Pascal Wehrlein hat das Sprintrennen auf dem Norisring gewonnen. Dabei profitierte er insbesondere von der richtigen Reifenwahl. "Ganz ehrlich: Das war die Entscheidung von meinem Ingenieur", sagte der spätere Sieger bescheiden. Plötzlicher Regen vor dem Start hatte für einige Konfusion im Grid gesorgt. Vor allem Mercedes setzte auf Regenreifen und dominierte entsprechend die Anfangsphase mit rund vier Sekunden schnelleren Rundenzeiten gegenüber der Konkurrenz auf Slicks.

Christian Vietoris, Robert Wickens, Gary Paffett und Paul di Resta fuhren in der ersten Hälfte des Rennens ein großes Polster auf Wehrlein, den ersten Slick-Fahrer, heraus. In Runde 15 holte sich Gary Paffett als erster der Regenreifen-Starter die Slicks. Doch der Poker ging sich nicht aus - der Brite steuerte hinter Wehrlein zurück auf die Strecke. Dasselbe blühte den anderen Regenreifen-Kollegen eine Runde später.

Jamie Green und Audi kamen in Nürnberg nicht über Rang sieben hinaus - Foto: Audi
Jamie Green und Audi kamen in Nürnberg nicht über Rang sieben hinausFoto: Audi

Green als bester Audi nur Siebter

Im weiteren Verlauf schnupfte Wickens Vietoris auf und schob sich so hinter Wehrlein auf Platz zwei. Wenig später zog auch Paffett vorbei an Vietoris. Dahinter sortierten sich die BMW von Augusto Farfus und Bruno Spengler (P5 & P6), vor Jamie Green im ersten Audi (P7), ein. Martin Tomczyk, Marco Wittmann und Daniel Juncadella komplettierten die Top-10. Im letzten Renn-Viertel verlor Farfus schließlich drei Positionen an Spengler, Green und Tomzcyk, wobei Letzterer seinerseits Green überholte.

"Es ist ungewohnt für mich eine Siegerehrung von unten zu beobachten. Es ist halt eine andere Situation dieses Jahr. Ich bin zufrieden mit Ergebnis heute. In der ersten Kurve war es sehr nass und mit Trockenreifen schwer, deshalb habe ich da Plätze verloren. Ich wollte dann einfach warten, bis es abtrocknet. Als Führender in der Gesamtwertung geht man eben mit weniger Risiko ran. Ich finde das Ergebnis nicht schlecht", sagte Green.

Nummer sicher an der Spitze

Ganz vorne spitze sich der Kampf um den Sieg unterdessen zwischen den vier Mercedes - "Mercedes Quattro", Norbert Haug - heftig zu. Nur zwei Sekunden trennten Wehrlein an der Spitze von Vietoris auf P4. Einen Angriff wagte jedoch keiner mehr. Wehrleins Sieg war perfekt. "Mein Rennen war das vor dem Stopp, dann musste ich die Fahrer nur noch hinter mir halten. Dann war es eine komfortable Situation für mich. Ich durfte dann einfach keine Fehler mehr machen. Mercedes will sich ja auch nicht gegenseitig rausschießen, aber ich glaube sie hätten mich nicht gekriegt", sagte der Sieger.

Das bestätigt Robert Wickens. "Ich bin mit den Regenreifen los, wir sind eine gute Strategie gefahren. Slicks wären ein Risiko gewesen. Pascal war auch der Einzige, der mit Slicks heute Boden gut gemacht hat. Der zweite Platz ist ein tolles Ergebnis. Wir wollten Punkte holen und das haben wir gemacht", sagte der Kanadier. "Es war eine knappe Geschichte, aber er (Wehrlein) hat es gut gemacht. Mit Slicks gestartet und dann die Regenreifen. Er hat profitiert", lobt TV-Experte Norbert Haug.

Die Startaufstellung: Christian Vietoris sicherte sich im Qualifying auf abtrocknender Strecke die Pole. Mercedes-Kollege Gary Paffett startete ebenfalls aus Reihe eins. Gesamt-Spitzenreiter Jamie Green durchbrach mit seinem Audi als Dritter die Mercedes-Phalanx an der Spitze - als Vierter respektable Fünfter starteten Paul di Resta und Pascal Wehrlein. Augusto Farfus schob den besten BMW auf Platz sechs. Mattias Ekström musste sich mit Startplatz 21 begnügen.

Gary Paffett erobert am Start kurz die Führung - Foto: Mercedes-Benz
Gary Paffett erobert am Start kurz die FührungFoto: Mercedes-Benz

Das Wetter: Kurz vor dem Start öffnete plötzlich der Himmel seine Schleusen. Nachdem die Strecke im Lauf des Qualifyings bereits weitestgehend abgetrocknet war, starteten die Piloten in Nürnberg also auf nasser Fahrbahn - Regenreifen erlaubt. Mit Erlöschen der Startampel endete der Niederschlag jedoch wieder. Welche Reifen nun richtig waren? "Ein Lotterie-Spiel", sagte Hankook-Motorsportchef Manfred Sandbichler. Mercedes entschied sich tendenziell eher für Regenreifen (Ausnahme Wehrlein), Audi (Ausnahme Rockenfeller) und BMW eher für Slicks.

Der Start: Mit Regenreifen gestartet, gehörten die Mercedes auf nasser Piste durch die Bank zu den Gewinnern des Starts. Gary Paffett beschleunigte Christian Vietoris vor der Grundig-Kehre aus, doch sein Markenkollege konterte beim Umlegen und behielt die Führung. Dahinter schnappten sich Robert Wickens und Paul di Resta Jamie Green, der in der Folge bis auf Rang elf durchgereicht wurde. Zu den größten Gewinnern gehörte Mike Rockenfeller, der auf Regenreifen von ganz hinten Richtung Top-10 nach vorne preschte.

Die Zwischenfälle: Unmittelbar nach dem Start kam es nach der Grundig-Kehre zu einem großen Chaos. Lucas Auer drehte Miguel Molina um, beide standen quer zur Fahrbahn - das Safety Car kam kurz auf die Strecke. Miguel Molina kassierte wegen eines Frühstarts zudem eine Durchfahrtsstrafe. Mitte des Rennen berührten sich Paul di Resta und Jamie Green heftig, der Mercedes wurde beschädigt. Eine Strafe gab es nicht - Rennunfall.

Die Ausfälle: Bereits nach sechs Runden stellte Maxime Martine seinen BMW an der Box ab. Weitere sechs Runden später war auch für Markenkollege Tom Blomqvist Feierabend. In Runde 17 gesellte sich auch Paul di Resta in Folge der Berührung mit Spengler in die Gruppe der Ausgefallenen. Auch Maximilian Götz schied nahzu zeitgleich aus.

Der Meisterschaftsstand: Trotz seines schwachen siebten Platzes vergrößerte Jamie Green seinen Vorsprung in der Fahrerwertung auf Mattias Ekström und Edoardo Mortara, die punktlos blieben, auf 23 Punkte. Pascal Wehrlein fehlen auf Rang vier 24 Zähler bis zur Spitze.

Die Top-Facts zum Rennen

  • Regenlotterie am Start
  • Vierfach-Sieg für Mercedes
  • Sieg für Pascal Wehrlein
  • Audi chancenlos
  • BMW mit Achtungserfolg