Mercedes hat für die Saison 2016 sein DTM-Auto gewechselt. Die Straßenversion der C-Klasse für die normalen Kunden wurde von einer neuen ersetzt. Daher musste der Hersteller in der aus Marketing-Sicht besonders wichtigen Rennserie nachziehen. Schließlich sollen die Fahrzeuge dort dem aktuellen Serienmodell ähneln. Bei Fans und Kunden käme es eher schlecht an, wenn die Karosserie in der DTM noch wie die des alten Straßenautos aussähe.

Die neue Mercedes C-Klasse darf nicht völlig neu sein

Doch die Neuerungen am Auto bergen auch ein gewisses Risiko. Denn die Fahrzeuge der DTM sind homologiert. Dies bedeutet, dass technische Bauteile zu einem gewissen Zeitpunkt eingefroren werden. Beispiel Formel 1: Die Hersteller müssen dort bis Ende Februar ihre Power Units von der FIA homologieren lassen. Dabei wird bis ins Detail erfasst, wie die Antriebseinheit aussieht. Von da an darf sie nur noch unter gewissen Auflagen geändert werden. In der DTM werden sehr viele Teile homologiert, auch am Chassis. Das Problem ist also: Mercedes musste das neue Auto auf jene bestehenden, homologierten Teile aufbauen, die nicht verändert werden durften.

Das Mercedes-DTM-Team stellt sich vor: (27:23 Min.)

Maßgeblich ist dabei die sogenannte Designlinie. Sie ist virtuell und verläuft einmal rund um das Auto. Unterhalb dieser Grenze darf aerodynamisch und mechanisch nichts verändert werden. An der Front des Fahrzeugs stimmt diese Linie nahezu mit der Stoßstange überein. Seitlich führt sie auf gleicher Höhe - parallel zum Boden - nach hinten. Sie spart dabei jedoch die vier Radkästen aus, die dementsprechend unterhalb der Designlinie liegen. Hinten geht es zunächst wieder in etwa auf Höhe der Stoßstangen weiter. In der Mitte des Hecks wird die Zone, in der geändert werden darf, noch einmal nach unten erweitert (siehe Abbildung).

Die blaue Linie ist die Designlinie. Im Bereich darunter darf nichts geändert werden. Die obere Abbildung ist die Seitenansicht, die mittlere das Heck, unten die Front. Zum Vergrößern bitte auf die Abbildung klicken - Foto: DTM
Die blaue Linie ist die Designlinie. Im Bereich darunter darf nichts geändert werden. Die obere Abbildung ist die Seitenansicht, die mittlere das Heck, unten die Front. Zum Vergrößern bitte auf die Abbildung klickenFoto: DTM

Die aktuell gültige Homologation wurde bereits vor mehr als eineinhalb Jahren durchgeführt. Der obere Teil der C-Klasse für 2016 musste mühsam an den damaligen Stand der Dinge angepasst werden. Die Herausforderung, so Teamchef Fritz, liege nun dementsprechend darin, unter diesen Umständen so viel wie möglich Performance herauszuholen.

Wird der Modellwechsel für Mercedes in der DTM wegen der Homologationsvorschriften sogar zur Gefahr? Schließlich konzipierten die Ingenieure das aerodynamische Konzept anhand des damaligen Autos. Fritz: "Das ist definitiv nicht auszuschließen. Das alte Fahrzeug konnte man ganzheitlich entwickeln. Die Aerodynamik unter der Designlinie war abgestimmt auf die Aerodynamik über der Designlinie. Das ist beim neuen Auto tendenziell nicht der Fall."

Bei BMW klappte die Umstellung vom M3 auf den M4

Die Ingenieure, versicherte der Teamchef, arbeiteten hart an diesem Thema. "Aber man muss ehrlich sagen, die optimale Variante ist das natürlich nicht. Wenn man sowas macht, würde man sich wünschen, ein komplett neues Auto zu entwickeln. Aber vor dem Hintergrund des DTM-Reglements, wo es eben auch um Kostenersparnis geht, ist das nicht möglich", bedauerte Fritz. Letztlich müsse man mit dem Reglement klarkommen, wie es nun einmal sei, betonte er. Bei BMW klappte die letzte Modell-Umstellung recht gut. Als 2014 der M4 den M3 ablöste, verlor der Hersteller zwar den Markentitel an Audi, konnte jedoch Marco Wittmann als Champion feiern und lag auch bei den Teams vorne.

Ulrich Fritz, DTM-Teamchef bei Mercedes, muss noch abwarten, ob sich die neue C-Klasse bewährt - Foto: Sutton
Ulrich Fritz, DTM-Teamchef bei Mercedes, muss noch abwarten, ob sich die neue C-Klasse bewährtFoto: Sutton

Bei den Testfahrten im Februar 2016 im spanischen Monteblanco ließ sich die Leistungsfähigkeit des neuen Mercedes jedenfalls noch nicht wirklich prüfen. Unter anderem lag das am deutlich überdurchschnittlichen Grip-Niveau der dortigen Strecke. "In Monteblanco kann man nicht viel lernen im Vergleich mit den anderen DTM-Kursen", so Fritz. Daher weiß der Hersteller noch nicht, wo er im Vergleich zur Konkurrenz steht. Mercedes setzt entsprechend große Hoffnungen in die nächsten Tests, die vom 5.-8. April in Hockenheim stattfinden. Dort startet Anfang Mai auch die neue Saison.