Die 88. Auflage der 24 Stunden von Le Mans (19./20. September) wird in die Geschichtsbücher des einst bedeutsamsten Rennens der Welt eingehen. Zum ersten Mal muss der Langstrecken-Klassiker in Folge der Corona-Krise ohne Zuschauer ausgetragen werden. Zum vierten Mal in ihrer Historie findet das 24-Stunden-Rennen nicht im Juni statt und gleichzeitig läutet es den Abschied der LMP1-Ära ein. Die Vorschau zum 24h-Rennen von Le Mans 2020.

Das Starterfeld

Nur 59 Rennwagen treten 2020 bei den 24 Stunden von Le Mans an. Üblicherweise sind 62 Boliden in den vier unterschiedlichen Klassen vorgesehen. In der Top-Kategorie LMP1 gehen nur fünf Autos an den Start - ein Nagativ-Rekord für den Klassiker. Die beiden hochfavorisierten Werks-Toyotas treffen auf drei Privatiers: Rebellion Racing aus der Schweiz tritt mit zwei R13 Gibson-Verbrennern an, das Team ByKolles setzt einen ENSO CLM P1/01 mit Gibson-Saugmotor ein.

Die wichtigste Fahrer-Änderung in Le Mans: Fernando Alonso ist nach zwei Gesamtsiegen in Folge nicht mehr dabei. Den Formel-1-Rückkehrer ersetzt bei Toyota seit WEC-Saisonbeginn der frühere F1- und Formel-E-Fahrer Brendon Hartley. Der Neuseeländer teilt sich den Toyota #8 mit Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima. Die einzige ernsthafte Konkurrenz stellt das unveränderte Schwesterauto mit der Startnummer #8 (Jose Maria Lopez, Kamui Kobayashi, Mike Conway) dar.

"Wir sind stolz darauf, uns als zweimalige Sieger auf dieses Rennen vorzubereiten, und wir geben alles, um ein drittes Mal in Folge Le Mans zu gewinnen", sagt Toyota-Teampräsident Hisatake Murata. Die beiden Hybrid-Toyotas mussten durch die Equivalence of Technology (EoT) im Vergleich zum Vorjahr an Gewicht zulegen und wiegen nun je 895 Kilogramm (2019: 888 Kilo). Nur in Le Mans kommt die zu Beginn dieser WEC-Saison eingeführte Erfolgsballast-Regel nicht zum Einsatz.

Gegen über 900 Kilogramm schwere Toyotas konnte Rebellion Racing bei den WEC-Rennen in Austin und Shanghai gewinnen. Ohne die künstliche Einbremsung dürfte den Japanern unter normalen Umständen der dritte Le-Mans-Sieg in Folge sowie der Gewinn der Weltmeisterschaft bei noch zwei ausstehenden Rennen in Le Mans und Bahrain nicht mehr zu nehmen sein.

59 Autos starten 2020 in Le Mans - Foto: Alexis GOURE (ACO)
59 Autos starten 2020 in Le MansFoto: Alexis GOURE (ACO)

Die unter österreichischer Lizenz startete Mannschaft von ByKolles nutzte zuletzt das 6-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps, um sich auf Le Mans einzuschießen. Neu im Team ist Bruno Spengler, der DTM-Champion von 2012. Der Franko-Kanadier steht vor seinem Debüt an der Sarthe und teilt sich den LMP1-Boliden mit Tom Dillmann und Oliver Webb. Rebellion führt die Trios Bruno Senna, Norman Nato, Gustavo Menezes sowie auf dem #3-R13 Romain Dumas, Nathanael Berthon und Louis Deletraz ins Feld.

Die LMP2-Klasse stellt mit 24 Autos die nominell stärkste dar. In der kleineren Prototypen-Klasse tummeln sich Top-Fahrer wie Juan-Pablo Montoya (Dragonspeed USA), Paul Di Resta (United Autosports), Jean-Eric Vergne (G-Drive Racing) oder sein Formel-E-Teamkollege Antonio Felix da Costa (Jota). Der Fokus in der Klasse liegt sicherlich auf dem Richard Mille Racing Team, das mit einem reinen Frauen-Team, bestehend aus den Le-Mans-Debütantinnen Sophia Flörsch, Tatiana Calderon und Beitske Visser (als Ersatz für Katherine Legge), antritt.

Ohne BMW, Ford und Corvette ist die GTE-Pro-Kategorie 2020 äußerst überschaubar. Nach der Absage der beiden IMSA-Porsches treten die Zuffenhausener mit zwei 911 RSR (#91 Bruni, Lietz, Makowiecki / #92 Christensen, Estre, Vanthoor) gegen vier Ferrari von Vorjahressieger AF Corse, Risi Competizione und Weathertech Racing an. Das Feld der acht GTE-Boliden wird durch zwei Aston Martin Vantage komplettiert.

Die GTE-Am-Kategorie ist mit 22 Autos von Porsche, Ferrari und Aston Martin unterdessen gut gefüllt. Mit dabei ist wieder der Vorjahres-Klassensieger Project 1 aus Deutschland. Die erfolgreiche Porsche-Kundenmannschaft rückt mit drei der insgesamt acht 911 RSR im Feld an, die zudem durch Dempsey-Proton Racing und Proton Competiton betreut werden. Zwölf Ferrari 488 GTE EVO sowie zwei Aston Martin Vantage AMR bilden die internationale Konkurrenz.

24h Le Mans: Alle Gesamtsieger seit 2010

Jahr Hersteller Fahrer
2019 Toyota Alonso, Buemi, Nakajima
2018 Toyota Alonso, Buemi, Nakajima
2017 Porsche Bernhard, Hartley, Bamber
2016 Porsche Lieb, Dumas, Jani
2015 Porsche Hülkenberg, Tandy, Bamber
2014 Audi Lotterer, Fässler, Treluyer
2013 Audi Kristensen, McNish, Duval
2012 Audi Lotterer, Fässler, Treluyer
2011 Audi Lotterer, Fässler, Treluyer
2010 Audi Bernhard, Rockenfeller, Dumas

Die Deutschen in Le Mans

Bekannteste Pilotin des deutschen Fahrer-Trios: Sophia Flörsch - Foto: LAT Images
Bekannteste Pilotin des deutschen Fahrer-Trios: Sophia FlörschFoto: LAT Images

Fans aus Deutschland können auch in diesem Jahr ein paar wenigen Landsleuten die Daumen drücken. Mit Sophia Flörsch, Steffen Görig und Christian Ried sind nur nur eine Fahrerin und zwei Piloten am Start. Flörsch ist Teil des reinen Frauenteams im LMP2-Oreca #50 von Richard Mille Racing. Sie teilt sich das Fahrzeug mit Tatiana Calderon und der Niederländerin Beitske Visser.

Auf Hersteller-Seite ist vor allem für die Porsche-Fans einiges geboten. Zehn der 59 Fahrzeuge aus der Starterliste sind Fabrikate aus Zuffenhausen. Neben den beiden werksseitig eingesetzten Fahrzeugen in der GTE-Pro-Kategorie setzen auch Project 1, Dempsey-Proton-Racing bzw. Proton Competition und Gulf Racing die 911er ein.

Mit Richard Lietz, Thomas Preining und René Binder sind in Le Mans auch drei österreichische Fahrer dabei, während die Schweizer Fans ihren Fokus vor allem auf Fahrerinnen und Fahrer wie Sebastien Buemi, Louis Deletraz, Simon Trummer und Rahel Frey legen werden. ByKolles ist das einzige Team im Feld, das unter österreichischer Flagge startet, während aus der Schweiz die Mannschaften Rebellion Racing, Cool Racing, Spirit of Race und Luzich Racing dabei sind.

24h Le Mans: Die erfolgreichsten Fahrer

Position Fahrer Gesamtsiege Jahre
1 Tom Kristensen 9 1997, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2008, 2013
2 Jacky Ickx 6 1969, 1975, 1976, 1977, 1981, 1982
3 Derek Bell 5 1975, 1981, 1982, 1986, 1987
Frank Biela 5 2000, 2001, 2002, 2006, 2007
Emanuele Pirro 5 2000, 2001, 2002, 2006, 2007
6 Olivier Gendebien 4 1958, 1960, 1961, 1962
Henri Pescarolo 4 1972, 1973, 1974, 1984
Yannick Dalmas 4 1992, 1994, 1995, 1999

Die Rahmenbedingungen

In Le Mans ist es dieses Jahr länger dunkel als sonst - Foto: LAT Images
In Le Mans ist es dieses Jahr länger dunkel als sonstFoto: LAT Images

Die 88. Ausgabe der 24h von Le Mans wird als eine ganz außergewöhnliche in die Geschichte eingehen. Dazu gehört einerseits der ungewohnte Termin im September, der kühlere Temperaturen, eine längere Nacht und womöglich auch mehr Niederschlag mit sich bringt. Allein diese Parameter beeinflussen die Vorbereitung der Teams elementar.

Auswirkungen gibt es auch auf das Racing: Durch die kühleren Temperaturen arbeiten die Motoren besser und die Reifen sind länger haltbar, zumindest in der Theorie. Hinzu kommen noch die anderen Faktoren, die aufgrund der Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Dazu zählt der wesentlich kompaktere Zeitplan, der dem Event den üblichen Festival-Charakter nimmt.

Der Testtag fiel 2020 ins Wasser, weshalb die Teams ohne valide Daten ins Wochenende starten. Fehler und Unfälle in den Trainings könnten durch den straffen Fahrplan wesentlich härter bestraft werden, in Form von entgangener Trainingszeit oder einer schlechteren Startposition. Außerdem findet das Rennen erstmals in seiner Historie als Geisterrennen statt. Auf Unterstützung von den Rängen können die Protagonisten also nicht zählen.

Der Zeitplan

Der Startschuss fällt dieses Jahr zu einer früheren Uhrzeit - Foto: LAT Images
Der Startschuss fällt dieses Jahr zu einer früheren UhrzeitFoto: LAT Images

Streckenaction gibt es in Le Mans in diesem Jahr zwischen Donnerstag und Sonntag. Der Zeitplan sieht für die Beteiligten insgesamt zehn Stunden Freies Training und ein 45-minütiges Qualifying am Donnerstag vor. Am Freitag stehen ein weiteres Freies Training und das neue Hyperpole-Format an.

Für die neue Hyperpole qualifizieren sich jene Fahrzeuge, die es im Qualifying unter die Top-6 in den einzelnen Klassen schaffen. Diese 24 Autos machen dann die ersten drei Startreihen in den einzelnen Klassen in der Hyperpole unter sich aus. Für den Samstag haben die Organisatoren noch ein 15-minütiges Warm Up am Vormittag vorgesehen, der Rennstart erfolgt um 14:30 Uhr. Inklusive aller Rahmenserien sieht der Zeitplan für 2020 wie folgt aus:

Donnerstag, 17.09.2020:
08:30 Uhr - 09:30 Uhr: Road To Le Mans - 1. Freies Training
10:00 Uhr - 13:00 Uhr: 24h von Le Mans - 1. Freies Training
14:00 Uhr - 17:00 Uhr: 24h von Le Mans - 2. Freies Training
17:15 Uhr - 18:00 Uhr: 24h von Le Mans - Qualifying
18:30 Uhr - 19:30 Uhr: Road To Le Mans - 2. Freies Training
20:00 Uhr - 00:00 Uhr: 24h von Le Mans - 3. Freies Training

Freitag, 18.09.2020:
08:30 Uhr - 08:50 Uhr: Road To Le Mans - 1. Qualifying
09:10 Uhr - 09:30 Uhr: Road To Le Mans - 2. Qualifying
10:00 Uhr - 11:00 Uhr: 24h von Le Mans - 4. Freies Training
11:30 Uhr - 12:00 Uhr: 24h von Le Mans - Hyperpole
13:00 Uhr - 13:45 Uhr: Porsche Carrera Cup - 1. Freies Training
14:15 Uhr - 15:10 Uhr: Road To Le Mans - 1. Rennen
15:45 Uhr - 16:30 Uhr: Porsche Carrera Cup - 2. Freies Training
17:30 Uhr - 18:30 Uhr: Porsche Carrera Cup - Qualifying

Samstag, 19.09.2020:
09:15 Uhr - 10:00 Uhr: Porsche Carrera Cup - Rennen
10:30 Uhr - 10:45 Uhr: 24h von Le Mans - Warm Up
11:15 Uhr - 12:10 Uhr: Road To Le Mans - 2. Rennen
14:30 Uhr: 24h von Le Mans - Start

Sonntag, 20.09.2020:
14:30 Uhr: 24h von Le Mans - Ziel

Das Wetter

Mit Ausnahme des Samstags herrscht herrliches Wetter in Le Mans - Foto: Aston Martin
Mit Ausnahme des Samstags herrscht herrliches Wetter in Le MansFoto: Aston Martin

Die Beteiligten können in den Trainingstagen mit besten Verhältnissen rechnen. Das Regenrisiko beträgt für Donnerstag und Freitag jeweils ein Prozent. Die Höchsttemperaturen sollen 27 Grad Celsius betragen, bei wolkenlosem bis leicht bewölktem Himmel.

Anders gestaltet sich die Sache schon an den Renntagen: Der Samstag soll laut aktueller Vorhersage komplett verregnet sein bei Höchstwerten von 22 Grad. Zum Sonntag hin soll zumindest der Regen aufhören, jedoch bleibt es bewölkt über Le Mans.

24h Le Mans 2020 im TV und Livestream

Die 24h von Le Mans lassen sich 2020 auf diverse Arten verfolgen. Im Free-TV ist Eurosport 1 die erste Anlaufstelle für alle Fans. Hier werden das komplette Rennen inklusive Vor- und Nachberichte, die Hyperpole und das 3. und 4. Freie Training übertragen. Online lässt sich das Event über Eurosport Player, DAZN und den offiziellen WEC-Stream verfolgen.

Das Live-TV-Programm zu den 24h von Le Mans 2020:

Datum Uhrzeit Session Sender
Do., 17.09.20 14:00 - 17:00 2. Freies Training Eurosport 2
17:00 - 18:00 1. Qualifying Eurosport 2
20:00 - 00:15 3. Freies Training Eurosport 1
Fr., 18.09.20 10:00 - 11:00 4. Freies Training Eurosport 1
11:30 - 12:15 Hyperpole Eurosport 1
Sa., 19.09.20 10:30 - 11:00 Warm Up Eurosport 1
13:30 - 14:15 Vorberichte Eurosport 1
14:15 - 00:00 Rennen Eurosport 1
So., 20.09.20 00:00 - 15:05 Rennen Eurosport 1
06:00 - 09:00 Rennen ORF Sport+

24h Le Mans: Die erfolgreichsten Hersteller

Position Hersteller Gesamtsiege Jahre
1 Porsche 19 1970, 1971, 1976-1977, 1979, 1981-1987, 1994, 1996-1998, 2015-2017
2 Audi 13 2000-2002, 2004-2008, 2010-2014
3 Ferrari 9 1949, 1954, 1958, 1960-1965
4 Jaguar 7 1951, 1953, 1955-1957, 1988, 1990
5 Bentley 6 1924, 1927-1930, 2003
6 Alfa Romeo 4 1931-1934
Ford 4 1966-1969
8 Matra-Simca 3 1972-1974
Peugeot 3 1992-1993, 2009
10 Lorraine-Dietrich 2 1925-1926
Bugatti 2 1937, 1939
Toyota 2 2018-2019
13 Chenard & Walcker 1 1923
Lagonda 1 1935
Delahaye 1 1938
Talbot-Lago 1 1950
Mercedes-Benz 1 1952
Aston Martin 1 1959
Mirage 1 1975
Renault-Alpine 1 1978
Rondeau 1 1980
Sauber-Mercedes 1 1989
Mazda 1 1991
McLaren 1 1995
BMW 1 1999