Im Jahr 2023 sollen die legendären 24 Stunden von Le Mans in neuem Glanz erstrahlen: Pünktlich zum 100. Geburtstag des Langstrecken-Klassikers kehrt eine Armada an Autobauern zurück. Toyota, Glickenhaus und nach zwölfjähriger Abwesenheit auch Peugeot gehen in der Hypercar-Klasse mit ihren LMH-Boliden an den Start.

Den wahren Boom soll aber die ebenfalls siegfähige LMDh-Kategorie auslösen, in der sich ab 2023 neben Cadillac und Acura auch die drei deutschen Schwergewichte Audi, BMW und Porsche engagieren. Allerdings: Die 24 Stunden von Le Mans finden 2023 offenbar ohne BMW statt!

Was seit geraumer Zeit als Gerücht die Runde machte, hat BMW-Motorsportleiter Mike Krack nun erstmals öffentlich bestätigt. Im ersten Jahr der neuen Boliden werde sich der Autobauer aus München auf Einsätze in der US-amerikanischen IMSA-Serie beschränken, in der parallel zur WEC die LMDh-Autos antreten können.

"Wir haben eine enge Zeitschiene und nicht sonderlich viel Erfahrung in dem Segment", sagte Krack im Interview mit Motorsport aktuell. "Das hat zur Folge, dass wir uns fokussieren müssen, wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Deswegen fahren wir 2023 auch nicht in Le Mans. Wir konzentrieren uns im ersten Jahr des LMDh-Projekts auf Amerika, also auf den weltweit wichtigsten M-Markt."

Audi und Porsche 2023 ohne BMW in Le Mans

Damit ist ein Start von BMW in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC in der Saison 2023 ebenfalls vom Tisch. Audi und VW-Konzernschwester Porsche hatten unterdessen angekündigt, mit ihren LMDh-Autos sowohl in der Sportwagen-WM als auch in der IMSA an den Start gehen zu wollen.

Zur Mitte dieses Jahres war bei BMW M noch nicht klar gewesen, ob ein Start beim 24h-Rennen in Le Mans eine Option ist. Die Münchner hatten zunächst nur ein IMSA-Programm bekanntgegeben, allerdings sagte der ehemalige BMW-M-Geschäftsführer Markus Flasch damals zu Motorsport-Magazin.com: "Der Einsatz in der WEC und in Le Mans ist absolut möglich. Wir schauen uns das ganz genau an." Flasch wurde zum 01. November 2021 durch seinen Vorgänger, Franciscus van Meel, abgelöst und kehrte in die Serienproduktion der BMW Group zurück.

BMW kehrt 2023 nach Daytona zurück - Le Mans muss warten - Foto: BMW Motorsport
BMW kehrt 2023 nach Daytona zurück - Le Mans muss wartenFoto: BMW Motorsport

Porsche-Rollout noch 2021 - BMW sechs Monate hintendran

Krack führte den Verzicht auf den Start beim berühmtesten Rennen der Welt in Le Mans auf die knappe Entwicklungszeit des Autos zurück, das BMW kürzlich als Konzeptstudie vorgestellt hatte. Und tatsächlich sind die Münchner im Vergleich zur deutschen Konkurrenz knapp dran. Porsche hatte sich bereits am 16. Dezember 2020 - sechs Monate vor BMW - zur neuen Prototypen-Klasse bekannt und die Vorbereitungen vorangetrieben.

Mit Multimatic steht zudem Porsches Chassis-Partner fest, den jeder Hersteller aus einem bestimmten Pool frei auswählen darf. Das im Motorsport erfahrene Unternehmen beliefert auch Konzernschwester Audi mit Chassis für den LMDh-Prototypen. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com stammt obendrein der Verbrennungs-Motor im Porsche und Audi aus einer Hand, wobei Porsche bei der Entwicklung des V8-Aggregats die Oberhand haben soll.

Der Rollout des Porsche-Prototypen soll nach unseren Informationen sogar noch Mitte Dezember dieses Jahres auf dem Werksgelände in Weissach über die Bühne gehen. "Wir sind sechs Monate dahinter, das ist die Realität", sagte BMW-Mann Krack. "Deshalb versuchen wir viele Dinge vorzuziehen, die wir erst machen wollten, wenn das Auto fährt."

Krack: Es muss jetzt alles funktionieren

In die Entwicklung des sogenannten BMW M LMDh sind unter anderem Ingenieure aus den ehemaligen Werksprojekten in der DTM und der Formel E engagiert, das Auto wird beim Chassis-Partner Dallara in Italien gebaut. Der Rollout soll erst im kommenden Jahr auf dem Kurs in Varano stattfinden. Um sich mit Langstrecken-Prototypen vertraut zu machen, hat BMW zudem ein LMP2-Auto angeschafft.

Mit dem langjährigen Partner-Team Rahal-Letterman-Lanigan Racing (kurz: RLL) steht immerhin das IMSA-Einsatzteam für die beiden LMDh-Autos fest. Krack: "Generell ist die Entwicklung ein heißer Ritt, denn wenn man 2023 in Daytona am Start stehen will, muss das Auto im Sommer 2022 homologiert werden, und bis da muss die Testphase im Kern abgeschlossen sein. Wir haben keine großen Zeitpolster als Reserve, es muss jetzt alles funktionieren."