Edoardo Mortara hat das Hauptrennen der DTM am Nürburgring für sich entshcieden. Dank einer taktischen Meisterleistung von Audi fuhr der Italiener von Startplatz sechs zum Sieg und wahrte damit seine Meisterschaftschancen. Lucas Auer fuhr an seinem 22. Geburtstag auf den zweiten Platz, das Podium komplettierte Marco Wittmann. Einen herben Rückschlag kassierte Jamie Green, der nach einer Kollision eine Durchfahrtsstrafe erhielt und ohne Punkte blieb. Robert Wickens erwischte erneut einen schwarzen Tag, der Meisterschaftszug für den Kanadier fährt allmählich ab.

Die Startaufstellung: Der Schnellste vom Samstag setzte auch die Quali-Bestzeit am Sonntag. Doch anders als am Vortag nahm Lucas Auer - der seinen 22. Geburtstag feierte - das Rennen auch vom ersten Startplatz aus auf. Marco Wittmann legte erneut ein tadelloses Zeittraining hin und wurde Zweiter, gefolgt von vielen Markenkollegen: Bruno Spengler, Tom Blomqvist und Augusto Farfus bildeten einen Puffer nach hinten. Edoardo Mortara und Jamie Green als verblieben Titelkandidaten für Audi folgten auf den Plätzen sechs und sieben. Ein erneutes Desaster erlebte Robert Wickens: Die Speerspitze von Mercedes reihte sich auf einem indiskutablen 17. Platz ein.

Lucas Auer fuhr an seinem Geburtstag auf die Pole - Foto: DTM
Lucas Auer fuhr an seinem Geburtstag auf die PoleFoto: DTM

Die Performance-Gewichte: Ein Mercedes, gefolgt von vier BMW - dennoch mussten die Stuttgarter fünf Kilo zuladen, während BMW unverändert blieb. Audi durfte fünf Kilo herausnehmen. Mercedes ging dadurch mit enormen 1.135 Kilo ins Rennen, BMW kam auf 1.117,5 Kilo, Audi hatte die mit Abstand leichtesten Boliden - gerade einmal 1.110 Kilo und damit 25 Kilo weniger als Mercedes brachten sie auf die Waage.

Der Start: Lucas Auer verteidigte seine Führung vor Marco Wittmann und Bruno Spengler. Dahinter erwischte das Audi-Duo einen starken Start: Mortara schob sich an zwei BMW vorbei auf Rang vier, Jamie Green machte einen Platz gut und reihte sich auf Rang sechs ein. Tom Blomqvist büßte einige Plätze ein und fand sich auf Rang sieben wieder. Im Hinterfeld gab es einen Dreher von Timo Glock. Auslöser war Paul Di Resta, der ihn am Heck erwischte. Der Schotte musste am Ende der Runde seinen Boliden mit kaputter Lenkung an der Box abstellen, Glock konnte weiterfahren.

Der Rennverlauf: Anders als Marco Wittmann tags zuvor konnte sich Lucas Auer nicht direkt an der Spitze absetzen. Ein wahrscheinlicher Grund: Sein deutlich schwereres Auto. Wittmann hielt Kontakt auf Rang zwei, Spengler schaffte es zunächst, eine kleine Lücke auf Mortara aufzumachen. Auer hielt in der Folge das Feld etwas auf, Wittmann riskierte jedoch in den Anfangsrunden keinen Angriff auf den Österreicher. Erneut keine Aufholjagd konnte Robert Wickens starten, er hing auf Rang 15 fest.

Robert Wickens blieb am Sonntag komplett ohne Punkte - Foto: DTM
Robert Wickens blieb am Sonntag komplett ohne PunkteFoto: DTM

Während sich die ersten vier absetzten, versuchte Green verzweifelt, an Farfus vorbeizukommen. Dieser jedoch verteidigte seinen Platz. Dahinter musste Blomqvist seinen Platz an Gary Paffett abtreten. Green jedoch verlor massiv Zeit hinter Farfus, Audi beschwerte sich über absichtliches Blockieren.

In Runde 14 begann die Serie der Boxenstopps. Farfus, Blomqvist und Wickens kamen zuerst. Gegen Farfus wurde sofort danach eine Untersuchung wegen Unsafe Release eingeleitet. Den gewonnenen Freiraum nutzte Green, um Top-Zeiten zu setzen. Eine Runde später kam Paffett in die Box, er verteidigte seinen Platz hart, aber fair gegen Blomqvist und reihte sich hinter Farfus ein. Für den Brasilianer kam es aber knüppeldick: Er bekam wegen Unsafe Release eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe.

Strategie entscheidet das Rennen

Das Führungsduo kam in Runde 18 an die Box - mit Folgen. Zwar blieb Auer vorne, doch Wittmann verlor einen Platz an seinen Markenkollegen Bruno Spengler, der eine Runde früher an die Box kam. Weiterhin keinen Stopp legten zunächst die beiden Audi-Fahrer Mortara und Green ein. Ihre Zeiten jedoch waren deutlich langsamer, als derer, die bereits ihre Reifen gewechselt hatten. Im Mittelfeld räumte Miguel Molina Felix da Costa ab, Felix Rosenqvist wurde wegen Unsafe Release mit einer Durchfahrtsstrafe bestraft.

Jamie Green kassierte einen empfindlichen Rückschlag - Foto: Audi
Jamie Green kassierte einen empfindlichen RückschlagFoto: Audi

In Runde 23 kam Green dann zu seinem Boxenstopp, bei seiner Ausfahrt aus der Box räumte er Gary Paffett ab, der mit Überschuss kam und außen herum überholen wollte. Das imaginäre Führungstrio Auer, Spengler und Wittmann lief in der Folge auf Adrien Tambay auf, der seine Position spürbar verteidigte und Mortara an der Spitze Zeit verschaffte. Gegen Green verhängte die Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe, was die Titelambitionen des Briten enorm schwächte. Edoardo Mortara an der Spitze wartete immer noch auf seinen Boxenstopp, Tambay hielt seine Gegner in Schach. BMW beorderte Wittmann an Spengler vorbei, in Runde 27 kamen Auer und Wittmann an Tambay vorbei.

Mortara fliegt an Auer vorbei

Seinen Boxenstopp absolvierte Mortara dann eine Runde später - und der taktische Kniff ging auf! Mortara kam vor Wittmann aus der Box und spülte sich damit auf den zweiten Platz hinter Lucas Auer. Mit den nun frischeren Reifen setzte sich der Italiener vom Meisterschaftsführenden deutlich ab. Und nicht nur das: Er startete den Angriff auf Lucas Auer an der Spitze. Mit frischen Reifen und DRS setzte der Audi-Fahrer das Geburtstagskind unter Druck. Elf Minuten vor Rennende dann der erfolgreiche Angriff: Mortara flog regelrecht an Auer vorbei und übernahm die Führung.

Im Kampf um Rang vier kam es zu einem Zwischenfall zwischen Spengler und Mattias Ekström. Der Audi-Pilot - deutlich schneller unterwegs - rammte am Ende der Start/Ziel-Geraden den Kanadier weg. Um eine Strafe zu vermeiden, ordnete Audi den sofortigen Platztausch an. Dieser erfolgte, das Überholmanöver war jedoch nur aufgeschoben. Eine Runde später ging der Schwede vorbei und machte Jagd auf Marco Wittmann. Dieses Duell zog sich bis in die letzte Runde, um drei Zehntelsekunden hielt sich Wittmann schlussendlich auf Rang drei.

Mortara siegte ungefährdet und steht nun bei 137 Punkten. Spitzenreiter bleibt Marco Wittmann mit nun 170 Zählern. Robert Wickens und Jamie Green blieben ohne Punkte und bleiben bei ihren 120 bzw. 119 Punkten stehen. Damit entwickelt sich der Titelkampf vier Rennen vor dem Ende zum Zweikampf zwischen Wittmann und Mortara.

Die Strategie: Gleich in der ersten möglichen Runde, Umlauf 14, kamen die ersten Fahrer an die Box. Die Spitze wartete ein paar Runden länger. Bruno Spengler kam in Runde 17, Marco Wittmann und Lucas Auer eine Runde später. Der frühe Stopp des Kanadiers sorgte dafür, dass er an Wittmann vorbei kam. Das Audi-Duo Mortara und Green wartete länger mit dem Boxenstopp. Green kam in Runde 24, während Mortara weiter draußen blieb. Mit Schützenhilfe von Tambay sollten die Verfolger in Schach gehalten werden, um dennoch einen ausreichenden Vorsprung herauszufahren.

Adrien Tambay kam eine entscheidende Rolle zu - Foto: Audi
Adrien Tambay kam eine entscheidende Rolle zuFoto: Audi

In Runde 28 absolvierte Mortara dann seinen Boxenstopp. Und tatsächlich kam der Italiener vor Wittmann auf die Strecke zurück! Damit übernahm er den bereinigten zweiten Platz hinter Auer, für die Meisterschaft war es jedoch ein Coup von Audi.

Die Zwischenfälle: Am Start platzten die letzten Titelträume für Paul Di Resta. Im Sandwich mit Timo Scheider, räumte er in Kurve 1 Timo Glock ab. Für Di Resta war das Rennen in der Folge beendet, mit einer kaputten Lenkung rettete er sich an die Box. Eine Untersuchung leiteten die Rennkommissare gegen Antonio Felix da Costa ein, der Maximilian Götz von der Strecke abgedrängt hatte. Die Entscheidung fiel auf eine Verwarnung. Götz sorgte auch wenig später für Aufregung, in Kurve 1 rammte er Mike Rockenfeller und beschädigte sein Heck.

Den nächsten Vorfall gab es in Runde 21, als Miguel Molina Felix da Costa umdrehte. Ebenfalls wegen Unsafe Release leitete die Rennleitung eine Untersuchung gegen Felix Rosenqvist ein. Nach seinem Boxenstopp beging Jamie Green einen schweren Fehler und rammte Gary Paffett um.

Die Strafen: Antonio Felix da Costa bekam eine Verwarnung ausgesprochen, nachdem er Maximilian Götz von der Strecke drängte. Für den Portugiesen war es die dritte Verwarnung, er startet in Budapest fünf Plätze weiter hinten. Ebenfalls eine Verwarnung erhielt Götz für den Vorfall mit Rockenfeller. Kurz darauf hagelte es auch noch eine Fünf-Sekunden-Strafe für den Mercedes-Piloten. Wegen Unsafe Release in der Boxengasse bekam Augusto Farfus eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe. Rosenqvist erhielt wegen seines Unsafe Release eine Durchfahrtsstrafe. Auch Jamie Green kassierte nach seiner Kollision mit Gary Paffett eine Durchfahrtsstrafe.

Top-Facts zum Rennen

  • Edoardo Mortara siegt am Nürburgring
  • Italiener neuer Zweiter in der Meisterschaft
  • Keine Punkte für Wickens und Green
  • Wittmann bleibt Führender in der Meisterschaft

Die Stimmen zum Rennen

Edoardo Mortara, Sieger: Für mich war es ein perfektes Sonntagsrennen. In der Qualifikation habe ich ehrlich gesagt viele Fehler gemacht - es hätte besser laufen können. Dann hatte ich einen guten Start und eine gute erste Rennhälfte. Ich habe auf meine Zeit gewartet, auf die Reifen geachtet. Dann sind die vor mir an die Box. Ich habe dann gepusht und bin draußen geblieben. Die Strategie war perfekt, wir hatten einen super Boxenstopp. Ich konnte Lucas angreifen. Das erste Manöver war gut. Dann hab ich das Rennen gewonnen.

Lucas Auer, 2. Platz: Ich bin sehr happy. Die Doppel-Pole war super. Ich war sehr happy mit Platz zwei im Rennen. Es war hart gegen Marco am Anfang, gegen Edo konnte ich dann nicht viel ausrichten. Ich hab hier einen guten Flow, ein gutes Setup, ich bin auf hohem Level hier in allen drei Sektoren. Super Arbeit von Mücke und Mercedes!

Marco Wittmann, 3. Platz: Ein fast perfektes Wochenende! Zweimal auf dem Podium, das passiert nicht oft in der DTM. Deshalb bin ich sehr happy, auch für mein Team. Ich hatte heute ein bisschen besseres Ergebnis angepeilt, aber es war ok. Ich hatte viel Druck von Eki, ich hab ihn gefühlt, als er mich in der letzten Schikane gepusht hat. Es war ein harter Kampf. Ich wusste, dass er stark ist. In der letzten Runde hatte er DRS und ich musste mich verteidigen. Am Ende konnte ich mich verteidigen und wurde Dritter.