Warum war der Sieg für BMW so besonders?

BMW ist weiter in der Erfolgsspur unterwegs. Auch wenn es das erste Rennen des Jahres war: Saisonübergreifend war es der vierte Sieg in Folge, zuvor sorgten Bruno Spengler in Oschersleben und Hockenheim sowie Augusto Farfus in Valencia für BMW-Erfolge. "Ich muss der ganzen Mannschaft ein riesiges Kompliment aussprechen – und vor allem natürlich Augusto Farfus und Dirk Werner, die uns den ersten Doppelsieg nach unserem DTM-Comeback beschert haben", jubelte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt.

Wie kam Dirk Werner so weit nach vorne?

Eigentlich hatte Dirk Werner das Wochenende schon abgehakt und wollte am Sonntag schon fast nicht mehr an die Strecke kommen. Er hat es doch getan und es hat sich gelohnt. Neben den neuen Regeln, die das Überholen erheblich erleichtern, profitierte Werner auch von der Safety-Car-Phase, die er für seinen ersten Boxenstopp nutzen konnte.

"Man kann jetzt wirklich überholen, wenn man wie ich ein gutes Auto hat. Das ist wirklich klasse", meinte Werner nach seinem ersten Podestplatz. Am Ende kam für ihn einfach alles zusammen: Eine perfekte Strategie, tolle Überholmanöver und die Tatsache, dass sich die Konkurrenz mehrfach selbst im Weg stand. "Es ist schön, zu sehen, dass man die große Wende schaffen kann. Da ist man beim nächsten schlechten Qualifying nicht direkt deprimiert."

Warum hat Pascal Wehrlein trotz langer Führung nicht gepunktet?

Jubel und Enttäuschung lagen bei Pascal Wehrlein eng beieinander. Als jüngster DTM-Pilot der Geschichte führte er in Hockenheim das Rennen an, doch am Ende fuhr er ohne Punkte nach Hause. Grund war eine Strategie, die aufgrund der Reifenperformance nicht aufging. Wehrlein kam während der frühen Safety-Car-Phase nicht an die Box und fuhr danach lange auf den Option-Reifen. Die Zeiten waren gut, der Vorsprung wuchs sogar an und alles wirkte optimal, bis Wehrlein nach 23 Runden auf den Option-Reifen die Box ansteuert.

Als er auf die Strecke zurückkam, lag er allerdings außerhalb der Punkteränge und auf den harten Reifen war eine Verbesserung nicht möglich. Denn wie bei manch anderem seiner Markenkollegen ging auf den harten Reifen hinten raus gar nichts mehr. "Ich vermute, es war ein Nachteil, dass ich mit den harten Reifen unterwegs war, aber das muss die Datenanalyse genau zeigen", so Wehrlein gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Warum ist Timo Scheider so weit zurückgefallen?

Timo Scheider führte nur die ersten Runden an - Foto: Audi
Timo Scheider führte nur die ersten Runden anFoto: Audi

Von der Pole Position gestartet, hatte sich Timo Scheider in Hockenheim weit mehr ausgerechnet als Platz sechs. Was war passiert? Ganz einfach: ein strategischer Fehler. Während die Konkurrenz in der Safety-Car-Phase zum Boxenstopp abbog, blieb Scheider draußen - und zahlte den Preis dafür. "Strategisch war es falsch, in der Safety-Car-Phase nicht in die Box zu kommen. Das war heute leider ein kompletter Griff ins Klo", gestand der Audi-Pilot. Trotzdem wollte er nicht mit dem Finger auf seine Crew zeigen.

"Wir haben heute eine gute Platzierung weggeschmissen. Ohne das Safety Car wäre ein Podium möglich gewesen. Aber das Team hat zu dieser Zeit mit einem brennenden Auto, einer verlorenen Motorhaube und einer Durchfahrtsstrafe gekämpft. Überall im Team war Alarm, auch wenn das keine Entschuldigung ist", erklärte Scheider gegenüber Motorsport-Magazin.com. Immerhin stimmte die Rennpace seines Wagens,  wodurch er trotzdem in die Punkte fahren konnte.

Was hat es mit der 1-Sekunden-Strafe auf sich?

Die 1-Sekunden-Strafe ist Teil der neuen 'Laptime-Penalty' und seit diesem Jahr in der DTM eingeführt. Bei Verlassen der Strecke oder Missachten von gelben Flaggen bekommen die Fahrer eine Zeitstrafe, die sie in der folgenden Runde absitzen können. Dazu müssen sie ihre Rundenzeit im Vergleich zum vorhergegangenen Umlauf entsprechend verlangsamen. Für die Missachtung der Streckenbegrenzung hat das Reglement eine Strafzeit von einer Sekunde vorgesehen, bei einem Gelbvergehen werden dem Schuldigen sogar vier Sekunden aufgebrummt.

Geht der Pilot dieser Laptime-Penalty nicht nach, so erwartet ihn wie üblich eine Durchfahrtsstrafe. Beim Saisonauftakt in Hockenheim waren Filipe Albuquerque, Roberto Merhi, Timo Glock und Jamie Green von einer 1-Sekunden-Strafe betroffen, nachdem sie alle in der ersten Kurve die Strecke verlassen hatten. Letzterer verlangsamte seine Runde nicht genug und musste anschließend eine Durchfahrtsstrafe absitzen.

Warum kam Timo Glock beim Debüt nicht ins Ziel?

Timo Glock verlor einen Reifen - Foto: RACE-PRESS
Timo Glock verlor einen ReifenFoto: RACE-PRESS

Gerade einmal 18 Runden dauerte das DTM-Debüt von Timo Glock. Das Unheil nahm bereits in Runde 15 seinen Lauf, als sich der ehemalige DTM-Pilot verbremste und in der Sachskurve von der Strecke rutschte. Nach einigen Positionsverlusten konnte er zwar weiterfahren, steuerte jedoch wenig später die Box an. Dort bekam er zwar alle vier Reifen aufgezogen, doch der Mechaniker am hinteren rechten Rad war sich nach vermeintlich vollbrachter Tat doch nicht sicher, ob der Reifen nun fest ist.

Als der Mechaniker die Mutter sicherheitshalber noch einmal festziehen wollte und mit erhobenem Arm reklamierte, war es schon zu spät - Glock fuhr los. In seiner Outlap verlor er die Kontrolle über den Wagen und rutschte ins Gras. Alsdann machte sich der rechte Hinterreifen selbstständig und Glock humpelte auf drei Rädern Richtung Streckenbegrenzung. Glock nahm seine Mannschaft anschließend jedoch in Schutz. "Wir haben zwei Fehler gemacht, ich würde also nicht von vielen sprechen. Wir sind ein neues Team", betonte er.

Haben der Klappflügel und die neuen Reifen für mehr Überholmanöver gesorgt?

Die Premiere von DRS und Option-Reifen in Hockenheim kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Den Zuschauern wurde ein spannendes Rennen präsentiert. Gerade der DRS-Effekt war größer als so mancher prophezeit hatte. Im Fahrerlager kamen die Neuerungen gut an: "Mit der Einführung von DRS und den Option-Reifen haben wir Fahrer im Rennen viel zu tun, so macht das Rennfahren noch mehr Spaß", sagte Christian Vietoris, der auch aus den anderen Lagern bestätigt wurde.

"Ich denke, wir haben es geschafft, für Action auf der Strecke zu sorgen", freute sich BMW-Motorsportchef Jens Marquardt, dessen Amtskollege bei Audi, Dr. Wolfgang Ullrich, ihn gleich bestätigte: "Der neue DRS-Klappflügel und die Optionsreifen hatten den gewünschten Effekt. Wir haben sehr unterschiedliche Strategien gesehen, harte Zweikämpfe und tolle Überholmanöver." Einen zusätzlichen Spannungsfaktor brachte das Safety Car: Einige Fahrer mussten sich des weichen Reifens schon nach sechs Runden entledigen und zogen ihn später wieder auf - andere nicht. Daraus ergab sich eine hohe strategische Vielfalt.