Der Funk-Skandal von Audi war in den vergangenen Tagen zum Mainstream-Thema geworden. Weltweit wurde über den äußerst kontroversen Vorfall beim DTM-Rennwochenende auf dem Red Bull Ring berichtet. Vor allem über Timo Scheider war zuletzt ein Shitstorm hereingebrochen, dessen Ausmaße so ziemlich alles zuvor Dagewesene in der Tourenwagenserie in den Schatten stellten. In hunderten Kommentaren auf Facebook und Twitter wurde der zweifache DTM-Champion zum Teil hart angegangen, musste dabei auch üble Beschimpfungen weit unterhalb der Gürtellinie über sich ergehen lassen.

Am Mittwoch meldete sich Scheider selbst zu Wort. "Die letzten Tage sind nicht wirklich einfach gewesen", schrieb der Audi-Pilot. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht! Was passiert ist, kann man nicht mehr ändern aber daraus lernen..." Gegen eine ordentliche Diskussion rund um den Fall sei laut Scheider nichts einzuwenden. Doch gegen die nicht selten ausfallenden Anfeindungen wehrte er sich. Scheider dazu: "Tut mir bitte nur einen Gefallen für meine Familie und Dr. Wolfgang Ullrich, lasst diese beleidigenden Beschimpfungen! Ich akzeptiere jede Meinung, solange sie sachlich ist!"

Abt: Glaubt ihr, früher war es anders?

Die massiven Anfeindungen in den sozialen Netzwerken gegen Scheider veranlassten mehrere Rennfahrer und Protagonisten des Motorsports dazu, sich zum Thema zu äußern und unangemessene Kommentare zu verurteilen. Am Mittwochabend griff Christian Abt, früherer DTM-Rennfahrer und heutiger Teamchef, Partei für Scheider.

"Ich kann es echt nicht mehr lesen was den ganzen Tag geschrieben wird", teilte Abt auf seiner Facebook-Seite mit. "Glaubt ihr es war früher anderes? Nein. Ihr solltet euch mal die Rennen von damals anschauen, z.B. Singen oder Barcelona und dann gehen Euch die Augen auf was Hersteller sich schon alles so erlaubt haben. Das ist Motorsport und keine Kaffeefahrt..."

Scheider und Abt 2007 beim Ball des Sports - Foto: DTM
Scheider und Abt 2007 beim Ball des SportsFoto: DTM

Skandal-Potenzial schon in der Vergangenheit

Es ist durchaus anzunehmen, dass es schon in der Vergangenheit äußerst kontroverse Aktionen gab - nicht nur in der DTM - die für großen Wirbel gesorgt hätten. Im Gegensatz zur "Timo, schieb ihn raus"-Affäre waren diese allerdings nicht derart publik geworden. "Wenn die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren alles mitbekommen hätte, was so am Teamfunk während eines Rennens gesagt wird, hätte es schon einige Skandale gegeben...", bestätigte auch der ehemalige DTM-Champion Manuel Reuter im Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Abt, der von 2000 bis 2007 für Audi in der DTM antrat, weiter: "Früher haben wir Fahrer das auf der Rennstrecke geklärt heute passiert es über Facebook und Twitter. Das ist in meinen Augen kein Motorsport mehr. Lasst einfach die Leute für Euch Unterhaltung machen und weiter leben. Wenn nichts in der DTM passiert beschwert Ihr Euch den ganzen Tag über das Erfolgsgewicht, also seid doch froh, dass es mal endlich auf der Strecke zur Sache geht."

Abt: Spitze gegen Mercedes

Gleichzeitig wandte sich Abt in Richtung Mercedes-Lager. Die Stuttgarter waren nach dem Ausfall von Robert Wickens und Titelkandidat Pascal Wehrlein unmittelbar nach dem Rennen hart mit Scheider ins Gericht gegangen. Abt dazu, ohne konkrete Namen zu nennen: "Was mich ein bisschen schockiert ist, dass so ein junger Fahrer der nicht mal in der Lage ist so eine minimale Berührung abzufangen so über Audi herzieht. Hier wäre mal ein Fahrsicherheitstraining angebracht :-)) oder er soll sich mal die Aufzeichnungen von früher anschauen wie DTM gefahren wurde..."

Seinen nächsten öffentlichen Auftritt hat Scheider in gut einer Woche auf dem Nürburgring. Dort tritt der 36-Jährige mit seinem neu geschaffenen Formelnachwuchs-Team in der ADAC Formel 4 an. Mit einer Ausnahme war Scheider bei jedem der bislang vier Rennwochenenden vor Ort gewesen und hatte seine Nachwuchstalente, darunter auch Aufsteiger aus seinem langjährigen Kart-Team, unterstützt.