Como éstas, liebe Motorsport-Magazin.com-Leser,

am vergangenen Wochenende habe ich mal wieder das Auto gewechselt: BMW Z4 GT3 statt BMW M4 DTM - Zeit für das 24h-Rennen auf der Nordschleife! Nachdem ich im Top-30-Qualifying die Pole Position herausgefahren hatte, beendeten wir das Rennen schließlich auf dem vierten Platz. Schade, dass es nicht mit dem Podium geklappt hat. Vom Potenzial her hätten wir es schaffen können.

Es war übrigens schon das sechste Mal, dass ich beim 24h-Rennen auf der Nordschleife startete. Als ich vor vielen Jahren erstmals von dieser Strecke hörte, dachte ich: Ja ja, das ist wieder so eine verrückte deutsche Geschichte... Nachdem ich dann die erste Runde auf der Nordschleife gefahren war, habe ich mich sofort in sie verliebt!

Augusto startete für das BMW Sports Trophy Team Marc VDS - Foto: Patrick Funk
Augusto startete für das BMW Sports Trophy Team Marc VDSFoto: Patrick Funk

Nordschleife verändert dein Leben!

Wer verstehen möchte, wie wir Rennfahrer ticken, muss hier mal eine Runde drehen. DTM- und Formel-1-Strecken sind natürlich klasse - aber die Nordschleife ist wirklich einzigartig. Erst wenn du mal eine Runde nahe am Limit gefahren bist, verstehst du, was das alles wirklich bedeutet. Wenn ich mich zum Beispiel mit Formel-1-Fahrern über die Nordschleife unterhalte, die dort noch nie ein Rennen gefahren sind, werde ich manchmal etwas belächelt. Aber ich sage: Es verändert dein Leben!

Das muss man sich mal vorstellen: Von den über 70 Kurven hier fahren wir nur ganz wenige im 2. Gang. Die meisten Kurven durchfahren wir im dritten, vierten oder fünften Gang bei Durchschnittsgeschwindigkeiten um die 180 km/h. Das ist schon verrückt, aber ich finde es einfach fantastisch. Obwohl die Strecke gut 20 km lang ist, kannst du dich an keinem Punkt ausruhen.

Die Nordschleife fühlt sich ein wenig an wie ein Rennen auf einem Stadtkurs. Alles ist sehr eng und bis auf einen Grasstreifen hast du eigentlich keine Auslaufzonen. Es fühlt sich an, als ob du ständig durch einen Tunnel fahren würdest. Du musst dir deine Energie gut einteilen. Wenn die DTM ein 100-Meter-Sprint ist, dann ist die Nordschleife wie ein Marathon.

Es war Augustos 6. Teilnahme beim 24h-Rennen - Foto: Patrick Funk
Es war Augustos 6. Teilnahme beim 24h-RennenFoto: Patrick Funk

Schlüssel: Team ohne Egomanen

Das Wichtigste für mich beim 24h-Rennen ist der Zusammenhalt innerhalb des Teams. Du teilst dir ein Auto mit drei Teamkollegen - da muss nicht nur die Körpergröße, sondern auch die Chemie stimmen. Es ist ganz entscheidend, dass du keine Fahrer mit einem riesengroßen Ego im Team hast. Manchmal wollen Rennfahrer ihrem Arbeitgeber oder Teamchef beweisen, wie gut sie sind. Beim 24h-Rennen geht es aber nicht darum, zu sagen: "Hey, BMW, schaut her, ich bin der schnellste Fahrer!"

Ich habe mich zum Beispiel vielmehr bei meinen Teamkollegen Dirk Adorf, Nick Catsburg und Jörg Müller bedankt, nachdem wir gemeinsam beschlossen hatten, dass ich das Top-30-Qualifying fahre. Da war jeder im Team happy, da ging es nicht um Egos. Das Teamwork ist wirklich ein echtes Vergnügen. Du hilfst dir gegenseitig und teilst deine Informationen mit den Teamkollegen. Das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg bei einem solch langen Rennen.