 500 den 13. Platz errang.

Die Japaner betrachten das Hockenheim-Wochenende eher als einen Testlauf für das am 23./24. November folgende 'Dream Race' mit der DTM in Fuji - blamieren will man sich auf deutschem Boden jedoch nicht, das gebietet allein die sportliche Ehre.

"Es ist unangenehm, wenn wir Letzter werden", weiß Krumm, der 1989 in der deutschen Formel 3 unter anderem gegen Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und den damaligen Meister Karl Wendlinger antrat. "Wir kommen hier noch nicht ganz mit, das akzeptiert man im Moment. Das Level in der DTM ist auch extrem hoch. Wir nutzen das jetzt als Testchance, damit wir in Fuji einen besseren Fight haben."

DTM x Super GT: 21 Autos beim Finale in Hockenheim - Foto: DTM Media
DTM x Super GT: 21 Autos beim Finale in HockenheimFoto: DTM Media

Bei den Rennen auf der früheren Formel-1-Strecke kommen erneut die Hankook-Reifen zum Einsatz. Die Verwendung der Überholhilfen DRS und Push-to-Pass, die in Hockenheim nur den DTM-Autos zur Verfügung stehen, ist in Fuji hingegen verboten.

"Ich glaube, dass es in Fuji wesentlich besser sein wird für die Super-GT-Autos", sagte Button, der auch das Sonntagsrennen auf dem Hockenheimring (ab 13:00 Uhr live bei Sat.1 und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) für Honda bestreiten wird.